Mi., 01.08.2018

Gemeinde Hövelhof erntet viel Kritik und verweist auf eigene Fankultur Paderborns Nachbar ist neuer Partner von Arminia Bielefeld

Arminia-Präsident Hans-Jürgen Laufer überreicht Bürgermeister Michael Berens die offizielle Partnerschafts-Plakette.

Arminia-Präsident Hans-Jürgen Laufer überreicht Bürgermeister Michael Berens die offizielle Partnerschafts-Plakette. Foto: Thomas F. Starke

Von Meike Oblau

Hövelhof/Bielefeld (WB). Tor des Monats oder doch eher ein Eigentor? Die Gemeinde Hövelhof ist eine Partnerschaft mit Fußballzweitligist DSC Arminia Bielefeld eingegangen – als erste Kommune aus dem Kreis Paderborn. Das ist nicht überall gut angekommen. Fans des Ligakonkurrenten SC Paderborn schimpften per Facebook.

Am Freitag hatte Bürgermeister Michael Berens (CDU) beim Testspiel der Arminen gegen Bremen in der Schüco-Arena die Plakette, die Hövelhof als Partnergemeinde ausweist, von DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer entgegengenommen. Auf Anfrage erzählt der Bürgermeister, wie es dazu kam: »Den Anstoß hat Sebastian Steinig vom SC Espeln gegeben.« Steinig, der 2017 einen Fernsehauftritt an der ZDF-Torwand im »Sportstudio« hatte, habe gute Kontakte zur Arminia. Michael Berens sprach von einer »formlosen und für die Gemeinde kostenlosen Kooperation«.

25 OWL-Kommunen sind Arminias Partner

Insgesamt sind nun 25 Kommunen aus OWL Partnerstädte der Arminia. Dass er mit der Partnerschaft einen veritablen Shitstorm im Internet auslösen würde, ahnte der Bürgermeister wohl nicht. »Wir wissen, dass es bei uns in Hövelhof zwei Fankulturen gibt, es gibt viele Fans von Arminia Bielefeld, aber auch viele des SC Paderborn«, sagt Michael Berens. Der SCP biete aber keine Städtepartnerschaften an: »Wenn es so wäre, würden wir auch eine Partnerschaft mit dem SCP eingehen.«

SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger bestätigte, dass sein Verein kein Partnerschaftsprojekt mit Kommunen habe: »Wir kennen aber Michael Berens auch als begeisterten Anhänger des SCP und werden auch künftig gerne mit Hövelhof zusammenarbeiten.«

Ems-Arminen sind zweitgrößter DSC-Fanklub

Michael Berens sagte, der zweitgrößte Fanklub der Bielefelder sei in Hövelhof beheimatet: die Ems-Arminen. Als ihm die Idee zur DSC-Partnergemeinde zugetragen worden sei, habe er das Gespräch mit dem Gemeindesportverband und den Hövelhofer Fußballvereinen gesucht: »Eine solche Partnerschaft muss in den Vereinen gelebt werden, und die waren sehr angetan.« Wie die Kooperation nun mit Leben gefüllt wird, wird die Zukunft zeigen. Fest steht, dass in der neuen Saison zweimal Hövelhofer Nachwuchskicker als »Einlaufkinder« mit den Profis ins Bielefelder Stadion einlaufen werden – erstmals bereits zum ersten Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Weitere Aktionen wie Autogrammstunden oder Testspiele seien denkbar.

Mächtig Gegenwind für die Partnerschaft gab es auf Facebook, wo sich Fans des SC Paderborn darüber beschwerten, dass Hövelhof den OWL-Konkurrenten unterstütze. Vorwürfe wie »Hövelhof hängt seine Fahnen in den Wind« machten die Runde, garniert mit einem Foto, das Bürgermeister Berens im Rahmen einer SCP-Imagekampagne zu Erstligazeiten in Hövelhof mit erhobenem Daumen vor einem Plakat des SC Paderborn zeigt. Hämisch hieß es zur Partnerschaft mit Arminia: »Auch im Kreis Paderborn weiß man eben, wer die Nummer eins in OWL ist«, man riet der Sennegemeinde gar, auch politisch vom Kreis Paderborn nach Bielefeld »überzulaufen«.

Berens: »Starke Bielefelder Fankultur seit den 50er-Jahren«

Michael Berens: »Damit müssen wir leben. Fußball ist emotional, das zeigt diese Diskussion.« Hövelhof sei durch die geografische Lage in einer besonderen Situation: »Das verstehen vielleicht nicht alle Paderborner Fans. Hier ist eine starke Bielefelder Fankultur seit den 50er-Jahren verwurzelt.«

Verwundert zeigten sich auch einige Hövelhofer Ratsvertreter über die Partnerschaft. Anders als zum Beispiel in Löhne (Kreis Herford), wo über eine solche Partnerschaft im Rat abgestimmt wurde, waren die Politiker in der Sennegemeinde nicht informiert. »Das ist eine Kooperation, die kein Geld kostet. Für mich ist das eine Repräsentationsaufgabe des Bürgermeisters, daher habe ich das im Rat nicht thematisiert«, sagte Berens.

Zu guter Letzt meldeten sich am Dienstag übrigens augenzwinkernd auch noch die Fans von Borussia Dortmund zu Wort: »Wir haben noch eine dritte, weitaus ältere und mitgliederreichere Fankultur in Hövelhof. 245 Senne-Borussen, die am 8. September ihr 20-jähriges Bestehen feiern«, schrieb BVB-Fanklub-Gründer Werner Pfeil. Vielleicht kommt der Bürgermeister ja zum Gratulieren. Im Trikot?

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