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Mi., 01.06.2016

NRW-Innenministerium legt Bericht nach Schlägerei unter Flüchtlingen vor Jesiden wurden gezielt angegriffen

Bei der Schlägerei auf der Potsdamer Straße wurden fünf irakische Jesiden verletzt.

Bei der Schlägerei auf der Potsdamer Straße wurden fünf irakische Jesiden verletzt. Foto: Bollig

Bielefeld (WB/peb). Die Schlägerei unter Flüchtlingen aus der Zen­tralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Oldentruper Hof wurde offenbar durch einen gezielten Übergriff auf die irakischen Jesiden ausgelöst. Das geht aus einem Bericht des NRW-Innenministeriums als Antwort auf die Anfrage des Innenpolitischen Sprechers der FDP-Landtagsfraktion Marc Lürbke hervor.

Demnach waren am 21. Mai fünf Iraker jesidischer Religionszugehörigkeit zu Fuß auf dem Weg vom Oldentruper Hof zu einem Supermarkt, als an der Potsdamer Straße plötzlich ein Auto vor ihnen hielt. Aus dem Pkw stiegen zwei Personen aus. Einer der beiden schlug ohne Vorwarnung auf zwei der Jesiden ein.

Ein Jeside wurde leicht im Gesicht verletzt, einem zweiten das Nasenbein gebrochen. Zwischenzeitlich traf eine weitere Gruppe von fünf irakischen Jesiden auf die Verletzten.

Schädel-Hirn-Trauma durch Schlag mit Knüppel

Der Tatverdächtige bewaffnete sich daraufhin mit einem Holzknüppel, ein zweiter zunächst mit einer zerbrochenen Glasflasche, anschließend mit einem Springmesser. Sie griffen dann die Gruppe der Jesiden erneut an. Eines der Opfer erlitt durch den Schlag mit einem Knüppel ein Schädel-Hirn-Trauma.

Ein weiterer Jeside wurde mit dem Messer unter dem linken Arm verletzt. Die Täter flüchteten mit ihrem Pkw. Im Rahmen der Fahndung wurden zwei Tsche­tschenen im Oldentruper Hof festgenommen, später aber wieder freigelassen. »Nach dem Stand der Ermittlungen schieden sie als unmittelbar Tatbeteiligte aus, da beide für die Tatzeit ein Alibi hatten«, heißt es in dem Bericht.

Auch Festnahme unter Jesiden

Anders als zunächst von der Polizei berichtet, gab es allerdings auch eine Festnahme unter den Jesiden, nachdem etwa 100 Personen dieser Gruppe versuchten, nach dem Vorfall auf der Potsdamer Straße die ZUE zu stürmen. Sie vermuteten zwei Täter im Gebäude. Die Polizei sperrte die ZUE ab und nahm einen Jesiden in Gewahrsam, der Stöcke als Schlagwerkzeuge verteilen wollte.

Aus Sicht des Innenministeriums kommt ein gemeinsames Fußballspiel vom Pfingstmontag als Ursache für den Übergriff in Betracht. Nach einer Regelwidrigkeit war es dabei offenbar zunächst zu Beleidigungen, dann zu einer Schlägerei gekommen, bei der zwei Tschetschenen verletzt wurden.

Dauerhafte räumliche Trennung

Laut Ministerium waren somit nicht unbedingt religiöse Differenzen Auslöser für die Prügelei am 21. Mai. Der Verlauf des »örtlich begrenzten Konflikts« lasse aber für beide Parteien »ein hohes Aggressionspotenzial erkennen«. Das Ministerium hält eine dauerhafte räumliche Trennung der involvierten Gruppen für angebracht.

Marc Lürbke beklagt, dass die Landesregierung grundsätzlich keinen Überblick darüber habe, ob und wieweit es in Flüchtlingsunterkünften nicht nur zu handfesten Spannungen, sondern auch zu religiös motivierten Übergriffen auf Glaubensgemeinschaften wie Jesiden und Christen komme. »Auch zu der Frage geeigneter Gegenmaßnahmen schweigt der Innenminister.« Das Thema steht morgen auf der Tagesordnung des Innenausschusses des Landtags.

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