Sa., 31.03.2018

Vor 25 Jahren übernahm der Förderverein die ehemalige Wäschefabrik Winkel Lebendige Industriegeschichte

Die Mitglieder des Fördervereins – hier im original erhaltenen Nähsaal – erfüllen die ehemaligen Wäschefabrik mit Leben. Sie haben die Geschichte des Industriedenkmals erforscht und initiieren museumspädagogische und kulturelle Angebote.

Die Mitglieder des Fördervereins – hier im original erhaltenen Nähsaal – erfüllen die ehemaligen Wäschefabrik mit Leben. Sie haben die Geschichte des Industriedenkmals erforscht und initiieren museumspädagogische und kulturelle Angebote. Foto: Oliver Schwabe

Von Uta Jostwerner

Bielefeld (WB). Vor 25 Jahren ging die ehemalige Wäschefabrik in der Viktoriastraße 48a in den Besitz des Fördervereins »Museum Wäschefabrik« über. Damit war der Weg geebnet, ein unvergleichliches Industriedenkmal aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken.

Die Geschichte des Fördervereins beginnt indes schon Jahre zuvor und ist gekennzeichnet von Zufällen, persönlichem Engagement, Hartnäckigkeit und den unterschiedlichsten Förderern. Wie kein zweiter ist Rüdiger Uffmann, erster Vorsitzender und Gründungsmitglied des Fördervereins, mit den Umständen vertraut. Seine detaillierten Erzählungen, zu denen Uffmann Tee kredenzt – schließlich wurde auch die Vereinsgründung mit hunderten Litern Tee vollzogen –, führen ins Jahr 1986, als der Fotografiestudent Peter Wellmer in der stillgelegten Fabrik Fotos von berückender Schönheit einfing. Diese gelangten an den Archivar und Historiker Professor Dr. Reinhard Vogelsang, der Rüdiger Uffmann die Bilder zeigte. »Ich war damals damit beschäftigt, Exponate für das künftige Historische Museums zu sammeln und suchte noch einen Kraftarbeitstisch, wie sie ehemals in der Wäscheindustrie zum Einsatz kamen«, berichtet der 67-Jährige.

Den gesuchten Kraftarbeitstisch fand Uffmann in der ehemaligen Wäschefabrik der Brüder Theodor und Georg Winkel zwar nicht, dafür aber ein Projekt, das ihn bis heute nicht mehr los lässt. »Am Abend habe ich meiner Gruppe von Feldbahnfreunden, die sich bei mir zu Hause traf, von der Wäschefabrik erzählt und sie mit meiner Begeisterung angesteckt«, erinnert sich Uffmann.

Somit bildete eine Gruppe von Feldeisenbahnfreunden den harten Kern einer Interessengemeinschaft, aus der später der Förderverein hervorging, der sich für den Erhalt der in ihrem Inventar unveränderten Fabrik und Unternehmervilla einsetzte. Der hilfreichen Wegbegleiter gab es viele.

Unter anderen führt Rüdiger Uffmann den damalige Oberbürgermeister Eberhard David auf, der grünes Licht gab für einen ersten Flyer, der für ein Museum Wäschefabrik warb. »Der Flyer war wichtig«, betont Uffmann.

Bei den Bielefelder Nachtansichten ist stets viel los am Musem, wie hier 2017. Foto: Lars Rohrandt

Bereits 1987 war die Fabrik unter Denkmalschutz gestellt worden. Landeskonservator Christian Hoebel, der von dem Projekt überzeugt war, stellte einen Kontakt zur NRW-Stiftung her, die 1993 den Erben die ehemalige Wäschefabrik abkaufte und in die Hände des Fördervereins übergab. »2,4 Millionen D-Mark flossen in den Verkauf und die Renovierung«, weiß Uffmann.

Im selben Jahr veranstaltete der Förderverein einen Tag der offenen Tür. »Die Besucher standen Schlage«, erinnert sich Uffmann. 1997 konnte die Wäschefabrik als Museum wiedereröffnet werden.

Für den Förderverein begann die Zeit der Erforschung zur Geschichte und Technik der Fabrik. »Eine große Hilfe waren die ehemaligen Mitarbeiterinnen, die bei Ehemaligentreffen und bei Interviews ein lebendiges Bild vom Arbeitsalltag in der Wäschefabrik geben konnten«, sagt Rüdiger Uffmann.

Dem Förderverein gelang es auch, mit Fritz Bender einen letzten Überlebenden der Familie Juhl ausfindig zu machen und den in Kanada lebenden, hochbetagten Bender nach Bielefeld zu holen. Fritz Bender war der Schwiegersohn des damaligen Fabrikbegründers Juhl. Er überlebte den Holocaust als einziger der Familie. Im Jahr 2006 konnte ein Film mit Benders Erzählungen der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Ferner zeichnet der Förderverein für ein umfängliches museumspädagogisches und kulturelles Programm verantwortlich. Auch führen die rund 70 Mitglieder die Aufsicht zu den Öffnungszeiten des Museums, jeweils sonntags von 11 bis 18 Uhr. Etwa 5000 Besucher verzeichnet das Museum jährlich. »Wir alle stehen als Eigentümer und Betreiber in der Verantwortung und wir werden nicht mehr«, wirbt Rüdiger Uffmann für weitere Mitglieder.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5628855?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F