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Mi., 02.03.2016

Die Arbeiterwohlfahrt informiert Flüchtlinge über Verhaltensregeln in Deutschland Was zu tun ist im Notfall

Mehr als 100 Flüchtlinge sind zur AWO-Schulung im Gemeindehaus Ummeln zusammengekommen. Teamleiter Surendra Karki (stehend) übersetzt inmitten der Flüchtlinge die von den deutschen Experten übermittelten Informationen.

Mehr als 100 Flüchtlinge sind zur AWO-Schulung im Gemeindehaus Ummeln zusammengekommen. Teamleiter Surendra Karki (stehend) übersetzt inmitten der Flüchtlinge die von den deutschen Experten übermittelten Informationen. Foto: Kerstin Panhorst

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). Bei roter Ampel geht man nicht über die Straße, Kinder dürfen nicht geschlagen werden, und im Notfall alarmiert man mit der Rufnummer 112 die Rettung. Was für die meisten in Deutschland aufgewachsenen Menschen selbstverständlich ist, kann für Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen ein Novum bedeuten.

Deshalb hat die Arbeiterwohlfahrt (AWO) nun in einem Pilotversuch eine Informationsveranstaltung zu den Themen »Allgemeines Recht« und »Erste Hilfe« durchgeführt. Mehr als 100 Flüchtlinge aus dem Wohnquartier Zedernstraße kamen ins Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Ummeln, um sich über grundsätzliche Verhaltensregeln aufklären zu lassen.

Strafbares Verhalten

»In der AWO-Einrichtung leben derzeit 530 Flüchtlinge. Wir haben so eingeladen, dass mindestens einer aus jeder Familie heute an der Veranstaltung teilnimmt«, erzählt Mitorganisator Firas Qunneis. Der selbst aus Palästina stammende AWO-Mitarbeiter, Teamleiter Surendra Karki aus Nepal sowie zwei weitere Teammitglieder fungierten bei der Schulung als Simultandolmetscher für die beiden anwesenden Experten.

Zunächst informierte Erhard Küster die hauptsächlich aus dem Irak und Syrien, aber auch aus Südasien stammenden Teilnehmer über die Unterschiede zwischen Ordnungswidrigkeit, Vergehen und Verbrechen. »Ich kann hier nicht das ganze Strafgesetz erzählen. Was ich aber aufstellen kann, sind Verhaltensmaßregeln. Und ich kann ihnen sagen, dass strafbares Verhalten auch negative Auswirkungen auf ihr Asylverfahren hat«, erläutert der pensionierte Polizeihauptkommissar.

Als ehemaliger Brackweder Wachleiter bekommt Küster auch heute noch mit, wenn sich Nachbarn der Flüchtlingsunterkünfte beschweren. Meistens geht es dabei um nächtliche Ruhestörungen, das Entsorgen von Müll in fremden Gärten und Diebstähle von der Wurst im Supermarkt bis zum Fahrrad vor der Tür. Zudem sei Gewalt in Beziehungen immer wieder ein Thema. »Ich habe schon erlebt, dass der eine oder andere Vater sein Kind geschlagen hat im Quartier Zedernstraße«, berichtet Küster. Aufgrund des anderen kulturellen Hintergrundes sei vielen nicht bewusst, dass ein solches Verhalten in Deutschland strafbar ist. »Damit Freiheit funktioniert, braucht es Regeln, und das sind in einem Staat die Gesetze«, erklärte er den aufmerksamen Flüchtlingen.

Reagieren im Notfall

Über das richtige Verhalten in medizinischen Notsituationen klärte zudem Wolf Mitscherling auf. Der Rettungssanitäter hat bereits als Zugbegleiter mehr als 800 Flüchtlinge auf dem Weg von Passau nach Köln begleitet und auch in der Rütli-Flüchtlingsunterkunft in Bielefeld Erfahrungen gesammelt. »Manchmal gibt es Probleme, wenn der Notarzt kommt. Die Menschen wissen oft nicht, was dann passiert, und sie wissen auch nicht, wie sie sich bis zum Eintreffen der Rettung verhalten sollen«, erzählt der Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes. Im Rahmen der AWO-Schulung erläuterte Mitscherling zunächst das Absetzen eines Notrufes mit den erforderlichen Angaben, bevor er an einer Puppe Erste-Hilfe-Maßnahmen von der stabilen Seitenlage bis zur Reanimation vorführte.

Mit der ersten Veranstaltung zeigte sich das AWO-Team insgesamt zufrieden, in Zukunft könnten weitere Schulungen für Flüchtlinge folgen. Dann sollen vor allem die Themen »Erziehung«, »Frauenrechte« und »Kinderschutz« behandelt werden.

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