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Do., 15.09.2016

Seidensticker erzielt nach drei Verlustjahren wieder einen Gewinn Sanierung geglückt

An der Spitze der Seidensticker-Gruppe freuen sich (von links) Gerd Oliver Seidensticker, Dr. Silvia Bentzinger, Martin Friedrich und Frank Seidensticker über die geglückte Ertragswende. Nun soll auch die Stammmarke zurück auf Platz 1.

An der Spitze der Seidensticker-Gruppe freuen sich (von links) Gerd Oliver Seidensticker, Dr. Silvia Bentzinger, Martin Friedrich und Frank Seidensticker über die geglückte Ertragswende. Nun soll auch die Stammmarke zurück auf Platz 1. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Erstmals seit dem Geschäftsjahr 2011/12 hat die Seidensticker-Gruppe wieder einen Gewinn erwirtschaftet. Schon setzt sich das Bielefelder Familienunternehmen ein neues Ziel: Die Stammmarke soll in Deutschland die Konkurrenten Olymp und Eterna wieder von den vorderen Plätzen verdrängen.

Ergebnis von 2011/12 übertroffen

Zwar ist die Firmengruppe einschließlich Seidensticker, Jacques Britt, den Lizenzmarken Camel active, Bogner und Arrow sowie einigen Handelsmarken immer noch Europas größter Hemdenanbieter. Doch betrachtet man einzelne Marken, so rangiert Seidensticker aktuell nur auf Platz 3. »Das soll sich ändern«, erklärten die geschäftsführenden Gesellschafter Gerd Oliver und Frank Seidensticker am Mittwoch.

Mit 4,2 Millionen Euro übertraf die Firmengruppe sogar das Ergebnis von 2011/12 (3,7 Millionen) – bei stabilem Umsatz. Dazwischen waren die Bielefelder mit minus 1,0, 3,9 und 3,4 Millionen in die roten Zahlen gerutscht. Operativ allerdings, also ohne die Kosten für die Sanierung, hatte Seidensticker schon 2015 positiv abgeschlossen. Die Eigenkapitalquote, zwischendurch einstellig, stieg wieder auf 10,7 Prozent.

In Bielefeld 70 Stellen abgebaut

Nach Angaben von Finanzchef Martin Friedrich spart das Unernehmen als Folge der Restrukturierung 1,6 Millionen Euro bei den Personal- und 1,7 Millionen bei den Sachkosten. Unterm Strich wurden am Stammsitz in Bielefeld 70 Stellen abgebaut. Zwei Markengeschäfte wurden geschlossen. Auf der anderen Seite wurden Personalchefin Dr. Silvia Bentzinger zufolge zusätzliche Experten für Marketing und Online-Geschäft eingestellt. Letzteres legte im vergangenen Jahr fünf Prozent zu. Nach Angaben Frank Seidenstickers ist die Retourquote mit 20 Prozent bei Herrenhemden vergleichsweise niedrig; bei den Damenblusen liege sie mit 50 Prozent im Durchschnitt der Branche.

Die Schwarze Rose

Künftig werden nach Aussage von Frank Seidensticker alle Hemden der Marke Seidensticker das Zeichen Schwarze Rose tragen. Neu ist die Klassifizierung nach fünf Schnittformen (X-Slim, Slim, Tailored, Modern, Comfort). Damit werde den männlichen Käufern ab der kommenden Frühjahr-Sommer-Saison die Wahl des passenden Hemdes deutlich erleichtert, sagte Gerd Oliver Seidensticker. Wie bereits gemeldet, werden sich die Bielefelder von der unteren Preisklasse verabschieden. Ein Seidensticker-Hemd wird künftig mindestens 49 (bisher 39) und höchstens 89 Euro kosten.

Für den Neustart hat sich die Seidensticker-Gruppe ein Leitbild gegeben. Darin werden Bielefeld als das Herz der Gruppe und die Zukunft als Familienunternehmen hervorgehoben. Um jungen Eltern die Weiterarbeit im Unternehmen zu erleichtern, ist in Bielefeld die Einrichtung einer Kindertagesstätte für neun Kinder unter drei Jahren geplant. Anfang 2017 soll das Projekt »Seimini« mit zwei Tagesmüttern an den Start gehen. Bentzinger: »Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bildet einen zentralen Eckpfeiler unserer Personalpolitik.«

Umsatz stabil

Der Umsatz der Seidensticker-Gruppe sank im Geschäftsjahr 2015/16 von 199 auf 196 Millionen Euro. Das Ergebnis verbesserte sich von minus 3,4 auf plus 4,2 Millionen. Das Unternehmen fertigt jährlich 14 (Vorjahr: 13) Millionen Teile. Die Exportquote stieg von 39 auf 43 Prozent. Im neuen Geschäftsjahr wird trotz Branchenkrise eine stabile Entwicklung erwartet. Von den 2600 Mitarbeitern der Firmengruppe arbeiten 414 in Bielefeld, 1400 in Werk in Vietnam, 400 in Indonesien und fast 60 in Hongkong. Hinzu kommen etwa 800 Angestellte eines Partners in Bangladesch, der fürs Private-Label-Geschäft produziert.

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