ASB zeigt sich nach Eskalation betroffen – »schwer vorhersehbar«
Streit beim Fußball soll Massenprügelei unter Flüchtlingen ausgelöst haben

Bielefeld (WB). Die Massenschlägerei unter Flüchtlingen im Umfeld des Oldentruper Hofs war aus Sicht des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der dort die Zentrale Unterbringungseinrichtung des Landes (ZUE) betreibt, schwer vorhersehbar.

Montag, 23.05.2016, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.05.2016, 08:33 Uhr
ASB zeigt sich nach Eskalation betroffen – »schwer vorhersehbar« : Streit beim Fußball soll Massenprügelei unter Flüchtlingen ausgelöst haben
Foto: Bernhard Pierel

Nach der handfesten Auseinandersetzung zwischen 30 tsche­tschenischen Muslimen und irakischen Jesiden auf der Potsdamer Straße in Höhe des Unternehmens Dürkopp-Adler am Samstagabend zeigt sich ASB-Geschäftsführer Ingo Schlotterbeck im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT betroffen. Fünf Jesiden waren durch den Einsatz von Messern, Schlagstöcken und Fäusten teils schwer verletzt worden.

Erster Vorfall dieser Art

Eine Auseinandersetzung dieser Art habe es in Bielefeld bisher nicht gegeben. Und sie sei im Vorfeld auch schwer voraussehbar gewesen, sagt Schlotterbeck. Die beiden Gruppen aus Tschetschenien und Irak gehören demnach zwar verschiedenen Glaubensrichtungen an. Dass sie sich aus religiösen Gründen anfeinden, sei aber nicht typisch. Ohnehin soll es im Vorfeld zwar religiöse Beleidigungen gegeben haben, Auslöser war offenbar aber ein eher weltliches Thema: ein Streit im Rahmen eines Fußballspiels, mit dem die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft ihre Freizeit verbracht haben und an dem auch die irakischen und die tschetschenischen Familien beteiligt gewesen sein sollen. Ganz geklärt seien die Hintergründe aber noch nicht. »Da gibt es sehr widersprüchliche Aussagen«, sagt der ASB-Geschäftsführer.

Weil es sich offenbar um einen ganz persönlicher Streit gehalten haben könnte, sieht Ingo Schlotterbeck noch nicht zwingend die Notwendigkeit, Jesiden aus dem Irak und Muslime aus Tsche­tschenien generell voneinander fernzuhalten. »Wir wollen eigentlich auch keine Trennung: Wir wollen als ASB neutral agieren. Das Zusammenleben der verschiedenen Gruppen in den Unterkünften ist außerdem ein Stück Integration.«

Auf andere Unterkünfte verteilt

Auf Veranlassung der Bezirksregierung Detmold, die für die ZUE des Landes zuständig ist, waren die Tschetschenen und Iraker noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag vom ASB jeweils in andere Unterkünfte in OWL gebracht worden. Ingo Schlotterbeck: »Es ist schade, dass es dazu kommen musste.« Schlotterbeck sieht ohnehin nur geringe Möglichkeiten der Unterkunft-Betreiber, feindlich gesinnte Flüchtlingsgruppen voneinander fernzuhalten.

Es liege in der Verantwortung der Bezirksregierung, die Flüchtlinge zuzuweisen und festzulegen, wer in welche Unterkunft einzieht. Der ASB habe dann nur noch die Möglichkeit, innerhalb der Häuser die Flüchtlinge zu sortieren und beispielsweise auf unterschiedliche Flure zu verteilen.

Welche Konsequenzen der ASB für seine Einrichtungen zieht, ist noch nicht klar. Mitarbeiter aus anderen Unterkünften seien am Samstagabend in den Oldentruper Hof gerufen worden, um die Situation zu entschärfen und zu analysieren. Nun wolle man mit der Bezirksregierung die Situation besprechen. Kurzfristig hat der ASB die Sicherheitskräfte am Oldentruper Hof verstärkt. Langfristig sei das im Rahmen des Budgets schwer zu finanzieren. Eskalationen wie die am Samstagabend seien ohnehin nur durch die Polizei zu bewältigen.

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