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Mo., 11.01.2016

Polizei bestätigt drei Anzeigen wegen sexueller Nötigung Augenzeugenbericht löst Kripo-Ermittlungen aus

Die Bielefelder Polizei verzeichnete am Wochenende am Boulevard mehr als zehn Festnahmen.

Die Bielefelder Polizei verzeichnete am Wochenende am Boulevard mehr als zehn Festnahmen. Foto: Bernhard Pierel

Von Jens Heinze und Stefan Biestmann

Bielefeld (WB). Nach den Silvestervorfällen im Bielefelder Bahnhofsviertel ist es am Wochenende trotz verstärkter Polizeipräsenz erneut zu Straftaten gekommen – darunter ein sexueller Übergriff.

Unterdessen hat der Exklusivbericht dieser Zeitung über das Ausmaß der Exzesse in Bielefeld zum Jahreswechsel Ermittlungen der Kripo ausgelöst. »Die Vorwürfe, die aus dem Schreiben hervorgehen, werden als Anzeige gewertet. Dementsprechend werden Ermittlungen aufgenommen. Der Fall liegt jetzt bei der Kripo«, sagte der Bielefelder Polizeisprecher Achim Ridder.

Drei Strafanzeigen erstattet

Polizeisprecher Ridder bestätigte, dass nach den Silvesterausschreitungen drei Strafanzeigen wegen sexueller Nötigung erstattet wurden. In dieser Woche sollten die Opfer von der Kripo gehört werden. Es werde geprüft, die Videoüberwachungen der Discos an der Amüsiermeile Boulevard auszuwerten.

Diese Zeitung hatte am Samstag einen Augenzeugenbericht des Chefs des Sicherheitsdienstes der Bielefelder Disco Elephant Club über Ausschreitungen im dortigen Bahnhofsviertel öffentlich gemacht. Die Schilderungen der sexuellen Übergriffe auf Frauen, begangen offenbar von Migranten nordafrikanischer Herkunft, und die Randale von bis zu 500 Menschen griffen Medien bundesweit auf. Die FDP will die Vorfälle zudem im Innenausschuss des Landtages thematisieren.

Sondereinsatz am Wochenende

Am vergangenen Wochenende rüstete die Polizei in Bielefeld massiv auf und verdoppelte ihre Präsenz im Bahnhofsviertel. Die vorläufige Bilanz des Sondereinsatzes: Zwei mit Haftbefehlen gesuchte Verdächtige gefasst, ein Randalierer in eine Zelle gesteckt. Es gab mehr als zehn Festnahmen von mutmaßlichen Sex- und Gewalttätern, Antanz- und Trickdieben sowie eines illegalen Einwanderers. Die Polizei registrierte neun Strafanzeigen – von sexueller Nötigung über Körperverletzung bis zu Diebstahl.

Die Zahl der gefassten Tatverdächtigen und angezeigten Delikten kommentierte am Sonntag ein Polizeisprecher mit den Worten, dass dies »nicht auffälliger als an anderen Wochenenden« sei. Zu den Nationalitäten der Festgenommenen machte der Sprecher keine Angaben.
Im Mittelpunkt der jüngsten Ereignisse stand wie zu Silvester eine Gruppe von Migranten.

Die etwa zehn Personen – laut Polizeibeschreibung mit südländischem beziehungsweise nordafrikanischem Aussehen – waren am späten Samstagabend in eine Schlägerei im Bahnhofsviertel verwickelt, bei der zwei Menschen verletzt wurden.

Sechs der Männer tauchten am frühen Sonntag am Boulevard auf. Als Polizisten die Verdächtigen kon­trollierten und bei einer Person eine Tüte mit Drogen fanden, meldete sich eine Frau. Sie gab an, dass ein Mann aus dieser Gruppe sie sexuell bedrängt und intim berührt habe.

Hooligans am Boulevard

Bereits am Freitagabend hatten sich etwa 80 Hooligans auf der Amüsiermeile versammelt, darunter waren nach Polizeiangaben zufolge auch Anhänger von Arminia Bielefeld und Hannover 96. Die Gruppe habe sich über soziale Internet-Medien verabredet. Das Ziel der selbst ernannten Hooligan-Bürgerwehr: zu verhindern, dass es am Boulevard erneut zu Übergriffen kommt. Die Gruppe sei einmal durch das Bahnhofsviertel gezogen, habe zwei Böller und zwei Flaschen geworfen. Verletzte und Schäden gab es laut Polizei aber nicht.

Oberbürgermeister äußert sich

Unterdessen hat sich Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen in einer Pressemitteilung zu den Vorfällen in der Silvesternacht geäußert. Er spricht sich in einer Pressemitteilung gegen eine Sondersitzung des Hauptausschusses aus. 

Clausens Erklärung im Wortlaut

»Die Fraktion der Bürgergemeinschaft für Bielefeld (BfB) hat eine Sondersitzung des Haupt- und Beteiligungsausschusses beantragt, in deren Rahmen die Polizeipräsidentin und ich Erfahrungsberichte und Lageeinschätzungen über die Ereignisse am Silvesterabend auf dem Boulevard vornehmen sollen. Auch aus der Bürgerschaft haben mich entsprechende Anfragen erreicht. Meine Erkenntnisse über die Ereignisse beruhen auf den Angaben, die die Polizeipräsidentin mir gegenüber gemacht hat. Wir befinden uns in engen Gesprächen auch darüber, wie die Sicherheitssituation auf dem Boulevard zukünftig verbessert werden kann. Die Polizei ist mit weiteren Ermittlungen zur Sachverhaltsaufklärung befasst. Diese Ermittlungen sollen nicht durch vorzeitige öffentliche Erklärungen erschwert werden. Die Polizeipräsidentin und ich haben die Einschätzung, dass wir in der nächsten ordentlichen Sitzung des Haupt- und Beteiligungsausschusses am 4. Februar 2016 eine belastbare Lagebeschreibung vornehmen können. Daher scheint mir eine Sondersitzung nicht zielführend zu sein. Wenn die BfB-Fraktion ihren Antrag aufrechterhält, werde ich zu einer Sondersitzung einladen müssen, aber voraussichtlich keinen Bericht erstatten können.«

Kommentare

Das ist vertrauensvolle, schnelle Arbeit eines Bürgermeisters. Nach 35 Tagen einen "belastbaren Bericht. Nach 350 Tagen kommt dann eine "belastbares" Lösungskonzept. Und nach der 3. Wahlperiode warten wir geduldig auf eine Lösung.

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