Fr., 14.09.2018

BVB-Boss Watzke über Konflikte, Digitalisierung und den Fall Mario Götze »Rumbrüllen bringt nichts«

Von Dirk Schuster

Bielefeld (WB). Der selbstironische Blick auf die eigene Spielerkarriere bei seinem Heimatklub Rot-Weiß Erlinghausen (Sauerland) war der Eisbrecher. »Ich war eine klassische Nummer 10. Ich konnte gut kicken«, sagte Hans-Joachim Watzke (59) zu Beginn seines Gastspiels beim IT-Kongress des Bielefelder Unternehmens Itelligence.

»Aber wenn ich den Ball verloren habe, habe ich mich nicht so sehr bemüht, ihn zurückzugewinnen. Wenn andere das für mich gemacht haben, habe ich wiederum großen Wert darauf gelegt, dass er schnell wieder zu mir kommt«, sagte der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und meinte: »Ich war genau der Typ, den man in seiner Mannschaft nicht haben will.«

Watzke unterhielt die Zuhörer eine Stunde lang mit klugen, launigen, aber auch nachdenklichen Statements. Hier ein Auszug: Hans-Joachim Watzke über...

... Digitalisierung im Fußball: »Das ist aktuell das entscheidende Thema. Allerdings würden wir die Verträge mit unseren Spielern eher nicht in einer Cloud speichern, das ist keine so gute Idee. Die sichern wir schon gern auf unserer eigenen Festplatte. Ganz allgemein gilt, dass wir uns nicht zu Sklaven der Daten machen lassen dürfen, sondern sie gezielt einsetzen müssen. Das Kreative, das Schöne am Spiel darf nicht durch zu viele Statistiken geschwächt werden. Wir sollten das Spiel nicht zu sehr technisieren.«

... E-Sport: »Dazu habe ich eine konservative Haltung. Ich ziehe richtigen Sport vor.«

... das Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft bei der WM: »Das Abschneiden der Nationalmannschaft ist sowohl digital als auch analog scheiße gewesen.«

... Konfliktkultur in Unternehmen: »Ich mag es nicht, wenn rumgebrüllt wird. Das bringt nichts. Wenn ich einen von meinen Abteilungsleitern dabei erwische, wie er einen Mitarbeiter in Grund und Boden brüllt, dann hat er ein Riesenproblem mit mir. Man muss in der Sache hart miteinander umgehen können, aber in einer zivilisierten Art und Weise.«

... die Gefahr eines durch technische Innovationen bedingten Besucherrückgangs im Stadion: »Die Menschen haben eine Sehnsucht nach Gemeinschaftserlebnissen. Du kannst einen noch so riesigen Fernseher mit einer noch so tollen Surround-Anlage haben. Aber spätestens, wenn du zum Kühlschrank gehst und dir ein Bier holst, merkst du, dass du trotzdem alleine bist.«

... den BVB-Bankdrücker Mario Götze: »Es gab beziehungsweise gibt in diesem Land vier Spieler, die das entscheidende Tor zum Gewinn einer Weltmeisterschaft erzielt haben: Helmut Rahn ist nach 1954 fast daran zerbrochen, Gerd Müller hat 1974 noch am Abend des Titelgewinns seinen Rücktritt erklärt. 1990 kam Andi Brehme und 2014 dann Mario Götze. Alle haben sehr viel damit zu tun gehabt. Wenn du in einem Fußball-Land wie Deutschland das entscheidende Tor zum WM-Triumph erzielst, ist sicher, dass du in deinem Leben keinen einzigen ruhigen Tag mehr hast. Damit musst du erstmal klarkommen.«

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