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Sa., 18.06.2016

Serien-Verbrecher Jürgen W. an Krebs erkrankt – Mittäter verurteilt Prozess geht in die Verlängerung

Jürgen W. und Verteidiger Dr. Carsten Ernst auf der Anklagebank.

Jürgen W. und Verteidiger Dr. Carsten Ernst auf der Anklagebank.

Von Hans-Heinrich Sellmann

Bielefeld (WB). Die Akte über Serien-Verbrecher »Jürgen W.« ist immer noch nicht geschlossen. Der Prozess gegen den 70-jährigen Gewalttäter ist am Freitag vertagt worden. Völlig überraschend hatte der Angeklagte zu Beginn des Verhandlungstages nun doch einer medizinischen Untersuchung seines Körpers zugestimmt.

Das hatte die 9. Große Strafkammer des Landgerichtes unter Vorsitz von Richter Dr. Georg Zimmermann an einem der zurückliegenden Prozesstage angefragt, war von Jürgen W. aber abgelehnt worden. Sein Verteidiger Dr. Carsten Ernst erklärte am Freitag, dass sich Jürgen W. inzwischen immer schlechter fühle und damit rechne, nur noch ein halbes Jahr zu leben. Nach Informationen dieser Zeitung hatte W. einen Herzinfarkt erlitten und ist schwer an Blasenkrebs erkrankt.

Muss Jürgen W. für immer ins Gefängnis?

Ursprünglich sollte der Sachverständige Dr. Carl-Ernst von Schönfeld am Freitag sein psychiatrisches Gutachten vorlegen. In Rede steht, ob der 29-fach vorbestrafte Angeklagte in Sicherungsverwahrung genommen wird und damit für immer ins Gefängnis kommt. Von Schönfeld wird nun gemeinsam mit dem Anstaltsarzt der Justizvollzugsanstalt Brackwede, in der Jürgen W. einsitzt, den Gesundheitszustand des 70-Jährigen überprüfen. Den Vorsitzenden Richter Zimmermann interessiert, ob körperliche Erkrankungen vorliegen, die Auswirkungen auf die Gefährlichkeit des 70-Jährigen haben oder die tatsächlich dessen baldigen Tod befürchten lassen.

Vor Gericht steht Jürgen W. dieses Mal, weil er wegen sexuellem Missbrauchs einer 33-jährigen Bekannten angeklagt ist.  Wie mehrfach berichtet , soll er sich mit einem Zechkumpanen, dem 38-jährigen Christian M., nach einem Trink- und Drogengelage an der Frau vergangen haben und davon mit einem Mobiltelefon Videoaufnahmen gemacht haben.

Komplize zu Bewährungsstrafe verurteilt

Bereits am vergangenen Mittwoch ist der Komplize Christian M. wegen der Tat vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden. Am Freitag war er während des Prozesses gegen Jürgen W. in den Zeugenstand geladen, sprach über den Tatabend, sein Verhältnis zu dem Angeklagten und dessen Gewohnheiten. Christian M. sagte aus, dass sich die Männer im Gefängnis kennengelernt hätten und er nach seiner Entlassung häufig bei Jürgen W. übernachtet habe. Er beschrieb den 70-Jährigen als einen guten Kumpel, der im nüchternen Zustand sachlich und höflich sei, aber aggressiv und gewalttätig werde, wenn er einen gewissen Alkoholpegel erreicht habe. Jürgen W. habe nahezu jeden Tag Alkohol getrunken, zwischen einer und drei Flaschen Korn.

Am 11. Oktober 2010 habe W. ihm signalisiert, dass der etwas von der 33-Jährigen wolle. »Ich habe ihm noch gesagt, er soll das lassen.« An den Rest des Abends habe Christian M. wegen übermäßigen Alkohol- und Heroinkonsums kaum noch Erinnerungen. Dass er sexuelle Handlungen an der Frau vorgenommen habe, wisse er erst, seit er die Videos gesehen habe.

Die habe er übrigens nicht freiwillig in Umlauf gebracht. Ein Bekannter aus der Drogenszene habe ihm vor drei Jahren das Handy abgenommen, weil M. Schulden bei ihm gehabt habe. Dieser Junkie habe das Video dem Opfer gezeigt. Die 33-Jährige erstattete Anzeige.

Der Prozess gegen Jürgen W. wird am 11. Juli fortgesetzt.

Kommentare

Das eine solche Vermummung in deutschen Gerichten zugelassen wird ist ein Hohn. Er hat seine Verbrechen wissentlich und bei klarem Bewußtsein begangen, also hat er auch unvermummt dafür geradezustehen.
Aber was ist in diesem Land schon noch normal. Hier geht sogar Täterschutz vor Opferschutz. Ein Witz!

1 Kommentare

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