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Mo., 25.01.2016

Bielefelds Helfer und Retter haben massive Probleme mit ihren neuen digitalen Funkmeldeempfängern Feuerwehrleute werden nicht alarmiert

Feuerwehreinsatz.

Feuerwehreinsatz. Foto: Symbolbild

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). Die mehr als 1000 aktiven Helfer und Retter von Berufs- und Freiwilligen Wehren in Bielefeld kämpfen mit massiven technischen Problemen.

Im Alarmfall, wenn es um Menschenleben und jede Minute bis zum Eintreffen am Einsatzort geht, funktionieren nicht alle der etwa 800, erst vergangenes Jahr neu gekauften digitalen Funkmeldeempfänger. »Die Teile sind absolut nicht zu gebrauchen«, sagt ein erfahrener Brandbekämpfer über das Produkt einer Firma aus Koblenz. Andere Wehrleute berichten, dass sie gar nicht oder zu spät von einem Einsatz erfahren. »Wir bilden inzwischen Telefonketten, um uns zu informieren«, hieß es aus der Freiwilligen Feuerwehr.

Unter anderem sollen sich die Funkmeldeempfänger (»Alarmpieper«) des Kommunikationstechnik-Anbieters für Feuerwehren, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen aus bislang unbekannten Gründen »selbstständig vom lauten Alarm auf den stillen Vibrationsalarm umstellen«. Das trifft besonders nachts die freiwilligen Kräfte, wenn im Schlaf ein Alarm an ihnen vorbei geht.

»Wir können mit diesem Zustand nicht leben«

Bielefelds Feuerwehrchef Rainer Kleibrink bestätigte am Sonntag auf Anfrage die Probleme mit den neuen digitalen Funkmeldeempfängern. Es werde inzwischen über den Kauf neuer Geräte nachgedacht, sagte der Leitende Branddirektor. »Wir können mit diesem Zustand nicht leben.«

Kleibrink bestätigte WESTFALEN-BLATT-Informationen, wonach das Funkmelder-Problem die gesamte Feuerwehr der Großstadt betreffe. »Das ist ein großes Problem«, unterstrich der Feuerwehrchef. Die Schwierigkeiten mit den vergangenes Jahr in drei Chargen beschafften Digitalmeldern »sind schwer verifizierbar«. »Die Fehler treten sporadisch auf«, sagte Leitender Branddirektor Kleibrink. Nach Informationen dieser Zeitung sind bislang mehrere Tests der Abteilung Technik der Berufsfeuerwehr mehr oder weniger ergebnislos verlaufen. Der Grund, warum Melder gar nicht, mit stummem Alarm oder erst verspätet auslösen, wurde nicht gefunden.

Feuerwehrchef Kleibrink betonte, dass die Stadt Bielefeld mit dem Spezialanbieter für Kommunikationstechnik »in Verhandlungen steht«. Diese sind aus städtischer Sicht offenbar nicht zufriedenstellend verlaufen. »Es wird vermutlich auf einen Rechtsstreit hinaus laufen«, sagte der Feuerwehrchef.

Noch keine »dramatischen Auswirkungen«

Den Angaben von Kleibrink zufolge hätten die Fehlfunktionen der neuen digitalen Funkmeldeempfänger noch keine »dramatischen Auswirkungen« bei Einsätzen gehabt. Die Zahl der notwendigen Helfer und Retter sei bislang immer erreicht worden.

Der Koblenzer Kommunikationstechnik-Spezialanbieter beschreibt seinen digitalen Funkmeldeempfänger als »neu und innovativ«. Das »Oberklasse«-Gerät erfülle alle Ansprüche und punkte mit »unzähligen neuen Möglichkeiten bei der individuellen Programmierung, speziell für den Einsatz bei den Feuerwehren und im Rettungsdienst«. Das erforderliche Zulassungsverfahren habe der Funkmeldeempfänger ebenso durchlaufen wie weitere, notwendige Prüfverfahren, teilt die Firma aus Rheinland-Pfalz mit.

In Feuerwehrforen im Internet ist dagegen zu lesen, dass auch andere Funkmeldeempfänger dieses Spezialanbieters nicht zuverlässig funktionieren sollen. Die Stadt Bielefeld habe beim Kauf neuer digitaler Funkmelde-Empfänger auf den »billigsten Anbieter« gesetzt, klagt ein hiesiger Feuerwehrmann. Der Spezialist für Kommunikations-Technik habe »viel versprochen, aber wenig gehalten«. Ein anderer Brandbekämpfer widerspricht zumindest dem Vorwurf des Billig-Modells. Mit Preisen im Internet zwischen 274 Euro bis zu 296 Euro sei der in Bielefeld bemängelte Funkmelde-Empfänger nicht gerade ein »Schnäppchen«.

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