Campus-Pläne: am Montag Bürgerversammlung
Initiative kritisiert »substanzloses« Konzept

Bielefeld  (WB). Aus Sicht des Umweltverbandes »Pro Grün« und der Bürgerinitiative »Bielefeld natürlich« ist das von Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) in Auftrag gegebene »Strategiekonzept Wissenschaftsstadt« nicht mehr als eine »Sammlung von Wunschzetteln«.

Mittwoch, 15.02.2017, 12:16 Uhr aktualisiert: 15.02.2017, 12:21 Uhr
Fleißarbeit: (von links) Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern, Regine Schürer und Stefan Pollpeter mit ihrer Auswertung des Strategiekonzeptes Wissenschaftsstadt. Foto: Hans-Werner Büscher
Fleißarbeit: (von links) Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern, Regine Schürer und Stefan Pollpeter mit ihrer Auswertung des Strategiekonzeptes Wissenschaftsstadt. Foto: Hans-Werner Büscher

Dennoch vermuten beide dahinter schon jetzt weitgehende Weichenstellungen für die Stadtentwicklung. »Es wird so getan, als sei noch nichts entschieden«, sagt Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern von »Pro Grün«. Dabei gebe es bereits konkrete Überlegungen für ein Campusviertel, in dem Hochschuleinrichtungen nur den geringsten Teil neben Wohn- und Gewerbeflächen ausmachten.

Die weitere Entwicklung des Hochschulcampus bleibt ein Streitpunkt.

Die weitere Entwicklung des Hochschulcampus bleibt ein Streitpunkt. Foto: Pierel

Stefan Pollpeter von der Initiative » Bielefeld natürlich« nennt als Beispiel die jüngste Sitzung der Bezirksvertretung Dornberg , wo im öffentlichen Teil Versprechungen zur Bürgerbeteiligung am Ortsteilentwicklungskonzept Babenhausen gemacht worden seien, nur nichtöffentlich aber über konkrete Inhalte gesprochen worden sei (das WESTFALEN-BLATT berichtete). Das Ortsteilentwicklungskonzept bezieht sich genau auf den Bereich, um den es auch im Strategiekonzept des Oberbürgermeisters geht.

Ihr Urteil: »Sub­stanzlosigkeit«

Während die Politiker im Rat am vergangenen Donnerstag Handlungsempfehlungen aus den im Strategiekonzept gemachten Vorschlägen bei der Verwaltung in Auftrag gegeben haben, sind die Initiative und »Pro Grün« bereits einen Schritt weiter. Sie haben alle 66 Vorschläge aus dem Konzept auf den (eigenen) Prüfstand gestellt. Ihr Urteil: »Sub­stanzlosigkeit«.

Konkrete Zahlen und Prognosen suche man vergeblich. Dies sei besonders erschütternd, weil der im Sommer vergangenen Jahres vorgelegte Zwischenbericht wesentlich detaillierter gewesen sei. »Das erweckt den Eindruck, dass man hier einer Diskussion aus dem Weg gehen möchte«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von »Pro Grün« und der Bürgerinitiative. Kopfschütteln gibt es bei der »Wertigkeit einzelner Maßnahmen«, die von neuen Fahrradständern bis zum Aufbau einer Medizinischen Fakultät reichten.

Im Gegenteil: Wir sind explizit ausgeladen worden

Tilman Rhode-Jüchtern

Noch immer sitzt der Stachel tief, dass Umweltverbände wie »Pro Grün« nicht an der Entwicklung des Wissenschaftskonzeptes beteiligt worden waren. »Im Gegenteil: Wir sind explizit ausgeladen worden«, sagt Tilman Rhode-Jüchtern und sieht deshalb auch für die Zukunft die Gesprächsgrundlage nachhaltig gestört.

Dabei verweisen »Pro Grün« wie »Bielefeld natürlich« darauf, dass sie nicht gegen Erweiterungsoptionen für die Hochschulen seien und diese durchaus als Wertschöpfungsfaktor sähen. Sie haben aber etwas gegen vollendete Tatsachen. So bringe der kürzlich erneuerte Beschluss zur Verlängerung der Stadtbahnlinie 4 bis zum Campus Nord keinerlei Vorteile für die Anbindung der FH, wohl aber Investitionskosten von 20 Millionen Euro und ein zusätzliches jährliches Defizit für die Verkehrsbetriebe Mobiel in Höhe von 500.000 Euro. Damit werde aber auch der erste Schritt für eine Verbindung der Stadtbahnlinien 3 und 4 und die Bebauung links und rechts dieser sonst »nur durch die grüne Landschaft der Dornberger Bachauen« führenden Trasse.

Aus Sicht von »Bielefeld natürlich« ist dies ein »verstecktes, aber durchschaubare Spiel«: »Wir fordern eine ergebnisoffene Diskussion, die Prüfung von Alternativen und die Erstellung eines tragfähigen Gesamtkonzeptes, bevor Fakten geschaffen werden.«

Die Initiative lädt für den kommenden Montag, 20. Februar, ab 20 Uhr zu einer weiteren Bürgerversammlung in den »Pappelkrug«, Wertherstraße 311, ein. Ihre Einschätzungen zum Strategiekonzept Wissenschaftsstadt können im Netz nachgelesen werden.

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