Einziehung von jeweils einer Richtungsfahrbahn über den Bielefelder Verkehrsknotenpunkt im Gespräch
Versuchslabor Jahnplatz: Rückbau zur Probe erfolgt 2018

Bielefeld (WB/bp). Im Frühjahr 2018 sollen Verkehrsversuche zeigen, wie durch weniger Autoverkehr auf dem Jahnplatz die Luftqualität dort besser wird. Falls sich die Versuche nicht bewähren, sagt Gregor Moss als zuständiger Dezernent, würde wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt.

Dienstag, 04.07.2017, 04:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2017, 14:04 Uhr
Der Niederwall soll vom Jahnplatz getrennt werden. Was heute noch Fahrbahn ist, könnte ab 2018 als Bereich für Fußgänger und Radfahrer genutzt werden. Autofahrer müssten sich andere Wege suchen – oder auf Bus und Bahn umsteigen. Foto: Thomas F. Starke
Der Niederwall soll vom Jahnplatz getrennt werden. Was heute noch Fahrbahn ist, könnte ab 2018 als Bereich für Fußgänger und Radfahrer genutzt werden. Autofahrer müssten sich andere Wege suchen – oder auf Bus und Bahn umsteigen. Foto: Thomas F. Starke

In Bielefeld im Gespräch: die Einziehung von jeweils einer Richtungsfahrbahn über den Jahnplatz, um mehr Platz für Radler zu schaffen, und die Abbindung des Niederwalls.

Moss hält es für besser, dass die Stadt selbst aktiv wird, damit die Grenzwerte der Stickoxidbelastung erreicht oder sogar unterschritten werden, anstatt zu Maßnahmen wie etwa (Diesel-)Fahrverboten aufgefordert zu werden. Der Dezernent spricht von Zeitdruck, auch wenn es in diesem Jahr wohl keine Fortschreibung des Luftreinhalteplanes von 2014 durch die Bezirksregierung geben werde. Die sehe sich dazu außerstande, weil »die Berechnungsmodalitäten auf tönernen Füßen« stünden. Dennoch sei es möglich, per Gesetz oder durch eine Klage zu drastischen Maßnahmen gezwungen zu werden, sagt Moss.

Deshalb sei geplant, Planungen für einen Jahnplatz ohne dicke Luft im Herbst in den politischen Gremien zu diskutieren, Verkehrsversuche dazu dann ab Frühjahr 2018 durchzuführen. Um zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen, müssten diese Versuche »mindestens ein Jahr« dauern.

Franzen: »Strategie, den Autoverkehr zu verschieben«

Dr. Godehard Franzen, Vorsitzender des Vereins »Bielefeld Pro Nahverkehr«, wünscht sich eine »Strategie, den Autoverkehr zu verschieben«. Er wünscht sich mehr Umsteiger aufs Rad, auf Bus und Bahn oder auch mehr Fußgänger. Zu seinen Vorschlägen gehört es unter anderem, Durchfahrer frühzeitig auf den OWD zu leiten (25 bis 30 Prozent des Verkehrsaufkommens auf dem Jahnplatz sind Durchfahrer).

Franzen schlägt aber auch vor, die Gültigkeit des Einzeltickets für Bus und Bahn von heute 90 auf 120 Minuten zu verlängern, den Takt im Nahverkehr zu verdichten, die zwei kostenlosen Parkstunden samstags und die 30 Freiminuten täglich im Rathausparkhaus abzuschaffen.

Während ein Teil der Lokalpolitiker in Bielefeld das für nicht machbar hält, geht ausgerechnet die Stadt New York mit gutem Beispiel voran: Dort werden Hauptverkehrsadern gekappt und zu Fußgängerzonen mit Sitzgelegenheiten und Blumenkästen. Aus drei- werden zweispurige Straßen, die eingezogene Spur wird zu einem extrabreiten Radweg mit Schutzstreifen. Godehard Franzen befürwortet solche Maßnahmen, weiß aber auch: »Der Umstieg benötigt Zeit.«

 

Kommentare

Mr.X  schrieb: 05.07.2017 08:18
Der Rückbau zur Probe (auf Dauer) auf Dauer erolgt natürlich rechtzeitig mit dem Beginn der Bauarbeiten an den Bielefelder Bahnbrücken. Ein Voll-Chaos ist vorprommiert. Hoffentlich geht dieser Schuß gehörig nach hinten los.

Meine Prognose: Die Schadstoffwerte auf und um den Jahnplatz mögen leicht besser werden – oder auch nicht sondern eher schlechter, da die Ausweichstraßen aufgrund der Bauarbeiten den Jahnplatzverkehr nicht aufnehmen können. Dort werden die Schadstoffwerte auf jeden Fall auf ein Vielfaches steigen. — Ist halt bielefelder grün-rote Umweltpolitik. Viel wollen, nichts können.
1 Kommentare
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