Do., 31.05.2018

FDP-Antrag zur Kunsthalle im Rat – »Oberbürgermeister inszeniert sich als Aufräumer« FDP: »Desinteresse an den Inhalten«

Die FDP wirft OB Pit Clausen vor, das Gebäude der Kunsthalle jahrelang vernachlässigt zu haben.

Die FDP wirft OB Pit Clausen vor, das Gebäude der Kunsthalle jahrelang vernachlässigt zu haben. Foto: Thomas F. Starke

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Vernachlässigung des Gebäudes Kunsthalle und jahrelanges Desinteresse an deren Inhalten – das wirft die FDP Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) vor.

Mit einem Antrag für die nächste Ratssitzung am 7. Juni wollen die Liberalen eine Interimslösung nach einer von SPD, CDU und Grünen vorgesehenen Nichtverlängerung des Vertrages von Kunsthallen-Direktor Dr. Friedrich Meschede verhindern. Zum anderen schlagen sie vor, die Sanierung der Kunsthalle voraussichtlich ab 2022 für eine Erweiterung zu nutzen.

FDP-Parteichef Jan Maik Schlifter kritisiert, OB Clausen würde sich »als Aufräumer inszenieren«, Kulturdezernent Dr. Udo Witthaus sei in der Diskussion um Kunsthalle und deren Chef »komplett unsichtbar« geblieben. Schlifter nennt das eine »Selbst-Verzwergung der Kulturpolitik«.

»Einvernehmlicher Übergang« als Ziel

Jasmin Wahl-Schwentker, Gruppensprecherin der Liberalen im Rat, betont, Ziel der FDP sei ein »einvernehmlicher Übergang«. Es sei zu klären, »wie Kompetenz und Ausstellungserfahrung der aktuellen Leitung der Kunsthalle nutzbar bleiben.« Der Umgang mit Meschede sei »unwürdig« und stehe im Gegensatz zu moderner Personalführung. Zudem seien politische Gremien nicht eingebunden worden. Die FDP lehne eine Interimslösung für die Geschäftsführung ab, die nur für die Sanierung des innen und außen denkmalgeschützten Gebäudes zuständig sei, nicht aber für einen Ausstellungsbetrieb nach Wiedereröffnung.

Zudem müsse es, so Wahl-Schwentker, auch während der vorgesehenen 18-monatigen Schließungsphase Ausstellungen an anderer Stelle geben, um die Kunsthalle nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. »Es muss eine Perspektive geben, die über den Schließungszeitraum hinaus reicht.« Zudem benötige die Kunsthalle eine im Vergleich zu heute bessere finanzielle Ausstattung. Die Jahresmiete an die Stadt um 200.000 Euro auf 825.000 Euro zu mindern, sei »fachlich nicht unterlegt, sondern eine beliebig gegriffene Zahl«.

Kunsthalle müsse wettbewerbsfähiger werden

Jasmin Wahl-Schwentker sagt, dass es bereits 2008 ein Gutachten zum Kunsthallen-Gebäude gegeben habe, in dem der Sanierungsbedarf mit Kosten in Höhe von acht Millionen Euro beziffert worden sei: »Seitdem ist der Sanierungsstau weiter gewachsen. Ihn zu beseitigen, wird immer mühsamer.« Die Liberalen schlagen vor, die Zeit der Sanierung (Kosten: geschätzte zehn Millionen Euro) dazu zu nutzen, die Kunsthalle auch räumlich und funktional zu erweitern. Schlifter stellt sich eine »unterirdische Lösung, etwa im Bereich des heutigen Parkplatzes« vor. Er sagt, die Kunsthalle müsse wettbewerbsfähiger werden, Platz für oft raumgreifende Installationen bieten.

Schlifter: »Ich wünsche mir nicht, dass die Kunsthalle noch in 50 Jahren als ihr eigenes Museum weiter betrieben wird.« Nach Überzeugung der FDP ist die Kunsthalle ein Ausdruck des Selbstverständnisses Bielefelds als moderne Großstadt, sollen Anschluss halten an die zeitgenössische Kunstszene. Umso enttäuschter sei er, so Schlifter, dass die Rathausspitze den Vorschlag Frie­drich Meschedes abgelehnt habe, zumindest für die Ausstellung zum Jubiläum »50« (ab 29. September) freien Eintritt zu ermöglichen.

Die Ratssitzung beginnt am 7. Juni um 17 Uhr im Ratssaal (Neues Rathaus).

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