Mo., 03.09.2018

Ein Aktionstag zeigt, wie sich die Wilhelmstraße verändern könnte Auf 200 Metern neues Kiez-Gefühl

Lieben es bunt: (von links) Pip Cozens, Raphaela Kula und Annabelle Mayntz von »Art at Work«.

Lieben es bunt: (von links) Pip Cozens, Raphaela Kula und Annabelle Mayntz von »Art at Work«. Foto: Mike-Dennis Müller

Von Michael Schläger

Bielefeld (WB). Gut, dass wir drüber geredet haben. Das reichte dem neunköpfigen Projektteam »Verkehrsräume umverteilen« nicht. Am Samstag probierten sie ihre Ideen einfach mal aus und bescherten der Wilhelmstraße, Anwohnern und Passanten ein ganz neues Kiez-Gefühl.

»Schauen Sie mal, wie breit diese Straße tatsächlich ist«, sagt Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern, Vorsitzender von Pro Grün und Mitglied des Projektteams. Er streckt die Arme aus. »Wenn links und rechts keine Autos stehen, lässt sich der Raum viel besser erahnen.« Nein, Autos haben an diesem Samstag auf der Wilhelmstraße, der nur zweihundert Meter lange Verbindung zwischen Jahnplatz und Kesselbrink, nichts verloren. Stattdessen sind an beiden Straßenrändern Stände aufgebaut, wird die Straße wird zur Flaniermeile.

Das Friseurteam Tiede bietet seine Dienste einfach mal draußen vor der Tür an. Der Gemüsehändler hat seine Auslagen diesmal bis auf die Fahrbahn gerückt. Ein paar Meter weiter kann man sich über die neueste Fahrradtechnik oder Carsharing-Angebote informieren.

Manfred Wörmann, Leiter des städtischen Umweltamtes, ist mit Fragebögen unterwegs. Passanten sollen Auskunft darüber geben, wie oft sie die Straße nutzen und zu welchem Zweck. Und wie sie sich eine mögliche Neugestaltung der Straße vorstellen. »Man muss die Leute schon direkt ansprechen, dann äußern sie auch ihre Meinung«, sagt Wörmann, der ebenfalls zum Projektteam gehört.

Geförderte Aktion »Klimanetze«

Das Team aus Vertretern Bielefelder Vereine, Unternehmen, der Verwaltung und Politik hatte sich bei einem Workshop in der Ravensberger Spinnerei zusammengefunden. Es war die Auftaktveranstaltung der vom Bundesbildungsministerium geförderten Aktion »Klimanetze«. Ihre Idee von der Wilhelmstraße, die zu einer urbanen Lebensader entwickelt werden soll, wird auch wissenschaftlich begleitet. Studenten der RWTH Aachen werden die gesammelten Fragebögen und die bisher vorliegenden Erkenntnisse auswerten. Die Resultate sollen dann auch der Öffentlichkeit und den Politikern präsentiert werden. Am Ende des Prozesses könnte dann die Neugestaltung der kleinen, aber wichtigen Innenstadtverbindung stehen.

Für den kleinen Jonas (5) ist schon jetzt klar, was aus der Wilhelmstraße werden soll. »Ich will hier spielen«, sagt er. Kein Problem. Annabelle Mayntz von der Künstlerinitiative »Art at Work« reicht ihm ein paar Sandförmchen. Gemeinsam mit Künstlerin Raphaela Kula hat »Art at Work« an diesem Samstag die Aktion »So schön bunt hier« gestartet. Dazu gehören Kreidezeichnungen und Sandgraffiti. Und überdimensionale Klebzettel, die bald überall an den Häuserwänden zu sehen sind. Jeder kann darauf Vorschläge für die neue Wilhelmstraße schreiben. Einer will eine Tagesdisco. Tanzen in der Mittagspause. Das entspannt, meint der Schreiber.

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