Zum Jubiläum wird in Bethel nach Speiseplan aus dem Jahr 1874 gekocht
Das kam damals bei Pastor Bodelschwingh auf den Tisch

Bielefeld  (WB). Bethel wird 150 und das soll auch zu schmecken sein: Im Jubiläumsjahr 2017 wird an jedem dritten Mittwoch im Monat nach historischen Rezepten in insgesamt sechs Klinik- und Stiftungskantinen gekocht.

Donnerstag, 22.12.2016, 12:00 Uhr
Bärbel Bitter studiert vor historischem Aluminium-Kochgeschirr ein Davidis-Kochbuch mit historischen Rezepten. Foto: Thomas F. Starke
Bärbel Bitter studiert vor historischem Aluminium-Kochgeschirr ein Davidis-Kochbuch mit historischen Rezepten. Foto: Thomas F. Starke

Auf die Idee gekommen ist Bärbel Bitter, Leiterin der Historischen Sammlung Bethel, als sie den Jahresbericht der »Anstalten Bethel bei Bielefeld« aus dem Jahr 1874 durchblätterte, verfasst von Verwaltungsleiter Johannes Unsöld – ein Mann, der offenbar gern ins Detail ging.

Bethel bestand damals nur aus zwei Häusern, dem »Asylum« (heute Historische Sammlung) und Groß-Bethel. Insgesamt konnten 152 Patienten aufgenommen werden. »Gutes Essen galt damals als Werbung für Bethel und als Therapie«, sagt Bärbel Bitter. Und sie zitiert einen Satz eines damals so genannten »Irrenarztes«: »Je besser die Küche, ist auch die Ruhe in der Anstalt«. Verwaltungsleiter Johannes Unsöld jedenfalls hat in seinem Bericht auch die »Beköstigung« ausführlich beschrieben.

Dreigängige Menüs seien Selbstverständlichkeiten gewesen und, so Bärbel Bitter, »sogar freitags kam Fleisch auf den Tisch – gerne Rind oder Kalb.« Die Betheler Kantinenchefs seien von Anfang an begeistert von der Idee gewesen, historische Gerichte aus den Anfängen der »Anstalt« auf den Tisch zu bringen. Sie selbst habe zunächst eine »historische Woche« vorgeschlagen, die Köche aber wollten ein Jubiläumsjahr, dass durch den Magen geht.

Kalorienzählen kann man vergessen

Man habe recherchiert, alte Rezepte studiert. Bärbel Bitter: »Das mit dem Kalorienzählen kann man da glatt vergessen.« Ein, zwei Löffel »gute Butter«, ordentlich Rahm und gerne auch Rotwein gehörten Anno dazumal offenbar dazu. Süße Suppen seien beliebt gewesen. Sagosuppe zum Beispiel – Sago wird aus Palmmark hergestellt– oder Griessuppe oder Schokoladensuppe. Die habe es als »echte« und als »falsche« Schokoladensuppe gegeben. Bärbel Bitter: »Für die falsche Suppe wurde keine Schokolade mit Milch gekocht, sondern Mehl wurde in der Pfanne so lange erhitzt, bis es braun wurde und dann in die kochende Milch getan.«

im Laufe des Jubiläumsjahres kommen zum Beispiel Kalbfleisch mit Salbey, Saubohnen mit Kassler, Sauerampfersuppe, Gelbe Rüben mit Pökelfleisch oder Brodsuppe auf den Tisch. Es gibt jeweils zwei »normale« Alternativ-Gerichte. Für die Herstellung der »Französischen Wurst«, einer speziellen Bratwurst, habe man bereits einen Metzger gefunden, der die nach Original-Rezept herstellt. Von der Produktion der damals offenbar ebenso beliebten »Englischen Würste« sehe man aber lieber ab, sagt Bärbel Bitter: »Da hinein kommen Mandeln, Caneel (Zimt), Schweinepflaumen und braune Butter – das erschien uns ein bisschen zu gewagt.«

Im März wird zum Dessert die Hannoversche Welfenspeise serviert. Das sei eine Besonderheit, betont Bärbel Bitter: »Zum Besuch Kaiser Wilhelm I. in Bethel durfte Ida von Bodelschwingh diesen Pudding zubereiten.« Der Rotwein in den Rezepturen werde durch Traubensaft ersetzt, zu jedem Menü gebe es eine Karte mit Zutaten und Zubereitungstipps. Bärbel Bitter empfiehlt die Semmelsuppe. Die hat sie bereits mehrfach zubereitet: »Sie wird immer besser, aber man braucht Übung – und Hingabe.«

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