Michael Ungern-Sternberg vertraut darauf, dass eine wirtschaftliche Öffnung auch die Gesellschaft und damit die Politik verändern werde
Empfang im Garten des Botschafters

Teheran (WB). Seit drei Jahren ist Michael von Ungern-Sternberg deutscher Botschafter in Teheran. Natürlich sind die gut 100 Teilnehmer der Delegationsreise von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) erpicht darauf, möglichst umfassend von ihm informiert zu werden – über die Chancen, aber auch über die Risiken. 

Dienstag, 24.05.2016, 08:20 Uhr aktualisiert: 24.05.2016, 13:33 Uhr
Michael Ungern-Sternberg vertraut darauf, dass eine wirtschaftliche Öffnung auch die Gesellschaft und damit die Politik verändern werde : Empfang i...
Im Garten des deutschen Botschafters werden die Delegationsteilnehmer aus NRW empfangen.. Foto: Bernhard Hertlein
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Der deutsche Botschafter Michael von Ungern-Sternberg. Foto: Bernhard Hertlein

Ungern-Sternberg spricht dabei auch das Thema Menschenrechte an. Mit der Regierung spreche man auch etwa über Meinungsfreiheit und Todesstrafe, betont er. 

Innenpolitik geht auch im Iran vor Außenpolitik. Vielleicht um sich innenpolitisch Freiraum zu erhalten, gegen sich die Vertreter der Reformpolitik nach außen unbeweglich. Die Feindseligkeit gegenüber Israel ist ein Problem, aber auch die durch die Öffnung des Iran wieder virulenter gewordene Rivalität mit Saudi Arabien. Dass es Frank Walter Steinmeier mit Unterstützung seines Diplomaten in Teheran gelungen ist, beide Staaten an den Verhandlungstisch zu Syrien zu bekommen, ist deshalb umso bemerkenswerter.

Kein Kopftuchzwang

Reise in den Iran

Bernhard Hertlein, Leiter der Wirtschaftsredaktion des WESTFALEN-BLATTES, berichtet in den kommenden Tagen von der Unternehmerreise in de Iran. Seine Berichte lesen Sie in der Zeitung und auf www.westfalen-blatt.de.

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Dass Frauen im Iran auf der Straße ein Kopftuch tragen müssen, ist bekannt. Das Gebot gilt auch für die weiblichen Delegationsteilnehmer, auch im Hotel. Umso mehr genossen sie die Zeit in der Residenz von Botschafter Ungern-Sternberg. Auf diesem exterritorialen Gelände ist nicht nur der Kopftuchzwang, sondern auch das Alkoholverbot außer Kraft. So sehr Frauen im Iran noch diskriminiert werden: Sie dürfen – im Gegensatz zu Saudi Arabien – selbst Auto fahren. Allerdings nicht Motorrad.

Der iranische Frühling, wenn man ihn so nennen möchte, ist ohne Facebook entstanden. Das soziale Netzwerk ist wie andere Internetadressen weiterhin gesperrt. Eine Bonner Journalistin, die am Rande der Wirtschaftsdelegation eine Bloggerin aufsuchte, bekam eine staatliche Aufseherin an die Seite gestellt. Die iranische Reformbewegung wird zwar von oben durch Präsident Hassan Rohani gesteuert – und nur in den Grenzen, die die islamische Geistlichkeit erlaubt. Doch sprechen die Wahlergebnisse eine deutliche Sprache. Sie kann auch der Revolutionsrat im Iran nicht einfach überhören.

Freiräume für die Kunst

Andreas Lohaus zählt nicht zu den typischen Delegationseilnehmern. Er vertritt den Kölner Kunstmesse-Veranstalter Art.Fair. »Eine Liberalisierung der Gesellschaft öffnet auch der Kunst Freiräume« sagt er. Ein Treffen mit Galeristen und Künstlern hat seine Erwartung bestätigt, auch wenn es nebenbei die bislang noch bestehenden engen Grenzen der Reformer offenlegte. Gefragt, warum er ein nicht einmal besonders freizügiges Aktbild nicht signiert habe, antwortete der Maler: »Weil ich nicht mein Leben riskieren möchte.«

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Bernhard Hertlein, Leiter der WESTFALEN-BLATT-Wirtschaftsredaktion berichtet aus dem Iran. Foto: Oliver Schwabe

Henkel-Manager Dr. Peter Florenz sprach beim Treffen mit dem stellvertretenden Industrieminister Yaliollah Afkhami ein Thema an, das durchaus auch als heikel eingestuft werden könnte: Kosmetik. Er stellte fest, dass die Frauen im Iran Kosmetika sehr wohl und sehr schön einsetzen – ein Kompliment, dass der Gastgeber positiv aufnahm. Er forderte Henkel sogar auf, neben Waschmittel und Klebstoff auch Kosmetik im Iran zu produzieren.

Bei seiner Vorstellung hatte Afkhami noch betont, dass er seine berufliche Laufbahn als Arbeiter in einer Zuckerfabrik begonnen hat. Nur einmal während des etwa einstündigen Gesprächs sah man an seinem Mundwinkel, dass er nicht »amused« war. Das geschah, als Duin erwähnte, dass neben Mercedes auch Ford in Nordrhein-Westfalen Autos produzieren. Ford aber ist ein US-Konzern. Und bis das Verhältnis zwischen Iran und den Vereinigten Staaten wirklich »normal« genannt werden kann, wird es noch einige Zeit brauchen.

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Frauen im Iran setzen Kosmetika ein. Foto: Bernhard Hertlei

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