Mi., 18.07.2018

33-Jährige lebensgefährlich verletzt – Mordkommission ermittelt Mieter sitzt nach Brand in U-Haft

Bis zu 35 Feuerwehrleute sind beim Wohnungsbrand im Acht-Parteien-Haus an der Bleichstraße 151 im Einsatz.

Bis zu 35 Feuerwehrleute sind beim Wohnungsbrand im Acht-Parteien-Haus an der Bleichstraße 151 im Einsatz. Foto: Kerstin Panhorst

Von Jens Heinze und Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). Bei einem Feuer in einer Erdgeschosswohnung des Hauses Bleichstraße 151 hat eine Frau (33) lebensgefährliche Brandverletzungen erlitten. Eine Mordkommission der Kripo geht jetzt einem Verdacht nach: Hat der Mieter (27) beim Streit mit der 33-Jährigen seine Wohnung bewusst angezündet und versucht, die Frau vorher mit siedendem Fett zu verbrennen? Der Mann wird festgenommen.

Am Montagabend spielen sich an der Bleichstraße 151 im alten Arbeiterviertel 5. Kanton dramatische Szenen ab, berichten Augenzeugen. Anwohner hören gegen 21 Uhr Schreie aus dem Mehrfamilienhaus. Nachbarn sehen Rauch aus einer Erdgeschosswohnung des vierstöckigen Gebäudes aufsteigen und alarmieren die Feuerwehr. Noch vor deren Eintreffen soll der Mieter die lebensgefährlich Verletzte durch das Küchenfenster der brennenden Wohnung in Richtung Hinterhof gehievt und an Ersthelfer übergeben haben.

Während sich die übrigen Bewohner des Acht-Parteien-Hauses der Wohnungsbaugenossenschaft Freie Scholle ins Freie retten, kümmert sich eine Nachbarin um das laut Zeugenangaben unbekleidete Brandopfer. Dabei soll die lebensgefährlich Verletzte mit letzter Kraft gesagt haben, dass ihr 27-jähriger Freund sie mit kochend heißem Öl übergossen haben soll.

Ob der Verdächtige diesen Mordversuch unternimmt und zur Vertuschung der Öl-Attacke Brandbeschleuniger einsetzt und seine Wohnung anzündet, dazu macht ermittelnder Staatsanwalt Christopher York aus taktischen Gründen keine Angaben. Das Brandopfer können die Ermittler nicht befragen. Die Frau ist nicht vernehmungsfähig. »Es ist möglich, dass sie noch stirbt«, sagt Polizeisprecherin Hella Christoph. Die 33-Jährige wird nach dem Feuer per Rettungshubschrauber in eine Hannoveraner Spezialklinik geflogen.

Kenianer wurde als Jugendlicher erstmals verurteilt

Der unmittelbar nach dem Brand festgenommene 27-Jährige kommt wegen des Verdachts auf eine Rauchgasvergiftung zunächst in ein hiesiges Krankenhaus und wird später von der Kripo verhört. Anschließend wird er in das Justizkrankenhaus Fröndenberg verlegt. »Die Ermittlungen dauern an. Im Moment machen wir keine Angaben, bis irgendetwas klar ist«, sagt Staatsanwalt York. »Die Mordkommission arbeitet unter Hochdruck«, heißt es von der Polizei. Dienstagabend geben Polizei und Staatsanwaltschaft dann bekannt, dass ein Haftrichter gegen den 27-Jährigen Untersuchungshaft wegen versuchten Mordes angeordnet hat.

Der Tatverdächtige, ein Bielefelder kenianischer Abstammung, ist Ermittlern und Justiz seit vielen Jahren bekannt. Der Mann ist Informationen dieser Zeitung zufolge Mitglied der von Afrikanern dominierten Drogenszene am Kesselbrink und saß bereits im Gefängnis.

Der Kenianer wurde als Jugendlicher erstmals verurteilt. In seinem Vorstrafenregister gibt es inzwischen mehr als zehn Einträge vorwiegend wegen Drogen-Beschaffungskriminalität. Aktuell soll der 27-Jährige, der Angaben seiner Nachbarn zufolge öffentlich Rauschgift raucht, unter Bewährung stehen und sich trotzdem erneut bei einem Diebstahl strafbar gemacht haben. Die Ermittlungen dazu laufen noch.

Offenbar heftiger Streit soll zur Brandstiftung geführt haben

Unter den Bewohnern und Nachbarn des Hauses wird wie im ganzen Viertel viel erzählt. So soll am Sonntag eine Frau aus dem Haus Bleichstraße 151 gelaufen sein und dabei gerufen haben, dass sie gerade vergewaltigt wurde. »Davon ist uns nichts bekannt, es liegt keine Strafanzeige vor«, fasst Polizeisprecherin Christoph auf Anfrage erste Erkenntnisse zusammen.

Nachbarn berichten, dass es sich bei dem 27-Jährigen um einen mehrfachen Vater handelt, in dessen 45 Quadratmeter großer Wohnung ständig gestritten wird. »Den ganzen Tag waren die am rumschreien«, erzählt ein 40-Jähriger. Fremde Frauen seien in der Wohnung ein- und ausgegangen. Es habe Gewalt gegeben, Opfer sollen im Hinterhof gelegen haben. Es ist davon die Rede, dass Besucher des Tatverdächtigen Nachbarn bedroht und belästigt haben. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass offenbar heftiger Streit zur Brandstiftung am Montag führt. Wer die 33-Jährige ist, die dabei schwerste Verletzungen erleidet, das wissen die Nachbarn nicht. »Im Haus hat sie jedenfalls nicht gewohnt«, heißt es.

Kommentare

Es gibt noch Journalismus

Vielen Dank für den informativen Artikel. Die Unsitte brisante details wegzulassen greift leider immer um.
An eine Vorposterin: Für manche Straftaten ist der kulturelle Hintergrund leider immens wichtig.
Auch wenn Sie in ihrer Wunschwelt alle Kulturen gleichwertig betrachten, entspricht das nicht der Realität. Das Frauenbild in islamisch geprägten Kulturen ist mit dem europäischen in keinster Weise kompatibel.
Mein Mutter ist übrigens Türkin und hatte ihrerseits das Glück sehr liberaler Eltern, was ihr die Möglichkeit gab jenseits vorgeschriebener "Gesetze" zu heiraten. Soviel Freiheit hatten die meisten ihrer türkischen Freundinnen nicht.
Auch wenn Ihre wahrscheinlich rotgrüne Sicht das ausblendet, es gibt einen STRUKTURELLE Frauendiskriminierung in manchen Kulturen.

Gerade in Zeiten der AFD sollten wir dem etwas entge634/Rundfunkbeitrag-verfassungsgemaess-An-der-Wi

Was soll dieses dumme Geschwätz? Ist die AfD der Täter oder der Kenianer? Bezeichnenderweise sind die Drogendealer meist keine AfD Wähler oder Mitglieder dieser Partei. Sie wissen über die AfD überhaupt nichts.
Nur wer nicht alle Latten am Zaun hat fällt auf diese plumpe Nazi-Beschimpfungen durch die sogen "Etablierten" herein. Man kann wirklich sagen: Deutschland verblödet!i

Täter müssen genannt werden

Finde den Artikel auch korrekt. Täter müssen genannt werden, gerade bei solchen Taten. Und wenn hier immer gleich von AFD geschrien wird, hat meiner Ansicht nix kapiert. Schließlich ist das nicht berichten von Fakten das grösste Argument für die AFD, siehe Silvester in Köln. Und Meinungsmache der Medien geht ja bekanntlich in beide Richtungen, oder was meinen sie warum in den Talkshows abends immer gegen bestimmte Meinungen und Länder gesprochen wird?

Sensibler Blick bei der Berichterstattung

Es ist keine Neuigkeiten, dass Medien die Meinungsbildung der Menschen beeinflussen. Indem Medien über bestimmte Sachverhalte intensiv und wiederholt berichten, werden bestimmte Themen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.
Warum ich nun dieses zu dem Bericht vom Brand in der Bleichstrasse anführe, hat folgenden Hintergrund:
In den Medien werden immer wieder Täter mit Ihrem Migrationshintergrund beschrieben und dadurch der Migrationshintergrund als „Gefahr“ dargestellt ( obwohl es keinen Zusammenhang zwischen der Tat und dem Migrationshintergrund gibt!). Warum wird hier zum Beispiel der „Täter“ als „Bielefelder mit kenianischem Hintergrund“ bezeichnet und danach als Kenianer und nicht als Bielefelder? Der Hintergrund des Opfers wird nicht erwähnt und auch, dass die Ersthelfer alle Migrationshintergrund hatten, wird nicht erwähnt.
Wir sind auf die Information aus den Medien
angewiesen, deshalb würde ich mir wünschen, dass die Nachrichten auch die Heterogenität unserer Gesellschaft widerspiegeln in der es gute und schlechte Menschen gibt ( unabhängig von der Herkunft). Da der Migrationshintergrund bei Negativmeldungen in der Berichterstattung immer wieder angeführt wird, wäre es somit auch angebracht, dass dieser auch bei positiven Meldungen angeführt wird. Es gibt einige Beispiele bei denen man dies anführen könnte. Unter anderem auch bei dem Bericht von dem Brand an der Bleichstrasse.
Ich möchte gerne für diesen Blick bei der Berichterstattung sensibilisieren, damit sich jeder in der Tageszeitung wiederfinden kann und kein verzerrtes Bild der Realität entsteht, in der Menschen mit Migrationshintergrund als „Gefahr“ gesehen werden. Gerade in Zeiten der AFD sollten wir dem etwas entgegenbringen!

Sehr guter Artikel

Sehr gute Recherche zum Brand mit wesentlich mehr Details auch zum Tatverdächtigen als in der LZ die ich als Lippen lese u. Bis auf den lippischen lokalen Teil ja identisch mit der "NW" ist. Da wurde echt super Journalistisch gearbeitet.

5 Kommentare

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