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Fr., 31.03.2017

Sudbrack-Grundschule in Bielefeld führt neues Schulfach ein Unterricht zum Glücklichsein

Mila (von links), Incila, Emil, Yul, Kristina, Moritz und Nurefza aus den vierten Klassen der Sudbrackschule zeigen die Glücksboxen und Glückshefte, die sie gebastelt haben und in denen sie sammeln und festhalten, was sie glücklich macht.

Mila (von links), Incila, Emil, Yul, Kristina, Moritz und Nurefza aus den vierten Klassen der Sudbrackschule zeigen die Glücksboxen und Glückshefte, die sie gebastelt haben und in denen sie sammeln und festhalten, was sie glücklich macht.

Von Hendrik Uffmann

Bielefeld (WB). Yul ist glücklich, wenn er mit Freunden oder seiner Familie zusammen ist. Incila freut sich auf den nächsten Test, wenn sie gut vorbereitet ist. Und Mila macht es Spaß, mit anderen in der Gruppe zu spielen. Wie sie glücklich sein können, das lernen die drei Schüler der Sudbrackschule und ihre Mitschüler – wie berichtet – nun auch in einem eigenen Unterrichtsfach.

»Wir sind die erste und einzige Schule in Bielefeld, an der es das Schulfach Glück gibt«, sagt Martina Reiske, Leiterin der Grundschule. Seit Mitte März gibt es dort für alle 89 Viertklässler eine Schulstunde pro Woche Unterricht in »Glück«. Fünf zusätzliche Stunden hat das Schulamt dafür genehmigt, fünf Lehrer und eine Ehrenamtliche unterrichten die Kinder in dem neuen Fach. Eine Genehmigung durch das NRW-Schulministerium sei nicht nötig, da es sich um ein freiwilliges Angebot handle, sagt ein Ministeriumssprecher.

Zufriedenheit, die aus einem selbst kommt

Doch warum ist ein eigenes Schulfach »Glück« notwendig? »Die Familien, in denen alles gut läuft, werden immer weniger. Kinder müssen oft schon mit vielen schwierigen Situationen klar kommen«, erklärt Reiske. Hinzu komme, dass neue Medien wie etwa Smartphones großen Einfluss auf die Schüler haben und diese in der vierten Klasse außerdem vor dem wichtigen Schritt des Wechsels an eine weiterführende Schule stünden. »Deshalb brauchen sie dringend Unterstützung«, ist die Schulleiterin überzeugt.

Das Ziel des »Glücks«-Unterrichts sei, den Kindern zu einer Zufriedenheit zu verhelfen, die aus ihnen selbst kommt, und ihnen ihre Stärken aufzuzeigen. Sich auf das zu konzentrieren, das sie gut beherrschen, und nicht auf ihre Schwächen, das sollen sie lernen. »Wenn ein Kind nicht so gut in Mathe ist, aber toll zeichnen kann, dann kann es sich zum Beispiel eine Aufgabe aufmalen, um sie besser zu verstehen«, gibt Martina Reiske ein Beispiel.

Spiele und Lernexperimente

Darüber hinaus sollen die Kinder Visionen entwickeln, sich überlegen, was sie gerne erreichen möchten und sich dabei realistische Ziele setzen. »In der vierten Klasse haben die meisten schon eine Vorstellung von dem, was sie einmal werden wollen. Wir wollen dann aufzeigen, was sie brauchen, um das zu schaffen«, so die Rektorin.

Ganz praktisch im Unterricht läuft vieles über Spiele und Lernexperimente. So bastelt etwa jedes der Kinder einen »Stärken-Rucksack« – ein Papp-Schild mit Riemen, damit es auf dem Rücken getragen werden kann. Darauf schreiben dann die Klassenkameraden, was sie an der Mitschülerin oder dem Mitschüler mögen. Martina Reiske: »So erfahren sie, wie positiv sie von anderen gesehen werden.« Und um das zu sammeln, das sie glücklich macht, basteln die Sudbrackschüler Glücksboxen und schreiben Glückshefte.

Positive Rückmeldungen

Dass es unterschiedliche Wege gibt, eine Situation zu meistern, und dass eine Gruppe Halt und Stärke geben kann, das lernen die Kinder ebenfalls spielerisch. »Wir haben uns im Kreis aufgestellt und mussten einen Hula-Hoop-Reifen herumgehen lassen, ohne uns loszulassen. Das hat Spaß gemacht«, sagt Mila. Generell finde sie das neue Schulfach gut, erklärt die Zehnjährige. »Der andere Unterricht ist oft anstrengend, aber in der Stunde kann man sich entspannen.«

Von Schülern und Eltern habe es bislang nur positive Rückmeldungen zu dem neuen Schulfach gegeben, so Martina Reiske. Deshalb möchte sie den »Glücks«-Unterricht in allen Jahrgangsstufen einführen. Und sie denkt über die eigene Schule hinaus: »Auch an anderen Schulen sollte das Fach unterrichtet werden.«

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