Do., 10.05.2018

CDU, SPD und Grüne machen in Bielefeld gemeinsame Sache Politik will Kunsthallen-Direktor nicht mehr

Dr. Friedrich Meschede leitet die Kunsthalle seit 2011. Die Politik will, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Archiv-

Dr. Friedrich Meschede leitet die Kunsthalle seit 2011. Die Politik will, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Archiv- Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). CDU, SPD und Grüne wollen den Vertrag von Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede (62) nicht verlängern. Der Vertrag läuft bis Ende 2019.

Die Kunsthalle selbst gibt keine Stellungnahme ab, auch in der Politik gibt es keinen offiziellen Kommentar.

Friedrich Meschede soll aber bereits darüber in Kenntnis gesetzt worden sein, dass vom Kunsthallen-Gesellschafter Stadt (die beiden anderen Gesellschafter sind die Sparkasse und die Kulturstiftung Pro Bielefeld) keine Mehrheit für eine Verlängerung seines Vertrages zu erwarten sei.

»Prekäre finanzielle Situation« als Auslöser

Auslöser für das Bestreben von CDU, SPD und Grünen soll die, so wörtlich, »prekäre finanzielle Situation der Kunsthalle« sein. Das Haus schrieb 2017 ein Minus in Höhe von 335.000 Euro.

Friedrich Meschede hatte jedoch klar gestellt, dass die Kunsthalle, um das Defizit zu decken, auf Rücklagen zurück greife (292.000 Euro); die Betriebskosten im ausstellungs-unabhängigen Bereich, also auch die für das Personal, seien gedeckt. Als Gründe für die unerwarteten Kosten nannte Meschede gestiegene Versicherungsbeiträge, ausgefallene Fördergelder, Mehrkosten für eine Ausstellung (»Partners in Design«) und eine fünfwöchige Schließung für Sanierungsarbeiten. 2017 besuchten 46.000 zahlende Besucher das Kunstmuseum.

Von Seiten der Kritiker aus der Politik kommt der Vorwurf, dass der Wirtschaftsplan der Kunsthalle noch bis Oktober 2017 ein Defizit in Höhe von 181.000 Euro ausgewiesen habe, man erst im März von der 335.000 Euro-Lücke erfahren habe und sich deshalb »hinters Licht geführt« fühle. Das erhöhte Defizit sei »ein Versäumnis der Geschäftsführung, zu der auch Friedrich Meschede gehört«.

Gemeinsame Vorlage für die Ausschüsse

Es gehe darum, »der Kunsthalle eine Perspektive zu geben«. Deshalb werde man noch vor den Sommerferien eine gemeinsame Vorlage nach heutigem Stand im Betriebsausschuss Immobilien und im Hauptausschuss einbringen. Danach solle beschlossen werden, die Pacht, die die Kunsthalle an die Stadt zahlen muss, um jährlich 200.000 Euro zu reduzieren und Mittel in den Haushalt einzustellen, um die Sanierung des Gebäudes voran zu treiben.

Ein Beschluss, den Vertrag nicht zu verlängern, müsse explizit gar nicht gefasst werden. Man könne ihn einfach auslaufen lassen. Denkbar sei auch, dass Meschede von sich aus keine Vertragsverlängerung anstrebe. Die Rede ist sogar von einer Interimslösung, bis man die Nachfolge geregelt habe.

»Meschede ist hervorragender Kurator«

Obwohl noch nichts offiziell ist, regt sich bereits Kritik. Dr. Günter Küppers, Vorsitzender des Förderkreises der Kunsthalle mit mehr als 1000 Mitgliedern, sagt, der Verein der Unterstützer werde grimmig reagieren, würde »Friedrich Meschede abgesägt«. Küppers betont: »Friedrich Meschede ist ein hervorragender Kurator, wir werden alles dafür tun, ihn als Direktor der Kunsthalle zu halten.«

2011 hatte eine Findungskommission Meschede einstimmig gewählt. Damals hieß es: »Friedrich Meschede ist ein ausgewiesener, erfahrener Kenner der internationalen modernen und aktuellen Kunst. Er ist erfahren in der Führung von qualifizierten Teams, verfügt über ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten.«

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