Nach Massenschlägerei: Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir trifft Bielefelder Jesiden
»Machen Sie sich stark für uns«

Bielefeld (WB). Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, hat den Bielefelder Jesiden seine Unterstützung zugesagt: »Damit das Thema nicht in Vergessenheit gerät, werde ich tun, was ich tun kann.«

Freitag, 10.06.2016, 19:10 Uhr aktualisiert: 10.06.2016, 19:27 Uhr
In der Geschäftsstelle der Grünen ist Bundesvorsitzender Cem Özdemir (rechts) mit Vertretern aller jesidischer Vereine in Bielefeld zusammengekommen. Hier wird er von Aslan Kizilhan (Akademiker-Gesellschaft) begrüßt. Foto: Hans-Werner Büscher
In der Geschäftsstelle der Grünen ist Bundesvorsitzender Cem Özdemir (rechts) mit Vertretern aller jesidischer Vereine in Bielefeld zusammengekommen. Hier wird er von Aslan Kizilhan (Akademiker-Gesellschaft) begrüßt. Foto: Hans-Werner Büscher

Nach der Massenschlägerei an der Flüchtlingsunterkunft Oldentruper Hof, bei der muslimische Tschetschenen auf kurdische Jesiden losgegangen waren, haben Vertreter der jesidischen Vereine in Bielefeld den Besuch Özdemirs genutzt, um dem grünen Spitzenpolitiker ihre Lage zu schildern.

Vorwürfe gegen Sicherheitspersonal

Vorfälle wie der in Bielefeld würden sich leider häufen, erläuterte Aslan Kizilhan von der Gesellschaft jesidischer Akademiker. »Und scheinbar gibt es immer einen religiösen Hintergrund. Wir Jesiden sind aus Sicht von Extremisten die Ungläubigen.« Kizilhan plädierte dafür, dass Minderheiten wie Jesiden oder Christen in Flüchtlingsunterkünften separat untergebracht werden, und erhob Vorwürfe gegen Sicherheitspersonal und Dolmetscher: »Security-Mitarbeiter der Heime sollen in Kontakt mit Tschetschenen stehen. Dolmetscher übersetzen falsch, wenn es darum geht, ob ein Jeside wirklich ein Flüchtling ist.«

Zerif Akman von der Jesidischen Föderation schilderte, dass sich Menschen in der Nacht der Übergriffe nicht mehr zurück ins Heim getraut und aus Angst lieber unter freiem Himmel geschlafen hätten. »Das ist doch nicht Deutschland«, rief sie Özdemir zu. »Machen Sie sich stark für das Jesidentum.« Den Tränen nahe, sicherte sie zu, dass die jesidischen Vereine bereit seien, bei dem notwendigen Prozess mitzuhelfen. »Aber alleine schaffen wir es nicht.«

»Wer nach Deutschland flüchtet, muss hier sicher sein«

Cem Özdemir regte an, in der Migranten-Community mitzuarbeiten: »Besuchen Sie die türkische Gemeinde, machen Sie deutlich und öffentlich, dass gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.« Denn wer nach Deutschland flüchte, müsse hier sicher sein. »Sie sind willkommen. Wer ein Problem mit Ihnen hat, ist nicht willkommen.«

Der grüne Fraktionsgeschäftsführer im Bielefelder Rat, Klaus Rees, kündigte eine Anfrage für die nächste Sitzung des Hauptausschusses an: »Wir wollen wissen, wie die Stadt sicherstellt, dass Jesiden hier sicher sind.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4072019?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
„Mit diesen hohen Zahlen habe ich nicht gerechnet“
Eigentlich ist Markus Altenhöner Kreisdirektor und Kämmerer. 90 Prozent seines Tagesablaufs ist er derzeit jedoch mit der Bewältigung der Corona-Krise beschäftigt. Der 40-Jährige leitet den zwölfköpfigen Krisenstab. Foto: Moritz Winde
Nachrichten-Ticker