Sa., 19.05.2018

Nach Vorfall in Schloß Holte-Stukenbrock: Arbeitgeber schockiert – Anwalt zweifelt an Kapitaldelikt-These Gift-Brote: 56-Jähriger schweigt

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Matthias Band und Bernd Bexte

Schloß Holte-Stukenbrock/Bielefeld (WB). Im Fall der mit Gift versetzten Pausenbrote ist ein Motiv für die vermutete Tat weiterhin unklar. Der 56-jährige Verdächtige aus Bielefeld-Senne, der in Untersuchungshaft sitzt, schweigt zu den Vorwürfen.

»Er hat bislang keine Erklärung in der Sache gemacht«, sagte sein Anwalt Henning Jansen. Der Mitarbeiter soll eines mittelständischen metallverarbeitenden Unternehmens aus Schloß Holte-Stukenbrock Pausenbrote eines Kollegen mit einer giftigen Chemikalie versetzt haben.

Das 26-jährige Opfer hatte Anfang Mai die gefährliche Substanz auf seinem Pausenbrot entdeckt. Der Mann informierte Betriebsrat und Firmenleitung und erstattete Anzeige. Nach Angaben des kaufmännischen Leiters der Firma soll der Mitarbeiter nichts von dem Gift gegessen haben.

Erfolgreiche Kameraüberwachung

Die Polizei schaltete das Landeskriminalamt (LKA) ein. Nach der Untersuchung des Pausen­brotes durch LKA-Spezialisten erhärtete sich der Verdacht, dass es sich bei der Substanz um eine giftige Chemikalie handelt.

Die Polizei installierte eine Kamera in dem Raum, in dem der Mitarbeiter seine Brote aufbewahrte. Als der 56-jährige Familienvater am Mittwoch offenbar erneut etwas auf dem Brot aufgebracht und die Polizei die Bilder ausgewertet hatte, wurde er noch am selben Tag in der Firma verhaftet.

Bei seiner Festnahme trug der Mann eine kleine Flasche mit einer pulverigen Substanz bei sich. In seiner Wohnung in Bielefeld-Senne fanden Polizisten weitere Hinweise auf chemische Substanzen. Um was für Chemikalien es sich handelt, ist noch unklar.

Erste Ergebnisse der Untersuchungen in der kommenden Woche

»Wir haben danach unsere Mitarbeiter informiert, sofern das möglich war«, sagte der kaufmännische Leiter des Unternehmens am Freitag. Es sei alles dafür getan worden, mög­liche Gefahrenquellen für die Mitarbeiter auszuschließen.

Ob es Streit zwischen den beiden Kollegen gab – beide haben nach Polizeiangaben die deutsche Staatsbürgerschaft – ist noch ungeklärt. »Wir können das Ganze nicht nachvollziehen. Alle im Unternehmen sind tief betroffen und geschockt«, sagte der kaufmännische Leiter. Laut Staatsanwaltschaft waren Opfer und Tatverdächtiger bereits seit längerer Zeit Kollegen.

Auch woher der Mann die giftigen Chemikalien haben könnte, ist noch unklar. Dass sie aus dem Betrieb stammen, schloss der kaufmännische Leiter aus. Am Freitag wurden weitere Kollegen des Verdächtigen von der Mordkommission vernommen. Die Polizei sicherte auch weitere Spuren in der Firma.

Ob die Giftmenge auf dem Pausenbrot wirklich ausgereicht hätte, um den Kollegen zu töten, müsse noch geklärt werden, sagte Polizeisprecher Achim Ridder. Erste Ergebnisse der Untersuchungen des LKA sollen in der kommenden Woche vorliegen.

Erinnerungen an Fanta-Mord

Der Anwalt des Tatverdächtigen mahnt bei den Vorwürfen zur Vorsicht. »Wir müssen erst einmal schauen, wie dieser Fall qualitativ und quantitativ einzuordnen ist«, erklärte Henning Jansen. So lange nicht klar sei, wie gefährlich die Substanz gewesen sei, »wäre ich vorsichtig, hier von einem Kapitaldelikt zu sprechen«.

Ein abschließendes Gutachten über die Chemikalie liege schließlich noch nicht vor. Der tatverdächtige Familienvater – er ist nicht vorbestraft – sitzt seit Donnerstag wegen versuchten Mordes in der JVA-Bielefeld-Brackwede in Untersuchungshaft. Die Polizei hat eine zwölfköpfige Mordkommission eingerichtet.

Der Fall weckt Erinnerungen an den sogenannten Fanta-Mord, der bis heute ungeklärt ist: Johann Isaak (44) starb am 19. Dezember 2006. Der Mitarbeiter der BASF in Minden hatte im Pausenraum des Chemie-Unternehmens aus einer Fanta-Flasche getrunken, deren Inhalt mit Zyanid versetzt war. Die Mordkommission fand noch eine weitere Flasche mit Gift im Kühlschrank.

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