Aktuell 15 Standorte in OWL: Studie stellt wirtschaftliche Basis teilweise in Frage
Es gibt zu viele Ausbildungszentren

Bielefeld (WB). Neben dem Betrieb und den Berufsschulen haben die Ausbildungszentren des Handwerks eine wichtige Funktion bei der Ausbildung des Nachwuchses. 15 gibt es in Ostwestfalen-Lippe. Vor einem Jahr waren es noch 16. Einige weitere werden möglicherweise mittelfristig schließen oder sich verkleinern.

Samstag, 08.09.2018, 16:09 Uhr aktualisiert: 08.09.2018, 16:31 Uhr
Aktuell 15 Standorte in OWL: Studie stellt wirtschaftliche Basis teilweise in Frage: Es gibt zu viele Ausbildungszentren
60 Millionen Euro hat der Bau des 2015 eingeweihten neuen Campus Handwerk in Bielefeld (oben links) gekostet. Eine Studie soll klären, ob Renovierug oder Neubau eventuell am Campus in Bielefeld-Brackwede (oben rechts) die bessere Lösung ist. Die Generalmodernisierung des sehr gut ausgelasteten TBZ in Paderborn (unten links) könnte 12,9 Millionen Euro verschlingen. Die Ausstattung des HBZ in Lübbecke ist gut. Doch in das Gebäude müsste investiert werden: bis zu 3,1 Millionen. Foto: Thomas F. Starke/HBZ/Jürgen Vahle/Arndt Hoppe

Im Vorfeld gab es schon kritische Kommentare. Nach dem Bau des Campus Handwerk in Bielefeld stand die Kammer im Verdacht, »alles in OWL an ihren Sitz nach Bielefeld ziehen zu wollen«. Nach seiner Berufung zum Hauptgeschäftsführer verständigte sich Dr. Jens Prager mit anderen Trägern – Kreishandwerkerschaften, Fachverbände, eine Kreisverwaltung – darauf, zunächst ein Gutachten des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik (HPI) in Hannover abzuwarten.

Dieses liegt jetzt für ganz NRW vor. Allein das OWL-Kapitel erstreckt sich über 111 Seiten. Die Studie enthält sehr konkrete Daten zur Auslastung jedes Bildungszentrums heute und – aufgrund einer altersspezifischen und sehr lokalen Prognose – im Jahr 2028. Zugleich beschreibt es den Zustand und die notwendigen Investitionen in Bau und Ausrüstung. Das Volumen summiert sich auf 29,3 bis 35,7 Millionen Euro. Eine gute Ausrüstung mit modernen Maschinen soll das Ausbildungsniveau unabhängig von den Betrieben gleich hoch halten – ist aber teuer.

Konkrete Handlungsanweisungen enthält das Gutachten nicht. Diese müssen nun von Trägern ausgehandelt werden. Dabei soll Prager zufolge unter dem Stichwort »Konzentration in der Fläche« neben der Qualitätssicherung und Wirtschaftsfragen auch die Bedeutung eines Bildungszentrums für das regionale Handwerk eine Rolle spielen. Aktuell verteilen sich die Standorte auf drei in Bielefeld, vier im Kreis Herford sowie je zwei in Gütersloh, Minden-Lübbecke und den Kreis Höxter. In Lippe und dem großen Kreis Paderborn gibt es jeweils nur ein Zentrum. Zur regionalen Sicht kommen die Interessen der einzelnen Gewerke. Die meisten Standorte unterhält der Bereich 17; nur in elf erreicht die für 2028 prognostizierte Auslastung aber noch das für Fördermittel normalerweise notwendige Quorum von 75 Prozent. Die Raumausstatter bilden in zwei Zentren aus, die aber beide schon jetzt nicht genügend ausgelastet sind.

BBZ im Campus Handwerk Bielefeld: Von neun Fachbereichen sind vier nicht ausgelastet. Zwei weitere, Metall und Friseure, werden 2028 das Quorum verfehlen. Da es sich um einen Neubau handelt, sind Investitionen nur in die Ausrüstung notwendig.

Handwerkerbildungszentrum (HBZ) Brackwede: Der Standort ist gut ausgelastet. Allerdings fallen bald 8,3 Millionen Euro an Investitionen in die Gebäude an. Darum ist ein Neubau, eventuell auf dem Campus-Gelände, im Gespräch. Kostenpunkt: knapp 20 Millionen Euro. Ein Gutachter prüft, was die beste Lösung ist.

TBZ Paderborn: Das einzige handwerkliche Bildungszentrum im Kreis Paderborn ist in Teilbereichen – Maler, Bau, Elektro, Friseur – über seine Kapazitätsgrenzen hinaus ausgelastet. Die Generalmodernisierung wird nach HPI-Angaben bis zu 12,9 Millionen Euro verschlingen.

HBZ Lemgo: Geprüft wird eine Zusammenlegung der Ausbildungsstätte für die Bereiche Kfz, Bau, Maler und Tischler mit dem HBZ Brackwede eventuell auf dem Campus in Bielefeld.

Ausbildungszentrum Sanitär/Heizung/Klima Rheda-Wiedenbrück: heute knapp, 2028 nicht mehr ausgelastet.

Tischlerbildungszentrum Rheda-Wiedenbrück: Die Auslastung könnte von 83 Prozent bis 2028 auf 69 Prozent sinken. Energetische Generalmodernisierung kostet 380.000 Euro.

HBZ Minden: Vier von sieben Bereichen sind nicht ausgelastet. 2028 sind es sogar fünf; hoher Investitionsbedarf: bis zu 2,3 Millionen Euro laut HPI.

HBZ Lübbecke: Keiner der fünf Bereiche erreicht aktuell und in Zukunft die Auslastungsgrenze von 75 Prozent. Die Gebäude müssen für bis zu 3,1 Millionen Euro renoviert werden. Dagegen wurde ein Großteil der Werkstätten gerade neu ausgestattet.

BZB Bau Herford: heute und 2028 ausgelastet; kaum Investitionsbedarf.

Überbetriebliche Bildungsstätte Friseur/Kosmetik Herford: nur zu 59 Prozent ausgelastet; keine Investitionen, da Neubau.

Wilhelm-Rieke-Bildungsstätte Bünde: Kapazität reicht für Tischler heute bei weitem nicht aus: 19 Prozent über der Kapazitätsgrenze; bei Malern deutlich darunter.

BZ Metall Kirchlengern: Sanitär/Heizung/Klima (SHK) künftig, Kfz schon heute nicht ausgelastet. Investitionsbedarf.

HBZ Brakel: Unterm Strich ist die Ausbildungsstätte für Tischler, Elektro, Metall, SHK und Schweißen schon heute nicht ausgelastet. HPI schätzt den Investitionsbedarf auf bis zu 1,5 Millionen Euro.

Ausbildungsstätte (AZ) Bau Brakel: Der Bereich Bau ist dauerhaft ausgelastet, Zimmerer nicht.

AZ Tischler-Innung Bielefeld: nicht ausgelastet. Modernisierungsbedarf in gemietetem Raum.

AZ Bäckerinnung Bielefeld: Der Standort wurde, obwohl der einzige für Bäcker und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk in OWL, kürzlich geschlossen.

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