So., 16.09.2018

Japans Botschafter trifft bei DMG Mori auf ostwestfälische Unternehmer Der asiatische Bruder

Eintrag ins Goldene Buch der IHK Ostwestfalen im Schauraum des japanisch-deutschen Maschinenbauers DMG Mori (von links): DMG-Vorstandschef Christian Thönes, Botschafter Takeshi Yagi, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff.

Eintrag ins Goldene Buch der IHK Ostwestfalen im Schauraum des japanisch-deutschen Maschinenbauers DMG Mori (von links): DMG-Vorstandschef Christian Thönes, Botschafter Takeshi Yagi, IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Bielefeld (WB). Die Finanzierungsprobleme von Renten- und Pflegeversicherung, die Überalterung der Gesellschaft, der Fachkräftemangel – aber auch ein hoher Industrieanteil und große Ingenieurskunst: Bei allen kulturellen Unterschieden gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Japan und Deutschland. Das machte am Freitag der japanische Botschafter in Deutschland, Takeshi Yagi, bei seinem Besuch in OWL deutlich. Er spricht von einer guten Basis für Zusammenarbeit auf politischer und wirtschaftlicher Ebene.

Der Ort für den Austausch mit 25 hiesigen Unternehmern passt perfekt: Die Zusammenkunft erfolgt bei der Bielefelder DMG Mori AG, die inzwischen zu 75 Prozent in japanischer Hand ist. Yagi bezeichnet den global agierenden Maschinenbaukonzern als »die bekannteste Erfolgsgeschichte zwischen japanischen und deutschen Unternehmen«.

»Wir stülpen nicht die Kultur des anderen über, sondern gehen respektvoll mit den Unterschieden um«, betont DMG-Vorstandschef Christian Thönes. Der Austausch werde intensiv durch vielfältige Begegnungen gefördert.

6000 deutsche Firmen in Japan aktiv

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan als drittgrößter und Deutschland als viertgrößter Volkswirtschaft der Welt soll das vor kurzem auf EU-Ebene besiegelte Freihandelsabkommen Jefta forcieren. Darauf hofft auch Thomas Niehoff, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen.

Bislang seien 6000 deutsche Firmen in Japan aktiv, darunter 250 aus Ostwestfalen, 50 mit eigener Vertretung oder Niederlassung. »Das Freihandelsabkommen ist gerade in diesen Zeiten mit Erschwernissen auf den Weltmärkten eine erfreuliche Gegenbewegung.« Aus Deutschland wurden 2017 Waren im Wert von 19,5 Milliarden Euro exportiert, aus Japan sogar für 23 Milliarden importiert.

Auch Yagi erhofft sich Impulse, nachdem Japan der Deflationsfalle entkommen ist. Die Arbeitslosenquote liegt unter drei Prozent, die Geburtenrate noch niedriger als in Deutschland. Schon jetzt fehlen Arbeitskräfte. Auch deshalb soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. Sonst wird auch der Rückgang der Bevölkerungszahl von 127 Millionen bis 2060 auf 87 Millionen befürchtet. Und die Arbeitszeiten sollen reduziert werden. »In Japan arbeitet ein Mitarbeiter im Schnitt 2200 Stunden im Jahr, in Deutschland 1600 Stunden«, sagt Thönes.

Interesse an freiem Handel

Gut 1800 japanische Unternehmen gebe es in Deutschland, sagt der Botschafter. Hinzu kommen Projekte mit Wirtschafts- und Hochschulpartnern vor allem bei Erneuerbaren Energien, Medizintechnik sowie zur Digitalisierung.

Ende September trifft Japans Premierminister Shinzō Abe bei der UN-Generalversammlung auf US-Präsident Donald Trump. Es wird vermutet, dass beide Länder dann verkünden, Gespräche über ein Freihandelsabkommen aufzunehmen.

»Wir haben großes Interesse daran, aber auch generell an freiem Handel«, sagt Botschafter Yagi – und er hofft auf Fortschritte im weltweiten Handelsstreit: »Das Treffen der Staatschefs wird eine gute Gelegenheit sein, das Thema global zu besprechen.«

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