Zahl der Azubis in OWL in zehn Jahren um zwei Drittel gesunken
Kaum noch Bäcker und Fleischer

Bielefeld/Paderborn (WB). Auch wenn man alle drei Lehrjahre zusammenzählt: Es sind nach Angaben der Handwerkskammer in Bielefeld nur noch 42 Jugendliche, die sich aktuell in Ostwestfalen-Lippe zum Fleischer ausbilden lassen. Das ist fast nur noch ein Drittel der 123, die vor zehn Jahren gezählt wurden.

Samstag, 30.06.2018, 08:10 Uhr aktualisiert: 30.06.2018, 08:12 Uhr
Vor zehn Jahren zählten die Backbetriebe in Ostwestfalen-Lippe 387 Auszubildende. Im vergangenen Jahr waren es – alle drei Ausbildungsjahr zusammengenommen – nur noch 146. Dabei ist der Fachkräftemangel absehbar. Foto: dpa
Vor zehn Jahren zählten die Backbetriebe in Ostwestfalen-Lippe 387 Auszubildende. Im vergangenen Jahr waren es – alle drei Ausbildungsjahr zusammengenommen – nur noch 146. Dabei ist der Fachkräftemangel absehbar. Foto: dpa

Nicht besser ist die Situation im Bäckerhandwerk. Hier ging die Zahl der Auszubildenden in OWL ebenfalls um gut 62 Prozent zurück – von 387 im Jahr 2007 auf nur noch 146 im Jahr 2017. Nur bei den Konditoren fiel der Rückgang mit elf Prozent von 119 auf 94 nicht ganz so dramatisch aus.

Bekanntermaßen hat das Handwerk insgesamt Probleme, qualifizierte Jugendliche für eine Ausbildung zu interessieren. Gab es 2007 noch 13.010 Lehrlinge, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 10.100.

Bei den Bäckern und Fleischern geht der Rückgang bei den Ausbildungszahlen allerdings einher mit einem Rückgang der Betriebe. In ganz Ostwestfalen-Lippe gibt es heute noch 271 selbstständige Bäckereien und 273 unabhängige Fleischereien. 2007 waren es 379 Bäckereien und sogar 411 Fleischereibetriebe.

Kaum Neugründungen

Für Karsten Lamm, der seine Bäckerei in Bielefeld in dritter Generation noch weiter handwerklich und ohne zugekaufte Teiglinge arbeitet, sieht einen Zusammenhang zwischen den rückläufigen Ausbildungs- und Betriebszahlen: »Der Fachkräftemangel ist unser größtes Problem und der Grund, warum viele Bäcker im Alter keinen Nachfolger finden.«

Neugründungen gebe es kaum, auch wegen der hohen Kosten für neue Maschinen. Dabei sei die wirtschaftliche Situation »gar nicht so schlecht«. Dennoch rechnet er mit einer Fortsetzung der Konzentrationswelle. Das gilt nach Angaben der Mestemacher-Geschäftsführerin und Verbandsvorsitzenden Ulrike Detmers auch auf der Ebene der Großbäckereien. Hier drängten zudem vermehrt ausländische Konkurrenten in den deutschen Markt.

Arbeitszeit ist ein Problem

Andreas Hermisch, Lehrlingswart im Paderborner Bäckerhandwerk, sieht in der Arbeitszeit – Beginn ist meist zwischen 2 und 4 Uhr – das größte Problem. Zudem gebe es zuwenig Unterstützung in den Schulen: »Ich habe erlebt, wie Lehrer Jugendlichen von unserem Beruf abgeraten haben.«

Als weiteres Argument wird nicht nur von Gewerkschaften angeführt, dass der Lehrlingslohn zu niedrig sei. Das aber bestreitet Andreas Ahlers, ebenfalls Lehrlingswart in Paderborn und für das Fleischerhandwerk zuständig: »Friseure zahlen weniger und haben dennoch kein Problem.«

Er sieht den Grund auch in einer veränderten Mentalität: »Jugendliche äußern heute oft höchste Ansprüche, aber kaum einer will sich noch anstrengen und schwitzen.« Dabei habe sich das Berufsbild grundlegend geändert. Heute sei das Catering ganz wichtig. Umgekehrt schlachte kaum eine Fleischerei noch selbst.

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