Expressionismus-Ausstellung »Trauma und Tabu« mit der höchsten Besucherzahl seit Jahren
Minus: Kunsthalle auf Rücklagen angewiesen

Bielefeld (WB). 35.581 Menschen sahen die Ausstellung »Der böse Expressionismus – Trauma und Tabu«, die vor zwei Wochen zu Ende ging. Damit erzielte die Kunsthalle das höchste Besucherergebnis einer Ausstellung während der Amtszeit von Direktor Dr. Friedrich Meschede (seit Juli 2011). Gleichzeitig muss das Museum ein Jahresminus 2017 in Höhe von 335.000 Euro verkraften.

Dienstag, 20.03.2018, 14:00 Uhr
Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede in der Expressionismus-Schau; kuratiert wurde die von seiner Stellvertreterin Dr. Jutta Hülsewig-Johnen. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv
Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede in der Expressionismus-Schau; kuratiert wurde die von seiner Stellvertreterin Dr. Jutta Hülsewig-Johnen. Foto: Hans-Werner Büscher/Archiv

Die Kunsthalle greift deshalb auf Rücklagen (292.000 Euro) sowie einen Gewinnvortrag aus 2016 zurück. Die Betriebskosten im ausstellungs-unabhängigen Bereich, also auch die für das Personal, seien gedeckt.

Kunsthallen-Direktor Dr. Frie­drich Meschede macht deutlich, dass die Zahlen aus der vorläufigen Bilanz 2017 stammen, die noch gar nicht abgeschlossen sei, verhehlt ein Defizit aber nicht. Gründe dafür seien gestiegene Ausstellungs- und Versicherungskosten, aber auch eine Komplettschließung der Kunsthalle für die Dauer von fünf Wochen; in dieser Zeit seien dringend erforderliche Sanierungsarbeiten durchgeführt worden.

Besucherzahl gesunken

Die Ausstellung »Partners in Design: Alfred H. Barr Jr. and Philip Johnson« habe Mehrkosten in Höhe von 110.000 Euro verursacht – unter anderem für das Ausstellungs-Design mit einem »Spiegelsaal«. Zudem seien Fördergelder, die man mit einkalkuliert habe, ausgefallen. Die Schau »Partners in Design« hatte knapp 20.000 Besucher.

Insgesamt waren 2017 46.000 zahlende Besucher in der Kunsthalle (die Ausstellung »Trauma und Tabu« war bis Mitte März 2018 zu sehen). Die Doppelausstellung Thomas Kiesewetter/Ulrich Rückriem besuchten 3600 Menschen. Friedrich Meschede betont, dass diese Schau kurzfristig organisiert worden sei, als eine Art »Lückenfüller« während der ohnedies besucherschwachen Sommerwochen. 2016 wurden in der Kunsthalle 55.400 zahlende Besucher gezählt, 2015 waren es 50.100.

Der Wirtschaftsplan mit den Prognosen für das abgelaufene Jahr habe er bereits mit zwei Jahren Vorlauf erstellen müssen, so Meschede. Damals habe er die »starke Preisbeschleunigung« auf dem internationalen Kunstmarkt offenbar noch unterschätzt, zum Beispiel die Versicherungskosten für die vier Werke von Ernst Ludwig Kirchner, die in der Expressionismus-Ausstellung zu sehen waren, mit 20.000 Euro angegeben.

Kunsthalle feiert 50-jähriges Bestehen

Zahlen habe die Kunsthalle aber Police-Kosten von insgesamt 90.000 Euro: Meschede: »Der Wert jedes der vier Bilder wurde mit fünf Millionen Euro angesetzt.« Man habe sogar auf einige Werke, die »konzeptionell nicht unbedingt erforderlich« gewesen seien, verzichtet, um die Kosten im Griff zu behalten. Zudem seien die Transportkosten von Kunstwerken unkalkulierbar geworden. Meschede: »Wir müssen dabei auf die Wünsche der jeweiligen Leihgeber eingehen.«

In diesem Jahr feiert die Kunsthalle ihr 50-jähriges Bestehen. Für das Rahmenprogramm rund um die Ausstellung »50«, die bedeutende Werke aus dem Eigenbesitz zeigt, hat die Stadt 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Zudem hat Oberbürgermeister Pit Clausen zugesagt, der Kunsthalle eine Mietminderung in Höhe von 200.000 Euro pro Jahr zu gewähren. Dem muss die Politik allerdings noch zustimmen. Personalkostensteigerung etwa durch Tariferhöhungen sind gedeckt.

Mit der Kunsthallen-Bilanz beschäftigt sich Mitte April der Aufsichtsrat.

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