Politiker und Wirtschaftsvertreter geben sich im Iran die Klinke in die Hand
Für Euphorie noch zu früh

Bielefeld/Teheran (WB). Nach Wochen, in denen Harald Grefe vor allem für die wirtschaftlichen Chancen im Iran geworben hat, bremst der Geschäftsführer der IHK Ostwestfalen mittlerweile die Erwartungen. »Die Öffnung braucht Zeit«, sagte er unmittelbar vor Beginn einer Unternehmerreise nach Teheran.

Sonntag, 22.05.2016, 14:28 Uhr aktualisiert: 23.05.2016, 10:30 Uhr
Eine iranische Angestellte wartet auf Messebesucher. Mit dem Geld, das der Export von Öl und Gas ins Land spülen soll, will Teheran den wirtschaftlichen Wiederaufbau finanzieren. Foto: Abedin Taherkenareh/dpa
Eine iranische Angestellte wartet auf Messebesucher. Mit dem Geld, das der Export von Öl und Gas ins Land spülen soll, will Teheran den wirtschaftlichen Wiederaufbau finanzieren. Foto: Abedin Taherkenareh/dpa
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Bernhard Hertlein, Leiter der WESTFALEN-BLATT-Wirtschaftsredaktion berichtet aus dem Iran. Foto: Oliver Schwabe

Bielefeld ist Schwerpunktkammer für den Iran, Grefe für den Außenhandel zuständig. In dieser Funktion hat er die Reise von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) mitvorbereitet. 

Dabei sind von Sonntag an knapp 100 Unternehmer, darunter 21 aus OWL. Einige der Firmen haben schon in den siebziger Jahren in den Iran geliefert. Dabei sind aber auch etliche Neulinge.

Jahre bis zur vollständigen Normalisierung

Ein Grund, warum Grefe und andere Iran-Experten vor überzogener Euphorie warnen, ist der lange Fahrplan bis zur endgültigen Aufhebung aller Sanktionen. Nach dem Abschluss des Atom­deals zwischen Iran auf der einen und Russland, China sowie den Westmächten auf der anderen Seite wurden im Januar 2016 die ersten Beschränkungen aufgehoben.

Bis zur vollständigen Normalisierung werden aber noch viele Jahre vergehen. Genannt wird das Jahr 2023, manchmal auch 2025. 

Iran-Reise

Bernhard Hertlein, Leiter der Wirtschaftsredaktion des WESTFALEN-BLATTES, berichtet in den kommenden Tagen von der Unternehmerreise in de Iran. Seine Berichte lesen Sie in der Zeitung und auf www.westfalen-blatt.de.

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Das größte Hindernis für den sofortigen Abschluss von Verträgen ist die Zurückhaltung europäischer Großbanken, sich im Iran zu engagieren. Sie fürchten – ebenso wie auch man­che Unternehmer – uner­wünschte Reaktionen in den USA.

USA halten an Einschränkungen fest

Die Vereinigten Staaten halten weiterhin einseitig an Einschränkungen des Handels mit Teheran fest. Das führt zur Rechtsunsicherheit bei Geldinstituten. Ihnen geht im Zweifel das bestehende US-Geschäft vor möglichen neuen Abschlüssen im Iran.

Die Machthaber im Teheran haben dafür eine einfache Erklärung: Israel, der alte Feind, hintertreibe den Deal, sagt Präsident Hassan Ruhani. Daneben nennt dieser Saudi Arabien, den Gegenspieler in der Welt der Muslime. Ryad hat auch ökonomische Gründe, die Öffnung des Iran zu hintertreiben. Schließlich führt der Wiedereintritt des Landes in den internationalen Ölmarkt zu einem größeren Angebot und damit zu sinkenden Preisen.

Ruhani unter Druck

Ruhani selbst steht unter Druck. Um in gut einem Jahr wiedergewählt zu werden, muss er wirtschaftliche Erfolge nachweisen.

Erst kürzlich hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine zweite Iran-Reise nach 2015 kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt. Aber auch ohne ihn geben sich in Teheran derzeit ausländische Politiker und Wirtschaftsvertreter die Klinke in die Hand.

Duins Delegation darf sich ­dennoch einiger Aufmerksamkeit gewiss sein. Es handelt es sich Grefe zufolge um die größte NRW-Wirtschaftsdelegation, die je ein anderes Land besuchte.

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