Hauptkommissar ist in Bielefeld trotzdem weiter im Dienst
Polizist als Vergewaltiger

Bielefeld (WB). Ein Hauptkommissar (44) des Polizeipräsidiums Bielefeld ist wegen der Vergewaltigung einer Frau (35) schuldig gesprochen worden. Trotzdem war und ist der 44-Jährige weiterhin im Dienst und nicht suspendiert. Das stößt bei Bielefelder Polizisten auf Unverständnis.

Dienstag, 04.09.2018, 04:08 Uhr aktualisiert: 05.09.2018, 13:32 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Der Hauptkommissar wurde von einem Schöffengericht zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten Haft verurteilt. Weil der Polizist der Frau im Rahmen des sogenannten Täter-Opfer-Ausgleichs im Vorfeld des Strafprozesses eine fünfstellige Summe Schmerzensgeld zahlte und vor Gericht ein Geständnis ablegte, muss er nicht ins Gefängnis. Gericht, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklagevertreter verständigten sich vor der Urteilsverkündung auf eine Strafe von unter zwölf Monaten. Das bestätigten auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTS sowohl Verteidiger Carsten Ernst als auch Rechtsanwalt Martin Lindemann, der im Prozess das Opfer vertrat.

Eingeleitetes Disziplinarverfahren

Bei einer Strafe von mehr als einem Jahr sieht das Beamtenrecht die sofortige Entfernung des straffälligen Hauptkommissars aus dem Dienst vor. Welche Konsequenzen gegen den Polizisten jetzt gezogen werden, soll ein im Polizeipräsidium eingeleitetes Disziplinarverfahren ergeben.

Wird bekannt, dass ein Beamter straffällig geworden ist, leitet der Dienstherr routinemäßig ein Disziplinarverfahren ein. Das ruht üblicherweise bis zum Abschluss des Strafverfahrens vor Gericht. Gleichwohl hatte das Polizeipräsidium Bielefeld Beobachter zum Strafprozess geschickt. Ihre Eindrücke werden den Ausgang des Disziplinarverfahrens maßgeblich beeinflussen.

Vergewaltigung bei einem Grillabend

Der im Kreis Minden-Lübbecke wohnende Hauptkommissar hatte in den frühen Morgenstunden des 26. März vergangenen Jahres die 35-Jährige vergewaltigt. Bei der Frau handelt es sich um eine damalige Freundin der Familie des verheirateten zweifachen Vaters. Nach einem Grillabend am Wohnsitz des 44-Jährigen bot der Polizist der alkoholisierten Besucherin an, sie gegen 2.30 Uhr zu Fuß nach Hause zu begleiten. In der Wohnung der Frau nutzte der Hauptkommissar die Abwesenheit ihres verreisten Ehemannes aus. Der Anklage der Staatsanwaltschaft zufolge wollte der Hauptkommissar das sich wehrende Opfer küssen und umarmen. Der Übergriff gipfelte schließlich darin, dass der Mann die 35-Jährige gegen ihren Willen im Intimbereich befingerte.

Der Frau gelang es, den 44-Jährigen aus ihrer Wohnung zu drängen. Sie erstattete einige Tage später in Begleitung ihres Ehemanns Strafanzeige gegen den Polizisten.

Nach Bekanntwerden der Vergewaltigungsvorwürfe wurde dem Hauptkommissar die Erlaubnis zum Tragen einer Dienstwaffe entzogen. Der 44-Jährige ist derzeit im Gewahrsam (Zellentrakt) des Polizeipräsidiums tätig.

Das Polizeipräsidium bestätigte auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTS den Fortgang des Disziplinarverfahrens gegen den verurteilten Polizisten. Weitere Auskünfte gab die Behörde allerdings nicht. »Da wir uns zu Personalfragen grundsätzlich nicht äußern, nehmen wir zu weiteren Fragen auch hier nicht Stellung«, sagte Polizeisprecher Achim Ridder.

Aus Bielefelder Polizeikreisen hingegen gab es deutliche Kommentare zum Vergewaltigungsurteil gegen den Hauptkommissar. Es sei unverständlich, warum der 44-Jährige im Frühjahr 2017 nach Bekanntwerden der Vorwürfe nicht vom Dienst suspendiert worden sei. »So ein Mann ist nicht mein Kollege«, sagte ein Polizist.

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