So., 16.09.2018

Archäologie: Sammlung des Historischen Vereins geht ins LWL-Depot Eine unterirdische Ausstellung

Dr. Wilhelm Stratmann, Leiter des Historischen Museums, Archäologe Dr. Sven Spiong, Dr. Jochen Rath, Leiter des Stadtarchivs, und Dr. Johannes Altenberend (von links) betrachten den Glasfund aus Lämershagen.

Dr. Wilhelm Stratmann, Leiter des Historischen Museums, Archäologe Dr. Sven Spiong, Dr. Jochen Rath, Leiter des Stadtarchivs, und Dr. Johannes Altenberend (von links) betrachten den Glasfund aus Lämershagen. Foto: Bernhard Pierel

Von Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Der erste Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg von 1877 gehört ebenso zu den Exponaten wie ein 3000 Jahre altes, reich verziertes Bronzebecken, das 1911 in einem Grab in Rheda frei gelegt wurde: Beides spricht für die Kulturlandschaft in Ostwestfalen.

Bevor die 1300 Objekte zählende Sammlung des Historischen Vereins in einem Depot des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster eingelagert wird, ist eine Auswahl von Stücken im Ausstellungsbereich des Stadtarchivs (1. Obergeschoss Stadtbibliothek, Neumakt) in einer Ausstellung zu sehen.

Dr. Johannes Altenberend, Vorsitzender des Historischen Vereins, betonte, die Stücke würden aufbewahrt, gegebenenfalls restauriert, ständen aber auch der Forschung und für Ausstellungen zur Verfügung. Er kritisierte das Historische Musuem dafür, dass sich die Präsentation der Vor- und Frühgeschichte »auf drei oder vier Objekte beschränkt«.

Die Bodenfunde – Steinbeile, Bronzen, Graburnen – seien von Mitgliedern des Historischen Vereins, 1876 gegründet, »bei Erkundungen in der Landschaft entdeckt« worden. Altenberend: »Diese Funde sind der Grundstock aller Bielefelder Museen und des Stadtarchivs.« Altenberend berichtete, wie die Fundstück aufgeteilt worden seien, welches Museum Objekte aus welchen Zeitperioden bekommen habe. Ein Teil der Sammlung bestehe auch aus Schenkungen der Mitglieder des Historischen Vereins.

Zum Sammeln gehöre aber auch das Ent-Sammeln, sagte Altenberend. Das Ent-Sammeln, also das Sich-Trennen von Objekten, könne zur Qualifizierung einer Sammlung beitragen.

Bis zum 27. Oktober gezeigt werden Fundstücke aus der Region, aber auch aus Bielefeld.

Zu sehen ist etwa ein Bronzebecken

Dazu gehören etwa ein aufwändig gestaltetes Rasiermesser aus der Bronzezeit, Urnen und Beigefäße, die aus der späten Bronzezeit stammen und 1905 in Brackwede entdeckt wurden. Allein 250 Stunden habe es gebauert, bis die Scherben nach dem Fund zusammengesetzt worden seien, erzählte Altenberend. Er weiß auch genau, dass der Glasfund aus Lämershagen (1912) aus 370 kleinen Fläschchen besteht. Der Historische Verein ging bei der Inventarisierung des ungewöhnlichen Fundes davon aus, dass es sich um das Depot eines Apothers oder eines Parfümhändlers handeln könnte; zeitlich wurden die Fläschchen auf das 17. oder 18. Jahrhundert datiert.

Die archäologischen Funde würden davon berichten, wie der Lebensalltag der Menschen vergangener Zeiten ausgesehen habe: mit welchen Werkzeugen sie arbeiteten, wie sie ihre Toten bestatteten oder wie ihre Kleidung aussah.

Zu sehen ist etwa ein Bronzebecken – der Import aus dem Römischen Reich, der Teil eines Bronzeschwertes, das 1907 in Steinhagen ausgegraben wurde, eine Bronzefibel, ein Rasiermesser aus der Bronzezeit oder römische Töpferwaren udn Glasperlen.

Zu den außergewöhnlichen Stücken gehören die Grabbeigaben m für »das Mädchen aus Rheda« aus der Bronzezeit, die 1911 entdeckt wurden.

Die Ausstellung mit dem Titel »7000 Jahre Kulturlandschaft in Ostwestfalen« ist bis zum 27. Oktober zu sehen. Öffnungszeitenm sind montags von 14 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zuvor wurden die Objekte im Museum Kaiserpfalz in Paderborn gezeigt.

 

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