Di., 08.05.2018

A33: Anwohner sammeln Unterschriften und wenden sich an Ministerpräsident Laschet Protest gegen Lücke im Lärmschutz

Von ihrer Terrasse aus blickt Familie Strüwe direkt auf die A33, die in diesem Bereich nicht mit Schutzwänden ausgestattet wurde. Den Lärm empfinden jedoch auch die anderen Anwohner aus Ummeln und Brackwede als Zumutung. Sie sammeln Unterschriften und wollen, dass der Lärmschutz nachgerüstet wird (von links): Norbert Pohl (Winterstraße), Anett Nerger (Am Lehmgrund), Denise Hartwig (Depenbrocks Hof), Silke, Armin und Christian Strüwe (Gütersloher Straße), André Reichelt (Solinger Weg) und Günter Schraven (Herbstweg). Ihren Brief haben sie an den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet adressiert.

Von ihrer Terrasse aus blickt Familie Strüwe direkt auf die A33, die in diesem Bereich nicht mit Schutzwänden ausgestattet wurde. Den Lärm empfinden jedoch auch die anderen Anwohner aus Ummeln und Brackwede als Zumutung. Sie sammeln Unterschriften und wollen, dass der Lärmschutz nachgerüstet wird (von links): Norbert Pohl (Winterstraße), Anett Nerger (Am Lehmgrund), Denise Hartwig (Depenbrocks Hof), Silke, Armin und Christian Strüwe (Gütersloher Straße), André Reichelt (Solinger Weg) und Günter Schraven (Herbstweg). Ihren Brief haben sie an den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet adressiert. Foto: Kerstin Sewöster

Von Kerstin Sewöster

Bielefeld (WB). »Wenn ich ins Bett gehe, werde ich erst richtig wach«, klagt Hannelore Strüwe. Seit das A33-Teilstück bis Steinhagen am 10. April freigegeben wurde, finde die Rentnerin keine Nachtruhe mehr. Sie macht dafür eine Lücke im Lärmschutz an der A33 verantwortlich.

In der Tat hat das Autobahnstück, das nahezu im rechten Winkel die Gütersloher Straße kreuzt – zumindest auf einer Seite keinen Lärmschutz. Während die Häuser südlich der Trasse vor Lärm mit einer transparenten Wand geschützt sind, schallen die Fahrgeräusche ungehindert auf die Felder bis zum Haus von Familie Strüwe. Doch auch andere Anwohner klagen über den Lärm. Eine Initiative um Norbert Pohl, der an der Winterstraße lebt, sammelt jetzt Unterschriften, die an den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet versendet werden sollen. Die Betroffenen fordern, die Lärmschutzlücken im Bereich der Gütersloher Straße zu schließen.

Dabei beziehen sich die Anwohner auch auf den »Gleichheitsgrundsatz«. Denn sowohl über die benachbarte Brockhagener Straße und die Queller Straße ist die Autobahntrasse beidseitig mit Lärmschutzwänden ausgestattet.

Lärmschutz nur auf einer Seite

»Besonders schlimm ist es bei West-/Süd-Westwind«, klagt Anett Nerger, die mit Mann und Kindern in der Straße Am Lehmgrund lebt. »Und es wird erst noch richtig dramatisch, wenn die A33 ganz fertig ist«, befürchtet sie. Alle betroffenen Anwohner beklagen, dass der Lärmschutz nur auf einer Seite besteht. »Damit wird der Lärm noch stärker auf unsere Seite zurückgeworfen«, meint Anett Nerger. Denise Hartwig fühlt sich von Straßen NRW geradezu verschaukelt. Den Bau der Autobahn habe man notgedrungen akzeptiert, dabei sei man selbstverständlich davon ausgegangen, dass es entsprechenden Schutz geben werde. Die Lücke an dem A33-Stück ärgert sie und hat Konsequenzen für sie und ihre Familie: Die Fenster bleiben zu, denn sonst fühlt sie sich an »einen Flugzeugstart erinnert, wenn die Lkw passieren«. Von der Gartennutzung ganz zu schweigen. Hannelore Strüwe hat ihre Terrasse lärmbedingt schon seit Beginn der Bauarbeiten gemieden.

Auch ihr Sohn Armin Strüwe ist davon ausgegangen, dass der Lärmschutz ohne Unterbrechung entlang der Trasse durchgezogen wird. Erst vor einigen Jahren hat er angebaut, die Schlafzimmer seiner Kinder liegen in Richtung A33. Bei der Erteilung der Baugenehmigung hätte es einen Hinweis geben müssen, damit er gleich den entsprechenden Lärmschutz hätte einplanen können, bedauert er.

Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe

Die gesetzlichen Möglichkeiten seien ausgeschöpft, sagt dagegen Sven Johanning, Sprecher von Straßen NRW, der planenden und ausführenden Behörde in Sachen Autobahn. Bei dem Gebiet handele es sich um ein Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe. Die Grenzwerte lägen dafür bei tagsüber 64 dBA und nachts bei 54 dBA. Der Schallpegel wird in Dezibel (dB) gemessen; A bedeutet den Schalldruckpegel für das Ohr.

Diese Grenzwerte würden nicht überschritten, betont Johanning. Den Vorwurf der Anwohner, die Werte seien geschätzt und entsprächen nicht der tatsächlichen Belastung, nimmt Johanning nicht an und verweist auf das Bundesimmissionsschutzgesetz: »Wir dürfen nicht messen, das Gesetz gibt uns vor, die Werte zu berechnen«. Für das Autobahnstück auf Bielefelder Gebiet habe man 53.000 Kraftfahrzeugen (Pkw und Lkw) in 24 Stunden berechnet; für den Steinhagener Bereich 41.000 Fahrzeugen. Bei der Prognose sei die Behörde von einer bereits komplett fertiggestellten Autobahn ausgegangen. Berücksichtigt worden sei auch der Wind. »Dabei gehen wird immer von der ungünstigsten Windrichtung aus«, sagt Johanning. »Wir haben also im Moment keine rechtliche Handhabe, die Dinge zu verändern.«

Damit wollen sich die Anwohner jedoch nicht zufrieden geben. Sie hoffen, über die Landesregierung eine Nachbesserung beim Lärmschutz zu erreichen.

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