Do., 06.09.2018

Filmemacher stellen Debüt »Phantomschmerz« in Bielefeld vor – Aufnahmen auch in der JVA Brackwede Einfach schöne Drehorte

Foto: Kerstin Panhorst

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). 53 Drehtage, 2674 Takes, 60 Stunden Material, 25 Drehorte und zwei zerstörte Kameras stehen auf der Bilanz von »Phantomschmerz«. Der Spielfilm feierte nun seine Bielefeld-Premiere im ausverkauften Lichtwerk. Gedreht wurde auch in Bielefeld.

Neben Regisseur Olenberg und Hauptdarsteller Littau, die gemeinsam auch das Drehbuch schrieben, kamen zahlreiche Crewmitglieder und viele am Film als Komparsen, Geldgeber oder Unterstützer Beteiligte, um das fertige Werk auf der großen Leinwand zu sehen.

Drei Jahre lang haben die beiden Filmemacher mit ihrer eigenen Produktionsfirma Camcore an der Umsetzung gearbeitet, da sie keine Filmförderung beantragen konnten, wurde der Film mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Für gerade einmal 50.000 Euro ist das Spielfilmdebüt der bisherigen Kurzfilm-Spezialisten entstanden.

Hervorragende Filmmusik

»Das ging nur weil alle ohne Gage gearbeitet haben und weil wir viele Kompromisse eingegangen sind, wir hätten gerne mehr Technik und mehr Helfer gehabt«, erzählt Andreas Olenberg.

Dem fertigen Film sieht man auf der technischen Ebene die Sparmaßnahmen nicht an, ganz im Gegenteil. Ein besonderes Auge für Bildkomposition und Licht ist deutlich sichtbar und erzeugt gemeinsam mit der hervorragenden Filmmusik eine stimmige Atmosphäre für die Geschichte, die zwischen Drama und Thriller schwankt. Einzig in der Besetzung machen sich die Kompromisse bemerkbar, ist doch der Unterschied zwischen professionellen Schauspielern und versierten Laien teilweise eklatant.

Im Film sucht Taxifahrer Finn (Daniel Littau) den Schuldigen für den Tod seines kleinen Bruders, der vor zwei Jahren bei einer Operation starb. Als er den damaligen behandelnden Arzt (Sven Martinek, bekannt aus »Der Clown« und »Morden im Norden«) wiedertrifft, kommt ihm ein Verdacht: Der tödliche Ausgang des Eingriffs war Absicht, um seinen Bruder als Organspender nutzen zu können. Finn greift darauf hin zur Selbstjustiz und stellt in einem emotionalen und kammerspielartigen Finale den Mediziner zur Rede.

Dreharbeiten im ehemaligen Verse-Gebäude

Bis es soweit kommt, breitet sich aber zunächst der titelgebende »Phantomschmerz« in den meisten Figuren aus. Finn und seine Eltern vermissen den kleinen Bruder, der wie eine amputierte Gliedmaße aus ihrem Familienleben gerissen wurde und sie dysfunktional zurücklässt. Chefarzt Ben füllt die Lücken in seinem Leben mit Alkohol. Trotz des menschlichen Dramas bleibt im Film aber auch Platz für die leichten, humorvollen Elemente, die mit zunehmender Zuspitzung der Ereignisse weniger werden. Nach einem blutigen Ende bleibt offen, was wirklich vor zwei Jahren geschah.

Der Film wurde unter anderem in der Rahdener Marktschänke, im Krankenhaus Lübbecke, in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede und den Räumen der Firma Fast 52 im Gebäude des früheren Blusenherstellers Verse an der Apfelstraße gedreht. »Auch wenn wir mehr Geld gehabt hätten, hätten wir trotzdem in OWL gedreht, die Drehorte waren einfach schöner«, sagt Andreas Olenberg.

Der Film läuft heute bundesweit in 45 Kinos an, in Bielefeld ist er am Donnerstag, Freitag und Dienstag jeweils um 21.30 Uhr im Lichtwerk zu sehen.

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