Mo., 27.03.2017

Film über die Wilde Liga feiert Premiere im Kino Lichtwerk Fußball gegen die Ordnung

Kameramann Patrick Jaworek (von links), Matthias Goßmann (Kino Lichtwerk), Tonfachfrau Joey Chantal Murray und Filmemacher Max Meis freuen sich über eine gelungene Premiere des Wilde-Liga-Films im Kino Lichtwerk.

Kameramann Patrick Jaworek (von links), Matthias Goßmann (Kino Lichtwerk), Tonfachfrau Joey Chantal Murray und Filmemacher Max Meis freuen sich über eine gelungene Premiere des Wilde-Liga-Films im Kino Lichtwerk. Foto: Jan Handelmann

Von Jan Handelmann

Bielefeld (WB). Als Eckfahne eine Sonnenblume und hinter dem Pfosten eine Flasche Bier für den Fall, dass im eigenen Strafraum gerade mal nicht viel los ist: Nach knapp über 40 Jahren hat Filmemacher Max Meis mit »Die Würde des Balles oder Fußball gegen die Ordnung« der Wilden Liga mit seiner Dokumentation ein Denkmal gesetzt.

Bei der Premiere am Samstag im Kino Lichtwerk waren unter den 130 Besuchern vor allem Aktive oder Ehemalige der Fußball-Liga der etwas anderen Art. Teilweise sah der große Kinosaal eher wie ein Stadion aus.

Und wenn auf der Leinwand eine besonders schöne Möglichkeit mit der »linken Klebe« unter die Latte gezimmert oder ein Spieler mit Schwung und offener Sohle von den Beinen geholt wurde, quittierten die Zuschauer dies mit Jubel oder einem langen Raunen.

Während der Saison 2015/16 unterwegs

Filmemacher Meis begleitete mit der Kamera die Saison 2015/16 der alternativen Liga. Dabei wurden insbesondere die Mannschaft »Oh Ah Cantona« und das Flüchtlingsteam »UMFaller« im Bild festgehalten. Zwischen Sonnenschein, Regen, Abstiegsangst und Siegeshoffnung kam das eine oder andere philosophisch-politische Gespräch auf – ganz wie zu den Anfängen, als sich ein paar Kicker zusammenschlossen, weil sie den Regeln des Deutschen Fußballbundes nicht mehr folgen wollten.

Auch aus dieser Zeit gab es einige körnige Bilder von Männern in kurzen – sehr kurzen – Hosen und langen Haaren. Gespielt wurde auch bei Schnee. Meis hatte in den Archiven von Ehemaligen und unter anderem auch beim SWR gegraben und einige interessante Zeugnisse der Zeit gefunden.

Interviews mit den Spielern

Auch Erinnerungen hatten ihren Platz. In verschiedenen Interviews erzählten die Spieler nicht nur über die aktuelle Situation, sondern gerade die älteren unter ihnen dachten zurück an Legenden wie »Hammer-Horst« oder an die Gefängnisauswahl aus Herford, bei denen es stets herbe Niederlagen für die übrigen Vereine setzte.

Zweieinhalb Jahre arbeitete Meis, selbst aktiv beim Team »HAB Mitleid«, an dem Film und sammelte zur Finanzierung nach eigenen Angaben durch Crowdfunding etwa 11.000 Euro ein. Bei der anschließenden Fragerunde im Lichtwerk war der Filmemacher sichtlich glücklich über die überschwängliche Zustimmung für seinen gelungenen Streifen.

Der politische Anspruch der Liga

Frank Perlitz war ein Wilde Liga-Pionier der ersten Stunde. Im Film deutete sich an, dass der ursprüngliche Geist der alternativen Liga etwas verflogen sei. »Sich gegenseitig achten und einen respektvoller Umgang kann man vielleicht nicht parteipolitisch zuordnen«, sagte Perlitz. Er sah aber keinen Grund zur Sorge um den politischen Anspruch der Liga. Gerade die beiden »Vornesitzenden« Ralf Palmisano und Beate Wolff würden im gemeinsamen Plenum, dem Entscheidungsgremium, stets auf die Grundwerte der Liga achten.

Der Film ist noch für ein paar Termine im Lichtwerk zu sehen. Wem das nicht reicht, der hat mit einer passenden Ausstellung im Historischen Museum bis zum 29. April Zeit, in alten Erinnerungen zu schwelgen.

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