Mo., 18.12.2017

Obdachloser attackiert Mann in der Bielefelder Innenstadt – Zeuge bricht zusammen Tritte gegen Kopf des Opfers

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Ulrich Pfaff

Bielefeld/Paderborn (WB). Explosive Gewaltausbrüche begleiten das Leben eines 45-jährigen Obdachlosen, der im Paderborner Straßenbild bekannt ist, seit Jahrzehnten – Folge einer psychischen Erkrankung. Im Prozess am Landgericht Paderborn erlitt nun ein Bielefelder, der von dem Mann verletzt worden war, einen Nervenzusammenbruch.

Zeuge erleidet Nervenzusammenbruch

Der 45-Jährige gebürtige Warburger, der in Paderborn seit Jahren – mit kurzen Unterbrechungen – in einem Erdloch an Hauptbahnhof lebt, musste sich wegen mehrerer Körperverletzungen vor dem Landgericht verantworten. Eine der Taten hatte er im September 2013 in Bielefeld begangen. Er urinierte nach reichlichem Alkoholgenuss in der August-Bebel-Straße an eine Hauswand. Ein Anwohner stellte ihn zur Rede und bekam nicht nur mehrere Faustschläge, sondern auch noch einen Tritt gegen den Kopf, nachdem er zu Boden gegangen war. Vor Gericht sollte der heute 60-Jährige aus Zeuge aussagen – doch dazu kam es gar nicht erst. Der Mann zitterte am ganzen Körper. Der 60-Jährige sprang unvermittelt auf und rannte panisch aus dem Gerichtssaal. Wenige Meter vor der Tür begann er laut wie in höchster Not zu schreien, und sackte schließlich zusammen. Wenige Minuten später war ein Notarzt vor Ort, versorgte den Mann und ließ ihn in das gegenüberliegende Krankenhaus einliefern.

Stand bereits fünf Mal wegen Körperverletzung vor Gericht

Eines bedrückenderen Beweises für die Folgen der Aggressivität des Angeklagten hätte es nicht mehr bedurft. Der 45-Jährige stand schon von 1992 bis 1999 fünf Mal wegen Körperverletzung vor Gericht, bis ihn das Landgericht Paderborn in eine psychiatrische Klinik einwies: Der Mann leidet unter einer paranoiden Schizophrenie. 2006 kam er wieder frei, aber als 2010 die Führungsaufsicht endete, rutschte er wieder ab. Jetzt ging es wieder um seine massiven Attacken auf Mitbürger. Unter anderem hatte er im Juni 2016 einem Kneipengast mit einem Faustschlag den Kiefer doppelt gebrochen, weil er meinte, der Mann hätte über ihn gelacht. Einen Mitarbeiter in einem Einkaufsmarkt hatte er im September 2015 mit Schlägen und Tritten traktiert, als er beim Klauen von Frikadellen und einer Gebäcktüte erwischt worden war.

Gutachter: Der 45-Jährige sei eine Gefahr für die Allgemeinheit

Der 45-Jährige sei eine Gefahr für die Allgemeinheit, stellte ein psychiatrischer Gutachter fest. Der Gutachter empfahl dem Gericht die Unterbringung in der Psychiatrie. Und so urteilte die Strafkammer denn auch: Sie sprach den 46-Jährigen zwar wegen Schuldunfähigkeit frei, verfügte aber seine Einweisung.

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