Do., 24.05.2018

Gespräche zwischen Stadt und LWL laufen – Umzugs-Vorbereitung dauern ein Jahr Kunsthalle soll Depot räumen

400 Gemälde und Skulpturen lagern im Magazin im Untergeschoss der Kunsthalle.

400 Gemälde und Skulpturen lagern im Magazin im Untergeschoss der Kunsthalle. Foto: Bernhard Pierel/Archiv

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Oberbürgermeister Pit Clausen spricht in seiner Beschlussvorlage für die politischen Gremien (das WESTFALEN-BLATT berichtete) davon, ab September das Magazin der Kunsthalle im Untergeschoss räumen zu lassen. Die 400 Gemälde und Skulpturen sollen in einem Depot des Landschaftsverbandes (LWL) in Münster untergebracht werden.

LWL-Sprecher Thorsten Fechtner bestätigt, dass schon seit längerem Gespräche zwischen der LWL-Tochtergesellschaft WLV (Westfälisch-Lippische Vermögensgesellschaft GmbH) und der Stadt Bielefeld über die Anmietung von Depot-Flächen für die Werke aus der Kunsthalle laufen würden.

Die WLV baue derzeit ein hochmodernes Zentralmagazin mit einer Gesamtfläche von 10.300 Quadratmetern Lagerfläche mit dezentraler Klimaregulierung. Fertigstellung des 14-Millionen-Projektes in Münster solle im September/Oktober 2018 sein. Fechtner erklärt, dass ein Großteil der Depotfläche für Museumsbestände des LWL selbst bestimmt sei. Andere Interessenten hätten aber als Mieter ebenfalls Gelegenheit und ausreichend Platz, »Kunstobjekte angemessen und fachgerecht zu magazinieren«. Es sei noch kein Mietvertrag unterzeichnet worden, weil das Haus noch nicht fertiggestellt sei. Deshalb lasse sich über die Kosten der Einlagerung auch noch nichts sagen.

Überflutungsmodell für die Stadt

Anlass für die Eile, die der OB jetzt mit dem September-Termin einfordert, ist das sogenannte Überflutungsmodell für die Stadt, das der Umweltbetrieb vor rund vier Jahren im Zuge der Planungen für den Kanalbau der Lutter in Auftrag gegeben hat. Laut dieses Modells bestehe die Gefahr, dass in das Kunsthallen-Untergeschoss bei einem Starkregen, wie er rein statistisch alle 30 Jahre einmal vorkomme, Wasser eindringt.

Nach Überzeugung von Planungsdezernent Gregor Moss habe das Museum bislang Glück gehabt: Als bei einem Starkregen im Sommer 2013 der Nebelswall unter Wasser gestanden habe, sei das zum Gymnasium am Waldhof abgeflossen, habe dort das Untergeschoss geflutet. Dringe Wasser ins Kunsthallen-Depot, würde die Luft so feucht, dass sie die Gemälde dort schädige. Es sei nicht sicher, ob beim Bau des Museums in den 1960er Jahren in die Bodeneinläufe im Keller auch Rückstauklappen installiert worden seien: »Ein Unsicherheitsfaktor.« Moss’ Rat an die Kunsthalle: das Depot so schnell wie möglich zu räumen.

Clausen befürwortet die Unterbringung im LWL-Depot. Die Kosten für eine sachgerechte Lagerung, so der OB, würden aus dem städtischen Haushalt gezahlt. Dagegen plädiert Moss dafür, in Bielefeld ein Magazin neu zu bauen – mit der notwendigen klima- und sicherheitstechnischen Ausstattung nach neuestem Stand. Denn das Kunsthallen-Magazin sei inzwischen auch räumlich an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit gelangt. Moss hält einen Neubau für die beste Lösung, die zudem die Transportwege kurz halte.

»Depot-Neubau als OWL-Lösung«,

Pit Clausen dagegen favorisiert mittelfristig einen »Depot-Neubau als OWL-Lösung«, also mit der Möglichkeit für Museen in der Region, dort ihre Kunstobjekte einzulagern. Er erhoffe sich dafür Regiopole-Mittel. Das Projekt diene schließlich dazu, die gemeindeübergreifende Kooperation zu intensivieren. Ein solches Magazin müsse nicht zwingend in Bielefeld liegen.

Für die Kunsthalle kommt das Anliegen, das Magazin in wenigen Monaten zu räumen, überraschend. Der Zeitraum sei zu kurz, die Vorbereitungen würden mindestens ein Jahr dauern. Die Gemälde und Skulpturen müssten in Spezialkisten verpackt – wertvolle Gemälde sogar in klimatisierten Kisten – von einem Spezialunternehmen transportiert werden.

Während einer Gesamtsanierung des Kunsthallen-Gebäudes, geplant ab 2022, müssen die Objekte ohnehin ausgelagertwerden.

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