Mi., 04.04.2018

Heiner Wöhning legt Neufassung von Erfolgsspiel »Das Nilpferd in der Achterbahn« Gewonnen wird nur gemeinsam

Spieleentwickler Heiner Wöhning (rechts) und seine Spieletester (von links): Marius Hüttig, Katharina Scherer, Jan und Sina Wöhning . Fast ein Jahr lang tüftelte das Team mit viel an der Neuauflage des »Nilpferds in der Achterbahn«.

Spieleentwickler Heiner Wöhning (rechts) und seine Spieletester (von links): Marius Hüttig, Katharina Scherer, Jan und Sina Wöhning . Fast ein Jahr lang tüftelte das Team mit viel an der Neuauflage des »Nilpferds in der Achterbahn«.

Von Jens Heinze

Bielefeld (WB). »Es kommt auf die zündende Idee an«, sagt Heiner Wöhning (59). Der Gemeindepädagoge der evangelischen Jugend Bielefeld hatte vor drei Jahrzehnten sowohl die zündende Idee als auch den richtigen Riecher für einen Millionenerfolg.

Gemeinsam mit Bertram Kaes entwickelte Wöhning das vor allem bei den geburtenstarken Jahrgängen bekannte Party- und Gesellschaftsspiel »Das Nilpferd in der Achterbahn«. Mehr als zwei Millionen verkaufte Spiele seit dem Erscheinungsjahr 1988, erschienen in mehr als zwölf Sprachen, sprechen für sich. Das »Nilpferd« war seine erfolgreichste, aber nicht einzige Erfindung. Wöhning, im Nebenberuf Spieleautor, denkt sich seit fast 40 Jahren Kurzweiliges für Klein und Groß aus. »Knapp 20 Eigenentwicklungen sind es mittlerweile«, sagt der 59-Jährige.

Das Spielen wurde ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt, erzählt Heiner Wöhning. »Ich bin als Theaterkind aufgewachsen. Mein Vater war Schauspieler in Detmold.« Über die evangelische Jugendarbeit sei es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zum Spieleautor gewesen.

»Manchmal soll Spielzeug einfach nur Spaß machen«

Der Gemeindepädagoge geht das Entwickeln erstaunlich unpädagogisch und erfrischend an. »Muss Spielzeug eigentlich immer einen tieferen Sinn haben und unbedingt einen Lerneffekt mit sich bringen«, fragt der Familienvater aus Bielefeld. Die passende Antwort gibt er gleich hinterher: »Manchmal soll Spielzeug einfach nur Spaß machen. Die Freude am Spiel steht dabei im Vordergrund.« Doch den Pädagogen in sich kann Heiner Wöhning bei allem Spaß an der Freude nicht ganz verbergen. »Nicht der Einzelkämpfer wird am Ende der Sieger sein. Denn gewonnen wird nur gemeinsam«, verweist der Spieleautor auf wichtige Sozialkompetenzen wie Kooperation, Interaktion und Flexibilität.

Das Spieleentwickeln ist bei Heiner Wöhning Familiensache. Von August 2016 bis Herbst vergangenen Jahres wurde das »Nilpferd in der Achterbahn« überarbeitet. »Im Rückblick war das alte Spiel viel zu kompliziert und überladen. Es gab ganz viele unnötige Regeln. Ende der 80er Jahre war eben der Auftakt zur großen Kreativspielwelle«, sagt der Autor.

Zündende Idee für ein Partyspiel

Damit bei der jetzt erschienenen Neuauflage nicht wieder unnötiger Ballast mit aufs Spielfeld kommt, standen Tochter Sina und Sohn Jan Vater Heiner Wöhning zur Seite. Komplettiert wurde die Runde der Tester mit Mitarbeitern der evangelischen Jugend wie Katharina Scherer und Marius Hüttig. Die vier ehrenamtlichen Berater hätten viele Spielerunden gespielt, viele Ideen wieder verworfen. Das neue Spiel habe endlose Testrunden überstanden. Irgendwann habe es auch einen »toten Punkt« gegeben. Trotzdem fällt das Fazit der Tester nach mehr als einem Jahr Entwicklungsarbeit positiv aus: »Uns ist nie langweilig geworden.«

Mit im Boot saß auch der zweite Spieleautor aus den 80er Jahren, Bertram Kaes. Der wohnt allerdings nicht in Bielefeld, sondern weit entfernt am Bodensee. Heiner Wöhning: »Dank Internet und E-Mail klappte die Kommunikation problemlos.« Alles, was sich auf digitalem Weg nicht klären ließ, sei bei zwei persönlichen Treffen geklärt worden.

Und was war nun vor mehr als 30 Jahren die zündende Idee für das Partyspiel vom »Nilpferd in der Achterbahn«? »Ich fahre gerne Achterbahn. Und was passt überhaupt nicht darein: ein Nilpferd«, sagt Spielautor Wöhning.

Der 59-Jährige ist längst dabei, neue Ideen umzusetzen. Aktuell entwickelt er mit einem Bielefelder Partner ein Kommunikationsspiel. Arbeitstitel: »Madonna küsst Yeti«. Mehr Details will Heiner Wöhning noch nicht verraten.

Die Neufassung

Zum »30-Jährigen« präsentiert sich das von Heiner Wöhning mitentwickelte Spiel »Das Nilpferd in der Achterbahn« in einer modernen Neufassung. Auf bis zu zwölf Spieler warten 900 Aufgaben, sagt Katrin Hanger, Sprecherin des Ravensburger Spieleverlages. Zum Beispiel »Knete den Begriff Regenwurm mit geschlossenen Augen«, »Gurgle den Begriff Brasilien«, »Stelle die Begriffe Alpen, Angela Merkel und Euro pantomimisch dar«. Wer umschreibt, malt, knetet und gurgelt die gesuchten Begriffe so, dass die Mitspieler sie erraten?

Neben der bekannten Spielvariante Team gegen Team können die Spieler nun auch versuchen, alle zusammen die »Drecksau« zu schlagen. Die ist wirklich fies, denn schaffen die Spieler eine Aufgabe nicht, kriegt die Drecksau die Punkte und kommt auf ihrer deutlich kürzeren Schweinespur wesentlich schneller voran. Gewonnen hat, wer als Erster das Ziel in der abgedrehten Achterbahn erreicht.

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