Mi., 06.09.2017

Bielefelder Kompressoren-Hersteller setzt auf Industrie 4.0 Boges intelligente Fabrik

Boges neue intelligente Fabrik am Standort Bielefeld.

Boges neue intelligente Fabrik am Standort Bielefeld. Foto: Boge

Von Bernhard Hertlein

Bielefeld (WB). Boge hat sich ein hohes Ziel gesteckt: null Fehler bei der Produktion der neuen Generation von Luftkompressoren. Dazu investiert das Unternehmen am Standort Bielefeld 2,5 Millionen Euro in eine »intelligente Fabrik«. Der Großteil der Investition ist abgeschlossen, die neue Produktion gestartet.

Vorbild für die neue Form der Produktion ist die »Smart Factory«, die an der Hochschule OWL in Lemgo entstanden ist. Nach Angaben des geschäftsführenden Gesellschafters und »OWL-Unternehmer des Jahres 2017«, Wolf D. Meier-Scheuven, werden in der intelligenten Fabrik die Geräte der neuen Kompressoren-Generation »High Speed Turbo« (HST) gefertigt. Die Nachfrage insbesondere aus der Medizintechnik sowie von Arznei- und Lebensmittelfirmen sei groß. Allerdings seien vor allem individualisierte Einzellösungen gefragt. »Industrie 4.0« ermögliche Boge den geforderten höchsten Qualitätsstandard.

Technik kann Menschen nicht komplett ersetzen

Die neue Technik des HST, der erstmals 2015 auf der Hannovermesse vorgestellt worden ist, erzeugt die Druckluft mit Hilfe eines von Propellern aus Titan angetriebenen Rotors. Er dreht sich nach Angaben von Boge-Geschäftsführer Thorsten Meier auf einem hauchdünnen Luftbett mit 1000 bis 2000 Umdrehungen pro Minute und einer Geschwindigkeit von 1500 km/h. Für die Produktion mussten viele Anlagen neu konzipiert werden. In der intelligenten Fabrik kommunizieren Rotorenfertigung, Aggregatmontage, Fre­quenzeinrich­ter, Luftlagerfertigung Magnetisierungseinrichtung und die anderen Anlagen auch untereinander über das Internet.

Meier zufolge ist das Know-how für die Fertigung so wichtig wie die Patente, die für

Eigentümer Wolf Meier-Scheuven und die kaufmännische Geschäftsführerin Ricarda Fleer und Thorsten Meier (von links) freuen sich über die Inbetriebnahme von Boges neuer intelligenter Fabrik am Standort Bielefeld. Foto: Bernhard Hertlein

die neue Technik, die an die Stelle von Kolben- und Schrauben-Kompressoren rücken, erworben wurden. Doch bedeutet intelligente Fabrik nach Angaben der Prokuristin Ricarda Fleer nicht, dass Menschen überflüssig werden. Ihre Arbeit werde aber dadurch, dass jeder Schritt durch Projektion auf dem Arbeitstisch angezeigt und der Vollzug kontrolliert werde, wesentlich erleichtert.

VR-Brille für Fernanweisungen

Meier-Scheuven zufolge wird sich die intelligente Fabrik weiterentwickeln. Neben einem Kapazitätsausbau hofft er auf technische Fortschritte. Identifiziert werden die einzelnen Teile nach wie vor per Barcode. RFID-Technologie scheitere an den hohen Temperaturen und Druckbelastungen während der Produktion der Kompressoren. Hieran arbeite man – genauso wie an der Einbindung der eigenen Kompressoren in die intelligenten Produktionslinien der Kunden.

Ergänzt wird die Smart Factory durch einen von Boge entwickelten »Erste-Hilfe-Koffer«, der in den Niederlassungen stationiert wird. Die VR-Brille, die er enthält, ermöglicht Meyer zufolge Fernanweisungen für Reparaturen und Umbauten der Maschine. Auf die Weise garantieren die Bielefelder, dass der HST-Kompressor niemals länger als 24 Stunden stillstehe.

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