Do., 08.02.2018

Teutoburger-Wald-Netz: Wenn das Unternehmen nicht besser wird, droht kompletter Ausschluss Die Letzte Chance der Eurobahn

RB 61: »Wiehengebirgs-Bahn« – RB 65: »Ems-Bahn« – RB 66: »Teuto-Bahn« – RB 72: »Ostwestfalen-Bahn« – RB 78: »Porta-Express«.

RB 61: »Wiehengebirgs-Bahn« – RB 65: »Ems-Bahn« – RB 66: »Teuto-Bahn« – RB 72: »Ostwestfalen-Bahn« – RB 78: »Porta-Express«.

Von Bernd Bexte

Bielefeld/Unna (WB). »Danke Eurobahn für nichts« – 1000 Kundenbeschwerden wie diese sind seit Ende Dezember wegen des Chaos’ im Teutoburger-Wald-Netz eingegangen. Die Auftraggeber erteilten der Geschäftsführung der Eurobahn am Mittwoch eine Abmahnung – und drohten mit weiteren Sanktionen.

So etwas hatte es noch nicht gegeben: Am 20. Dezember waren 93 der 175 Fahrten auf den fünf Linien des wenige Tage zuvor von der Eurobahn übernommenen Teutoburger-Wald-Netzes teilweise oder komplett ausgefallen. Am 4. Januar waren es 83 von 212 Fahrten. Zudem wurden die Fahrgäste über Verspätungen und Ausfälle gar nicht oder nur mangelhaft informiert.

»Das ist jenseits des Akzeptablen. Wir sind angefressen«, sagte Frank Scheffer, Vorsteher des Verkehrsverbandes Ostwestfalen-Lippe (VVOWL). Kommunen im Münsterland hatten sogar per Ratsresolution an die Eurobahn appelliert, endlich ins Rollen zu kommen. Die hat wegen der Zugausfälle nach Informationen dieser Zeitung in den wenigen Wochen bereits mehr als 500.000 Euro Vertragsstrafen zahlen müssen.

Personalengpässe wegen verspätet beendeter Ausbildungskurse

Der VVOWL ist einer von fünf Verkehrsverbänden, die gemeinsam als Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) die Eurobahn mit dem Betrieb des Teutoburger-Wald-Netzes beauftragt hatten. Weil dieser stockt, hatte der NWL die deutsche Chefetage von Keolis, französischer Mutterkonzern der Eurobahn, am Mittwoch zu einer Sondersitzung ins Kreishaus nach Unna einbestellt.

Ja, es habe Personalengpässe wegen verspätet beendeter Ausbildungskurse gegeben, sagte Magali Euverte, Geschäftsführerin von Keolis Deutschland. Hauptursache für die massiven Störungen seien jedoch technische Probleme mit acht neuen Triebwagen gewesen. 19 ältere sowie fast das komplette Personal waren vom vorherigen Anbieter, der Westfalen-Bahn, übernommen worden.

Mängelbehebung bis zum 26. Februar

»Ich möchte mich für das gesamte Unternehmen entschuldigen. Wir haben Sie und die Kunden enttäuscht«, zeigte sich Euverte reuig. Sie erneuerte ihr am Tag zuvor schriftlich gegebenes Versprechen, die Mängel bis zum 26. Februar zu beheben. »Wir werden Wort halten.« Enttäuschte Kunden sollen »angemessen entschädigt« werden. Konkrete Summen nannte sie nicht. Bei Einzeltickets ist aber offenbar eine Gutschrift in Höhe von 20 Euro in der Diskussion. Für Abokunden wird noch an Lösungen gearbeitet. Die Verbandsversammlung des NWL sprach dennoch einstimmig eine Abmahnung aus: Darin wird die Eurobahn mit Frist bis zum 31. März aufgefordert, die Zugausfälle »weitgehend abzustellen«, den Verkehr bis ins holländische Hengelo sicherzustellen und die Fahrgastinformationen deutlich zu verbessern.

Weitere Forderungen: Ein zusätzliches Mitglied der Geschäftsführung soll die Mängel bei der Kundeninformation beheben. Auf Kosten der Eurobahn soll ein externer Prüfer die technischen Probleme mit den Zügen untersuchen, Kunden Entschädigungen erhalten. Zudem soll die Eurobahn die Planung für den Weiterbetrieb des Hellweg-Netzes (Beginn im Dezember) offenlegen, um hier ähnliche Probleme zu vermeiden.

Dorawa: »Wir nehmen das alles sehr ernst«

»Wir nehmen das alles sehr ernst, haben auch schon einiges auf den Weg gebracht«, sagte Eurobahn-Sprecherin Danica Dorawa am Mittwoch als Reaktion auf die Abmahnung. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, will der NWL eine zweite Abmahnung erwirken – als Voraussetzung einer Vertragskündigung. Das wäre ein bislang einmaliger Vorgang. Der NWL will sogar prüfen lassen, ob die Eurobahn dann künftig komplett von Ausschreibungen ausgeschlossen werden kann.

Vertreter aus OWL zeigten sich am Mittwoch dennoch verhalten optimistisch: »Die Abmahnung wurde einstimmig erteilt. Das ist ein klares Signal«, sagte Kurt Kalkreuter als Vertreter des VVOWL.

Kommentare

Vielleicht sollte man auch mal Fehler des NWL nennen - der größte Fehler bisher war die Übergabe von der hervorragend fahrenden und gut angesehenen Westfalenbahn per "europaweiter Ausschreibung" an die Eurobahn! Probleme der Eurobahn waren da bereits bekannt ... Folge: Rückzug regionaler Betreiber von der Westfalenbahn (moBiel, Extertalbahn, MKB). Diese gehört nun ebenfalls komplett einer ausländischen Staatsbahn (Abellio = niederländische NS).

Und was soll nach einer Vertragskündigung folgen? Die DB natürlich. Schritt zurück zum Staat. Oder Transdev (ebenfalls französisch). Regional wäre dann bestenfalls die NWB (Stadtwerke Oldenburg / OS und Transdev). Der NWL hat hier regionale Unternehmen geschädigt (Westfalenbahn) und sich voll auf staatsnahe ausländische Bahnen konzentriert.

In Niedersachsen sieht das ganz anders aus: Metronom (u.a. HHA), Erixx (Osthannoversche Bahn), EVB (schon immer Privat), NWB. Ausschreibungen müssen anders laufen - da liegt das Problem. Siehe auch National Express (ebenfalls wenig beliebt - mangelnde Leistungen).

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