Eduard Dörrenberg zieht nach vier Jahren in Singapur für die Dr.-Wolff-Gruppe Bilanz
Dörrenberg: »Wir müssen raus aus der Komfortzone«

Singapur/Bielefeld (WB). Nach vier Jahren mit der Familie in Singapur kehrt Eduard Dörrenberg (49) Anfang Juli nach Bielefeld zurück. Der Enkel des Firmengründers Dr. Kurt Wolff baute vor Ort das Asiengeschäft der Unternehmensmarken Alpecin, Alcina, Linola, Plantur, Biorepair, Vagisan und Karex in starkem Maße aus. Mit ihm sprach Bernhard Hertlein.

Samstag, 26.05.2018, 10:05 Uhr aktualisiert: 26.05.2018, 12:26 Uhr
Eduard Dörrenberg, Enkel des Bielefelder Firmengründers, mit Produkten der Dr.-Wolff-Gruppe. Foto: Oliver Schwabe
Eduard Dörrenberg, Enkel des Bielefelder Firmengründers, mit Produkten der Dr.-Wolff-Gruppe. Foto: Oliver Schwabe

Nach vier Jahren zurück aus Singapur. Handelt es sich um eine geplante Rückkehr?

Eduard Dörrenberg: Ja – wenn auch um eine verspätete Rückkehr. Eigentlich wollten wir schon vor zwei Jahren zurückkehren.

Hat sich das Engagement gelohnt?

Dörrenberg: Auf jeden Fall. Allein schon ökonomisch: Wir haben uns in den vergangenen vier Jahren etabliert. Ein Unternehmen und eine Marke werden in Asien ganz anders wahrgenommen, wenn sie vom Unternehmer selbst hier vertreten werden. Ein weiterer Vorteil: Ich nehme von den vier Jahren hier in Singapur – wie erwähnt zwei mehr als ursprünglich geplant – auch mit, wie stark uns die Digitalisierung weiter verändern wird.

Sie hatten sich innerhalb Asiens für Singapur entschieden. Was sind ihre nachhaltigsten Eindrücke?

Dörrenberg: Dass der Staat Singapur wie ein Unternehmen geführt wird. Es gibt langfristige und mittelfristige Ziele und Pläne und sie werden umgesetzt. Es gibt sehr klare Regeln, an die sich alle strikt zu halten haben – auch die Ausländer, überhaupt alle ethnischen Gruppen und Angehörige der unterschiedlichsten Religionsgemeinschaften. Das Leben in Singapur ist sehr sicher – viel sicherer als in Deutschland. Die Politiker sind die wohl bestbezahlten der Welt, mit erstklassiger Ausbildung und der Aufgabe, die Zukunft des Stadtstaates langfristig erfolgreich zu gestalten. Singapur verfügt über keine eigenen Rohstoffe. Deshalb fließen alle Investitionen und Überlegungen in die Bildung, in verbesserte Dienstleistungen und in den Ausbau des Handels.

Wie war das für Ihre Familie?

Dörrenberg: Ein großes unbekanntes Abenteuer mit vielen Herausforderungen. Bielefeld und Singapur haben nicht viel gemeinsam. Da gibt es im Alltag viele Dinge, nicht nur die Sprache, die man erst lernen muss. Wir haben etwa zwei Jahre gebraucht, um uns voll und ganz in der Weltstadt zurechtzufinden und einen Freundeskreis aufzubauen. Danach haben wir uns nicht nur als Gäste, sondern auch als Einwohner Singapurs gefühlt. Es wurde unser neues Zuhause.

Abendstimmung mit Victoria Theatre und Concert Hall vor der Skyline des Finanzviertels von Singapur.

Abendstimmung mit Victoria Theatre und Concert Hall vor der Skyline des Finanzviertels von Singapur. Foto: dpa

Vermutlich ist die Zahl der deutschen oder europä­ischen Unternehmer, die selbst nach Asien gehen, um von dort aus ihre Geschäfte anzukurbeln, immer noch nicht sehr groß.

Dörrenberg: Das ist richtig. Ich kann das aber jedem nur empfehlen. Wir müssen alle wieder neugieriger werden. Ein paar Monate reichen aber eher nicht. Ein paar Jahre, gemeinsam mit der Familie, sind sicher für jeden ein Gewinn.

Was ist wichtig, um in Asien Business zu machen?

Dörrenberg: Jedes Land hat eigene Strukturen, eine eigene Kultur, andere Gesetze und Regularien. Jedes Land steht auch auf einer anderen Entwicklungsstufe. Das muss man wissen und sich hineinfinden. Das braucht Zeit, zumal die Entfernungen groß sind. Und obwohl sich die Märkte in einem Tempo entwickeln, das man sich in Deutschland kaum vorstellen kann, suchen Menschen in Asien Partner, die nicht nur auf das kurze Geschäft aus sind. Deutsche Produkte, deutsche Tugenden und die Ingenieurskunst haben – trotz des Desasters mit dem neuen Berliner Hauptstadtflughafen – weiter noch einen ausgezeichneten Ruf.

Welche Märkte empfehlen Sie in Asien besonders?

Dörrenberg: China und Korea. In China ist E-Commerce viel weiter verbreitet als in Deutschland. Barzahlung gibt es fast nicht mehr. Korea ist unheimlich innovativ und die Menschen arbeiten sehr hart. Samsung, LG, Hyundai und Kia sind mittlerweile Weltunternehmen. Das kommt nicht von ungefähr. Die Computerisierung der Schulen ist in Asien, vor allem in Korea und in Singapur, in einer Weise fortgeschritten, wie man sich das in Europa nicht vorstellen kann. Korea ist auch der weltweit führende Kosmetikmarkt. Die durchschnittliche Koreanerin nutzt täglich bis zu 20 unterschiedliche Kosmetikprodukte. Sie ist dabei sehr experimentierfreudig, testet auch gern neue Produkte. Die Dr.-Wolff-Gruppe wird noch 2018 in Korea ein Büro eröffnen. Wir wollen dort nicht nur an der großen Nachfrage teilhaben, sondern damit auch frühzeitig die neuesten Trends mitbekommen.

Macht es in Asien einen Unterschied, ob ein Unternehmen einen Manager schickt oder der Unternehmer selbst mit Familie umzieht?

Dörrenberg: Ja, ganz klar. Dies demonstriert ein ganz anderes Engagement und belegt die Wertschätzung der Region und ihrer Entwicklung. Persönliche Beziehungen spielen immer noch eine sehr große Rolle in Asien.

Nichts wie hin?

Dörrenberg: Auf jeden Fall und wenn nur zum Ansehen für einige Wochen. Die meisten glauben ja immer noch, das sei Dritte Welt dort. Doch die Welt verändert sich sehr stark. Wer immer nur in Deutschland bleibt, nimmt das zu wenig wahr. Wir müssen raus aus unserer Komfortzone, wieder hungriger werden und neugierig sein. Vieles hier läuft in die falsche Richtung oder viel zu langsam. Ich meine vor allem die Bildung unserer Kinder, die schleppende Digitalisierung und die Integration. Wir sind in zu vielen Bereichen auf dem Stand von vor 20 oder gar 30 Jahren stehen geblieben. Es gibt zu viele Barrieren bei der Integration, nicht nur die Sprache. Die Guten gehen woanders hin. Dabei haben auch wir keine Rohstoffe, auf die wir uns zurückziehen könnten. Es ist fünf vor zwölf. Wir müssen endlich handeln, nicht reden. Eigentlich eine deutsche Tugend.

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