Di., 18.09.2018

Rennen in Bielefeld: Fahrzeuge gelten seit kurzem als Tatwerkzeuge Polizei nimmt Rasern Autos weg

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Von Uwe Koch

Bielefeld (WB). Zwei Mercedes-Fahrer haben sich in Bielefeld ein illegales Autorennen geliefert und damit für ein Novum in OWL gesorgt. Ihre Limousinen wurden als »Tatwerkzeuge« von der Staatsanwaltschaft Bielefeld eingezogen.

Grund dafür ist das neue »Raser-Gesetz«. Ausgerechnet unter den Augen von Polizeibeamten und obendrein in unmittelbarer Nähe des alten Bielefelder Polizeipräsidiums setzten die beiden Mercedes-Raser zu ihrem Wettrennen an. An einer Ampelkreuzung des Kesselbrinks stand in der Nacht zu Sonntag die 27-jährige Frau aus Leopoldshöhe mit ihrem Mercedes CLA (218 PS) auf der Geradeausspur an einer roten Ampel. Neben ihr ordnete sich ein 30-jähriger Bielefelder mit seinem Mercedes AMG C 63 (476 PS) auf einer Linksabbiegerspur ein. Als die Ampel um 1.30 Uhr auf Grün umsprang, rasten beide Fahrzeuge geradeaus los. Dabei bretterte der Bielefelder mit seinem AMG-Mercedes auf dem linken Fahrstreifen sogar über eine Sperrfläche.

Nach 150 Metern kamen beide Mercedes an der nächsten roten Ampel wieder zum Stehen. Endgültig ausgebremst wurden sie von der Besatzung eines Streifenwagens. Die Polizeibeamten hatten die Szene von Beginn an beobachtet und sorgten bei den Beteiligten für ein böses Erwachen.

Neue Strafvorschrift

Der Bielefelder und die Leopoldshöherin mussten ihre Führerscheine abgeben. Dann wurden obendrein die beiden Fahrzeuge eingezogen. Moritz Kutkuhn, Pressedezernent der Bielefelder Staatsanwaltschaft, begründete die juristische Maßnahme mit dem neuen Raser-Paragrafen des Strafgesetzbuches (StGB): »Die Autos gelten als Tatwerkzeuge und können eingezogen werden.« Seit Anfang dieses Jahres gibt es die neue Strafvorschrift des Paragrafen 315d, die auch illegale Autorennen unter Strafe stellt, auch dann, wenn niemand zu Schaden gekommen ist. Früher galten diese Autorennen als Ordnungswidrigkeit, für einen Teilnehmer gab es bis zu 400 Euro Bußgeld und ein einmonatiges Fahrverbot.

Jetzt macht sich bereits strafbar, wer »sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen«. Kommt ein Unbeteiligter ums Leben, gibt es Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Wann die Raser ihre Autos wieder bekommen, ist unklar. Der 30-Jährige verlor jedoch nicht nur seinen Mercedes. Weil gegen ihn ein Haftbefehl wegen einer Geldstrafe vorlag, wurde er in der Nacht festgenommen.

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