Ex-Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski investiert in Start-ups
»Nie wieder Angestellter«

Bielefeld (WB). Er war Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Medienkonzerns. Doch als er ging, hatte Hartmut Ostrowski (57) einen festen Vorsatz: »Nie wieder Angestellter sein.«

Donnerstag, 15.10.2015, 07:13 Uhr
Ex-Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski investiert in Start-ups : »Nie wieder Angestellter«
Hartmut Ostrowski investiert jetzt in Start-Ups. Foto: Oliver Schwabe

So lehnte er selbst lukrative Angebote, »die es durchaus gab«, ab. Stattdessen engagiert er sich außer als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Zweitligisten Arminia Bielefeld als Investor bei neugegründeten Start-ups. Und weil er sich dabei als Unternehmer fühlt, der seine Ideen und Hinweise als mindestens ebenso wichtig einstuft als das Geld, das er gibt, beschäftigt er sich mit Themen, »von denen ich vor zehn oder 20 Jahren noch keine Ahnung hatte. Glauben Sie, das hält jung.«

Beim OWL-Marketingclub beschrieb Ostrowski seinen Aufstieg vom Sohn eines Bielefelder Handwerksmeisters zum Vorstandschef bei Bertelsmann. Ihn habe fasziniert, wie Reinhard Mohn seinem Management soviel Freiraum einräume, dass es tatsächlich fast unternehmerisch handeln kann. An der Spitze trug Ostrowski Verantwortung für 100 000 Beschäftigte. Der Arbeitstag hatte 14 bis 16 Stunden. Dennoch habe das letzte Stück zum Unternehmer noch gefehlt. »Ich wollte noch etwas Neues machen, und mit 65 wäre dieser Anfang kaum noch möglich gewesen«, begründete Ostrowski seinen Abschied nach 30 Angestellten-Jahren aus Gütersloh. Und augenzwinkernd fügte er hinzu: »Außerdem war es nicht so, dass die Eigentümerfamilie mich auf Knien gebeten hätte, doch noch bei Bertelsmann zu bleiben.«

Willensstärke und Risikobereitschaft sind Grundvoraussetzungen

»Ein Start-up ist Urunternehmertum«, sagte Ostrowski. Insgesamt hat er sich an etwa einem Dutzend Jungfirmen mit fünfstellingen Summen und Quoten zwischen vier und 20 Prozent beteiligt. Darunter sind ein Anbieter fremdsprachlicher Übersetzungen, eine Firma, die Nachhaltigkeitsberichte für Unternehmen erstellt, eine Online-Pflegeberatung und eine Fachkräftevermittlung. Nicht alle seien profitabel. Doch unterm Strich erwarte er eine Rendite von 10 bis 20 Prozent.

Willensstärke und Risikobereitschaft seien Grundvoraussetzungen für einen Unternehmer. Selbst Marktstudien gäben keine Sicherheit, sagte Ostrowski, und zitierte den US-Automobilpionier Henry Ford: »Hätte ich meine Kunden gefragt, was die haben wollen, hätten sie geantwortet: ein schnelleres Pferd.«

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