Oberbürgermeister stellt sich den Fragen des Förderkreises der Kunsthalle
Clausen: Friedrich Meschede ist zu alt

Donnerstag, 07.06.2018, 14:00 Uhr
250 Interessierte verfolgen die Podiumsdiskussion mit Andreas Wannenmacher (von links), Pit Clausen, Günter Küppers, Johannes Grave und Solveig Münstermann. Foto: Mike-Dennis Müller
250 Interessierte verfolgen die Podiumsdiskussion mit Andreas Wannenmacher (von links), Pit Clausen, Günter Küppers, Johannes Grave und Solveig Münstermann. Foto: Mike-Dennis Müller

Diese Ansicht ließ Mittwochabend Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) verlauten, der einen Tag vor dem Donnertsag zu erwartenden Ratsbeschluss einer Einladung des Förderkreises der Kunsthalle gefolgt war, um offene Fragen zu beantworten.

Wie mehrfach berichtet, soll der Vertrag des Kunsthallendirektors Meschede über das Jahr 2019 hinaus nicht verlängert werden. In einer informellen Vorabstimmung der großen politischen Parteien von CDU, SPD und Grünen, so Clausen, sei man zu dem Entschluss gekommen, dass Friedrich Meschede mit dann 64 Jahren zu alt sei, um Zukunftsaufgaben wie den zehn Millionen teuren Umbau und die Neugestaltung der Kunsthalle zu meistern.

»Nur deshalb und aus keinem anderen Grund«, so Clausen, hätte ein breites politisches Lager beschlossen, den Vertrag nicht zu verlängern. Gesucht werde jemand, der »eine weitere Perspektive anbieten« könne »als Friedrich Meschede es seinem Alter nach leisten« könne, so der OB, der dafür aus dem Auditorium mit Buh-Rufen bedacht wurde.

Keine jungen Bewerber?

Dr. August Oetker als Vertreter der Stifterfamilie merkte dazu an, dass gerade das Wissen und die Erfahrung des derzeitigen Direktors in der Umbauphase von Bedeutung seien. Die Kunsthistorikerin Inge Dörries-Höher nannte die Entscheidung »skandalös«. Meschede sei durch seine ortsbezogenen Ausstellungen geradezu prädestiniert, die Architekten beim Umbau zu begleiten.

Der Kunsthistoriker Johannes Grave, der als Nachfolger des Fördervereinsvorsitzenden Günter Küppers gehandelt wird, nannte drei Gründe, weshalb sich potenzielle Kollegen nicht in Bielefeld um die Leitung der Kunsthalle reißen würden: Neben dem schmalen Budget für Ausstellungen führte Grave an, dass eine Ausstellungstätigkeit während der 18-monatigen Umbauphase nicht möglich sei. Junge Kollegen würden sich deshalb erst gar nicht bewerben. Zudem hätte sich in der Szene herumgesprochen, wie mit »sperrigen Kollegen« in Bielefeld verfahren werde.

Pit Clausen geht jedoch davon aus, dass sich eine Nachfolgeregelung durch die üblichen Verfahren wie eine öffentliche Ausschreibung oder einen Headhunter finden lasse. Gerüchte, wonach ein junger Kunsthistoriker aus der Region übergangsweise die Leitung des Hauses übernehmen solle, wies Pit Clausen entschieden zurück: »Das ist Unfug, Blödsinn und Quatsch.«

Mehr als 900 Unterschriften für den Verbleib Meschedes

Clausen stellte in Aussicht, ab 2023 die Zuschuss- und Förderregularien der Kunsthalle neu zu verhandeln. Bislang trägt die Stadt als Teilgesellschafter die Kosten für die Unterhaltung der Kunsthalle während die beiden weiteren Gesellschafter, die Sparkasse Bielefeld und die Kulturstiftung Pro Bielefeld, den Bereich der Ausstellungen finanzieren. Es sei denkbar, dass auch die Stadt nach Abschluss der Sanierung den Ausstellungsbereich finanziell mit trage, so Clausen.

Günter Küppers, der eine Liste mit mehr als 900 Unterschriften für den Verbleib Friedrich Meschedes über das Jahr 2019 hinaus an den OB überreichte, regte zudem an, den Förderkreis der Kunsthalle künftig als Gremium mit in den Gesellschaftervertrag aufzunehmen. Küppers: »Wir fanden es unzumutbar, dass wir über die Personalentscheidung nicht informiert wurden. Das wollen wir in Zukunft nicht mehr hinnehmen. Der Förderkreis unterstützt die Kunsthalle jährlich mit 100.000 Euro. Wir zahlen wie die anderen Gesellschafter. Wir sollten auf dieses bürgerliche Engagement nicht verzichten.«

Eine Debatte entbrannte unter anderem um die künftige künstlerische Ausrichtung der Kunsthalle. Die Frage, ob man Kunst für Millionen oder für Millionäre machen wolle, so Clausen, sei von ihm bewusst als Provokation angestoßen worden, um einen offenen Diskurs anzuregen. Florian Böllhof meinte dazu: »Kunst lässt sich nicht demokratisieren. Und ich bin skeptisch, dass bei den Politikern auch nur ein Schimmer von Sachverstand vorhanden ist.«

Kommentare

Smith  schrieb: 07.06.2018 18:42
Zu alt?
Zu alt? Diskriminierung AGG?
Der Bürgermeister zu alt, 58?! Wie vereinbart sich das und sollten alle Bielefelder sich ab 60 absetzen? Verliert man von heute auf morgen die Achtung und den Respekt, weil die Uhr geschlagen
hat? Ist die Gerechtigkeit verloren in Bielefeld.
Sind nicht alle in dem Alter mit dieser Aussage beleidigt worden?
Muss auch Herr Oetker sich angesprochen fühlen?
Sollten doch alle in dem Alter sich Ende 2019 aus Bielefeld verabschieden.
Ich glaube dem Herr Claussen nicht.

1 Kommentare
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