Mo., 10.09.2018

Markt auf dem Halhof: buntes Treiben einer fröhlichen Kumpanei »Anno 1290«: Tausende Besucher beim Mittelalterfest

Wenn Gaukler trefflich foppen: Toby, Anton und Jakkin (von links) von »Pest und Cholera« wussten mit ihrem Spiel über Gebühr zu gefallen.

Wenn Gaukler trefflich foppen: Toby, Anton und Jakkin (von links) von »Pest und Cholera« wussten mit ihrem Spiel über Gebühr zu gefallen. Foto: Bernhard Pierel

Von Uwe Koch

Bielefeld (WB). Welch eine Pracht, welch ein buntes Treiben, was für ein Menschengewusel in gar prächtigen Gewändern: Das war am Wochenende »Anno 1290«, als Bielefeld zum zweiten Mal tief ins Hochmittelalter eingetaucht wurde. Der Markt und die Heerlager auf dem Halhof in Schildesche sind zweifelsohne in dieser Kumpanei ein Spendage (Geschenk) für Bielefeld.

Allein fast 500 Aussteller und Gewerbetreibende bevölkerten das Gehöft der Falken: Troubadure und Gaukler, Knappsäcke und Schnapphähne, edle Herren, hehre Recken, sonderbare Gesellen, holde Damen, Jungfern und Maiden. Wer sich an den drei »Anno 1290«-Tagen auf diese Zeitreise einließ, fand sich sogleich in deutlich reduziertem, eben einfachen Rahmen wieder. Den Tölpeln, die angesichts der Gewänder närrisch von »Verkleidung« sprachen, wurde »Vierteilen, Teeren und Federn« angedroht; da ließen die Veranstalter keinen Zweifel an ihren hehren Absichten.

Ludwig Grad von Ravensberg und Hermann von Schildesche ließen auf dem Halhof schön grüßen: Das Volk auf dem historischen Gehöft ging auf den Markt, labte sich bei Speys und Trank, ließ sich foppen auf dem Kinderland und dem Gauklerplatz, durfte Goldrandtaler oder Silberlinge springen lassen.

»Es gibt Mittelalter-Süchtige, die reisen quer durch Deutschland«

Wer auf diesem Markt zu Besuch war, konnte wissbegierig in der Kumpanei über Leben, Leid und Minne in den 26 Heerlagern erfahren, durfte die Geschichten der Bauern, Ritter oder Bogenschützen wie weiland im 13. Jahrhundert genießen. Da waren Pfaffen, die den Wanst vollschlugen, Gewerke zeigten mannigfaltige Fertigkeiten.

Für die Hausherren, die Falken Peter Bauer und Ulli Isringhausen, und ihren kongenialen Partner Nobby Morkes von Anno Events ist der Erfolg mit einigen Tausenden Besuchern an drei Tagen keine Zauberei: »Es gibt Mittelalter-Süchtige, die reisen quer durch Deutschland, sind vornehmlich an Wochenenden auf diversen Märkten zu Gast«, weiß Morkes. Er veranstaltet das derzeit größte Mittelalter-Fest in Isselhorst, das auch Bauer und Isringhausen »nicht als Konkurrenz« sehen. Das, so sehen sie´s gelassen, »befruchtet uns«.

Was wundert’s, dass Gäste auf dem Halhof sogar aus Belgien, den Niederlanden, Österreich oder Schweden kamen. So wie Jakkim, Toby und Anton, die Spielleute von »Pest und Cholera«, die mit wackerem Spiel ihr Publikum erfreuten, wie der Saxe von Bremen, der in seiner Tafelsilberschmiede hämmerte, oder wie die Maiden Annica und Maxi, die auf Stelzen in gut drei Meter lichter Höhe einen perfekten Überblick auf das bunte Treiben genossen. – Den Machern der Zeitreise »Anno 1290« ist ein »Habet Dank« und »Gehabt Euch wohl« zu sagen, auf eine Wiederkehr Anno 2019.

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