Polizeieinsatz im Bielefelder Restaurant Anavarza – keine Bombe gefunden
Nach Bombendrohung: Kripo fahndet nach dem Täter

Bielefeld (WB). Nach der Bombendrohung am Samstag gegen das türkisch-anatolische Spezialitätenrestaurant Anavarza an der Schloßhofstraße mit Evakuierung und stundenlanger Sperrung des Gefahrenbereichs fahndet die Kripo weiter nach dem unbekannten Täter. »Es wurde kein Anrufer identifiziert. Die Telefonnummer war manipuliert«, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag auf Anfrage.

Montag, 27.02.2017, 12:35 Uhr aktualisiert: 27.02.2017, 17:50 Uhr
Ein Streifenwagen und Flatterband markieren am Samstagabend den Sperrbereich rund um das Restaurant Anavarza (im Hintergrund). Foto: Hendrik Uffmann
Ein Streifenwagen und Flatterband markieren am Samstagabend den Sperrbereich rund um das Restaurant Anavarza (im Hintergrund). Foto: Hendrik Uffmann

»Die Ermittlungen laufen. Was genau dahinter steckt, wissen wir noch nicht«, ergänzte der Sprecher.

Drohanrufer nutzte offenbar einen sogenannten Spoofing-Dienst

Erste Spuren, wonach die Bombendrohung mit eingeblendeter Bielefelder Festnetznummer am Samstag um kurz vor 20.30 Uhr aus einer Polsterei im Raum Herforder Straße abgesetzt worden sein soll, hätten sich nicht bestätigt. »Vom Anschluss, der auf dem Telefon im Restaurant angezeigt wurde, ist nicht telefoniert worden. Der Anruf kam auch nicht aus einer Polsterei im Bereich Herforder Straße«, sagte der Polizeisprecher. Das hätten Ermittlungen in der Tatnacht ergeben.

Bombendrohung gegen das Restaurant Anavarza

1/13
  • Ein Polizist mit Sprengstoffspürhund Nero von der Kreispolizeibehörde Paderborn.

    Foto: Hendrik Uffmann
  • Das Restaurant nach der Evakuierung.

    Foto: Hendrik Uffmann
  • Das Anavarza am Tag danach.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Busse stehen auf der Schloßhofstraße

    Foto: Hendrik Uffmann
  • Die Schlosshofstraße war zwischen der Melanchthonstraße und der Drögestraße gesperrt.

    Foto: Hendrik Uffmann
  • Die Schlosshofstraße war zwischen der Melanchthonstraße und der Drögestraße gesperrt.

    Foto: Hendrik Uffmann
  • Das Restaurant nach der Evakuierung.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Der Verkehrt ruht auf der Schloßhofstraße.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Polizisten sichern die Absperrung.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Ein Polizeiauto vor dem Anavarza.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Die Linien 25 und 26 fuhren eine Umleitung.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Ein Polizeiauto vor dem Anavarza.

    Foto: Lars Rohrandt
  • Foto: Lars Rohrandt

Offenbar nutzte der Drohanrufer einen sogenannten Spoofing-Dienst. Mit einem Onlineanbieter im Internet oder über eine App fürs Mobiltelefon wird die Anrufererkennung verfälscht. Das ist nach dem deutschen Telekommunikationsgesetz verboten. »Die mitgesendete Telefonnummer lässt sich beliebig auswählen«, erklärt das Internet-Portal Netzwelt.

Das im Mai 1991 an der Schloßhofstraße eröffnete türkisch-anatolische Restaurant Anavarza (benannt nach der antiken Stadt in der Provinz Adana im Süden der Türkei) ist seit mehr als 25 Jahren über die Stadtgrenzen hinaus ein Begriff. Am vergangenen Samstagabend waren 40 bis 50 Gäste im Haus, als um kurz vor 20.30 Uhr das Telefon klingelte. Die 30-jährige Schwester von Inhaber Soner Polat nahm ab und ahnte nicht, was sie gleich hören sollte. »Ein akzentfrei Deutsch sprechender Mann hat mich gefragt, ob wir Aleviten sind«, berichtete die 30-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte. Als sie das bejahte, sagte der Unbekannte: »Gehen Sie jetzt sofort raus. Da geht gleich eine Bombe hoch.« Zitternd vor Angst und in Panik, sagte Bruder Soner Polat, sei seine Schwester nach draußen gelaufen und habe die Polizei alarmiert.

Der Drohanrufer habe sich binnen drei Minuten erneut gemeldet. Als dieses Mal ein Restaurant-Mitarbeiter den Hörer abnahm, schrie vermutlich derselbe Mann auf Arabisch »Allah ist groß« und legte sofort wieder auf.

Polizei: Alles geordnet und ohne Probleme vonstatten gegangen

Während Inhaber Polat und seine sechs Mitarbeiter von Tisch zu Tisch gingen, die Gäste von der Drohung informierten und auf die Straße baten, rückte die Polizei mit vier Streifenwagenbesatzungen an. Die Schloßhofstraße wurde unmittelbar vorm Restaurant an der Drögestraße und an der Ecke Melanchthonstraße gesperrt. Das Anavarza und das dahinter liegende Wohnhaus der Inhaberfamilie wurden evakuiert. Für Gäste und Mitarbeiter forderte die Polizei einen Mobiel-Omnibus an, damit die Menschen nicht in der Nachtkälte stehen mussten. Zudem ordnete Polizeieinsatzleiter Jörg Dettmer aus Sicherheitsgründen die Sperrung des Raucherbereichs auf dem Außengelände der dem Anavarza gegenüber liegenden Gaststätte Finca & Bar Celona an. Das Gleiche galt für den Restaurant-Parkplatz – die Gäste mussten ihre Autos stehen lassen. Alles sei geordnet und ohne Probleme vonstatten gegangen, sagte Einsatzleiter Dettmer. Nur eine Frau habe leicht unter Schock gestanden. Für sie sei ein Krankenwagen gerufen worden.

Gut eine Stunde nach der Bombendrohung trafen die einzig weit und breit verfügbaren Spezialisten am Anavarza ein: Hauptkommissar Wolfgang Ehlert und sein vier Jahre alter Sprengstoffspürhund Nero von der Kreispolizeibehörde Paderborn. Mehrfach drehten der Polizist und sein belgischer Schäferhund Runden durch das Restaurant. Um 23.12 Uhr kam dann von Hauptkommissar Ehlert der erlösende Satz: »Der Hund hat nicht angezeigt.« Einsatzleiter Dettmer hob die Sperrung auf, die Inhaberfamilie Polat konnte wieder in ihre Häuser zurück.

Die Ermittlungen hat der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz der Polizei übernommen. Der Drohanrufer wird als etwa 25 bis 30 Jahre alter Mann beschrieben. Obwohl er akzentfrei Deutsch sprach, weist seine Ausdrucksweise auf einen möglichen Migrationshintergrund hin. Hinweise unter Telefon 0521/54 50.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4669229?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Arminia und der Karten-Ärger
Zu 20 Prozent darf die Schüco-Arena am Samstag ausgelastet werden. Die Registrierung für die etwa 5400 Karten sorgt für Probleme. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker