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Fr., 21.10.2016

Gericht verurteilt Serienräuber zu fünf Jahren Haft Tankstellen-Überfälle mit Elektroschocker

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Bielefeld/Gütersloh/Herford(WB/swa). Unter einem Serienräuber, der insgesamt sieben Tankstellen maskiert und teilweise bewaffnet überfallen hat, stellt man sich einen knallharten Kriminellen vor. Alles andere ist der am Donnerstag zu fünf Jahren Haft verurteilte 20-jährige Timur D.

Schüchtern, beinah ängstlich verfolgte der Mann aus Rheda-Wiedenbrück den Prozess auf der Anklagebank. Frühzeitig geständig, räumte er die ihm vorgeworfenen Taten in der Verhandlung ein, die Anfang September vor der III. Großen Strafkammer des Landgerichts begonnen hatte. Es geht um insgesamt sieben Tankstellen in Jöllenbeck, Bünde, Enger, Herzebrock-Clarholz, Rheda-Wiedenbrück und Steinhagen. In zwei Fällen flüchtete das Räuberduo ohne Beute.

Weiterhin sollen die jungen Männer erfolglos versucht haben, eine Bäckerei in Rheda-Wiedenbrück auszurauben sowie aus Wohnungen in Beelen und Her­zebrock-Clarholz Elektrogeräte und Edelsteine zu entwenden.

Haupütangeklagter bekam eigenen Prozess

Das Urteil richtete sich alleine gegen den Angeklagten Timur D. Das Verfahren gegen den vierzigfach vorbestraften Hauptangeklagten Burak K. (22) wurde nach Antrag seines Verteidigers bis zum kommenden Dienstag unterbrochen und von der anderen Verhandlung abgetrennt. K. hatte Angaben gemacht, während seiner Untersuchungshaft Informationen von einem Mithäftling über ein unaufgeklärtes Tötungsdelikt aus dem Jahr 1992 erhalten zu haben. So könne er potenzielle Orte von bislang nicht aufgefundenen Kleidungsstücken der Toten Sandra Zimmermann benennen. Die Kripo fand aber bei einer Durchsuchung keine Kleidungsstücke der damals 17-Jährigen.

Staatsanwältin Dr. Christine Holzmann teilte während des Prozesses mit, dass bereits Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt und vollzogen worden seien. Lediglich eine Wohnung sei noch nicht durchsucht worden. Da die Aussage von K. möglicherweise Auswirkungen auf das gegen ihn zu verhängende Strafmaß hat, wartet das Gericht um den Vorsitzenden Richter Carsten Nabel zunächst die polizeilichen Ermittlungen ab, ehe es am Dienstag zu einem Urteil gegen den 22-Jährigen kommen soll.

Richter sieht Tatvorwürfe als erwiesen an

Richter Nabel sah alle angeklagten Tatvorwürfe als erwiesen an. Besonders hob er in seiner Urteilsbegründung die bleibenden Schäden bei einigen Opfern hervor. Mehrere könnten ihrem Beruf nicht mehr nachkommen, hätten Angst, das Haus zu verlassen oder bekämen Panikattacken, wenn sie alleine in den heimischen vier Wänden wären.

Erschreckend erscheint auch die Gewaltzunahme der Kriminellen während der Taten. Bei den ersten Tankstellenüberfällen im Dezember 2015 forderte das Duo jeweils nur verbal Geld. Bereits einen Monat später versuchten sie, ihren Forderungen mit einer Schreckschusspistole, einem Messer sowie einem Elektroschocker Nachdruck zu verleihen. Ein Tankstellenmitarbeiter musste nach einem elektronischen Schlag im Krankenhaus behandelt werden.

Verteidigerin beschreibt Timur D. als Mitläufer

Christina Peterhanwahr, Verteidigerin von Timur D., beschrieb ihren Mandanten in ihrem Plädoyer als Mitläufer, der sich hat hinreißen lassen, da er von K. sehr beeindruckt gewesen sein soll. Der aufgrund von Drogenkonsum unter einer schweren Psychose leidende 20-Jährige wurde sodann auch aufgrund einer »gravierenden Reifeverzögerungen« auf Grundlage des Jugendstrafrechts verurteilt.

Von der fünfjährigen Haftstrafe wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie besonders schweren Raubes muss der Schüler sechs Monate vorweg antreten, ehe er in eine Entziehungsanstalt eingewiesen wird. »Ich bereue es sehr und werde mich bessern. Ich will diese Therapie«, sagte D. in seinem Schlusswort.

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