Di., 02.10.2018

Geplante Medizinfakultät an der Uni Bielefeld will neue Wege beschreiten – Mit Video Praxisalltag ab erstem Semester

Gründungsdekanin Claudia Hornberg (von links), die Landesminister Karl-Josef Laumann und Isabel Pfeiffer-Poensgen sowie Unirektor Gerhard Sagerer stellten das Konzept der Medizinfakultät vor, rechts Unisprecher Ingo Lohuis

Gründungsdekanin Claudia Hornberg (von links), die Landesminister Karl-Josef Laumann und Isabel Pfeiffer-Poensgen sowie Unirektor Gerhard Sagerer stellten das Konzept der Medizinfakultät vor, rechts Unisprecher Ingo Lohuis Foto: Timo Gemmeke

Von Bernd Bexte

Bielefeld (WB). Bis jetzt wurde der Zug aufs Gleis gesetzt – nun fährt er: Seit gestern gibt es offiziell die Medizinfakultät Ostwestfalen-Lippe an der Universität Bielefeld. Sie soll wegweisend bei der Arztausbildung sein.

»In Gründung« heißt der Zusatz, denn die ersten Studenten werden erst zum Wintersemester 2021 erwartet. Wenig Zeit, um einen konzeptionell neuen Studiengang mit später 300 Studienplätzen pro Jahr aufzubauen. Vor einer Woche hat die Universität die Pläne, den sogenannten Selbstbericht, beim Wissenschaftsrat eingereicht. Die stehen nun auf dem Prüfstand. Die ersten acht Professuren werden aber bereits in dieser Woche ausgeschrieben, kündigt Gründungsdekanin Prof. Dr. Claudia Hornberg an.

Vertragsverhandlungen mit Lehrkrankenhäusern

Praktisch ausgebildet werden die Studenten am Klinikum Lippe, Evangelischen Krankenhaus Bethel und Städtischen Klinikum Bielefeld. Sie hatten sich bei einem Bewerbungsverfahren durchgesetzt. Mit den drei Häusern laufen derzeit Vertragsverhandlungen. Weitere Einzelkliniken können aber hinzukommen.

Insbesondere mangelt es an Hausärzten. Wie dringend der Bedarf weiterer Medizinstudienplätze ist, machte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gestern beim Besuch der Uni Bielefeld deutlich. »2016 sind 457 Hausärzte in NRW in den Ruhestand gegangen, nur 219 sind nachgerückt.« Dabei gebe es im Schnitt mehr als zehn Bewerbungen auf einen Studienplatz. Es fehle schlichtweg an Kapazitäten. »Das Problem wurde lange ignoriert«, sagt Laumann. Und Westfalen (ohne Ruhrgebiet) hinke hinterher. »Hier gibt es nur zwölf Prozent der Ausbildungskapazitäten in NRW.« Der Aufbau der Medizinfakultät OWL – »sie ist eine Einrichtung für die ganze Region« – sei die »entscheidende Stellschraube« im Kampf gegen den Arztmangel vor Ort. Der viel zitierte »Klebeeffekt« soll die Studenten an die Region binden.

Eine Konkurrenz?

Dabei gibt es seit zwei Jahren bereits Medizinstudenten in OWL: Sie werden innerhalb des Kooperationsmodells mit der Ruhr-Uni Bochum an Kliniken in den Kreisen Minden und Herford praktisch ausgebildet. Eine Konkurrenz? »Wir müssen sehen, wie wir beides miteinander vereinbaren können. Die Türen zur Zusammenarbeit mit der Fakultät in Bielefeld stehen jedenfalls weit offen, übrigens auch für das ›Flaggschiff‹ in der Region, das Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen.« Allerdings, fügt Laumann mit Blick auf die Teilnehmer am »Bochumer Modell« hinzu, »muss man das auch wollen«.

Der neue Studiengang in Bielefeld will die Perspektive der hausärztlichen Versorgung betonen: Studenten sollen vom ersten Semester an regelmäßig Kontakt mit Patienten in Praxen haben. Aspekte wie die Arzt-Patienten-Kommunikation spielen eine besondere Rolle. Gleichzeitig strebt das Konzept wissenschaftliche Exzellenz an. »Hier müssen die besten Leute sitzen«, sagt Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Vorsitzender des Medizinischen Beirats.

Zur Finanzierung der Fakultät stellt das Land in diesem Jahr 4,5 Millionen Euro bereit, eine Summe, die auf jeweils 45 Millionen in den Jahren 2021 und 2022 aufwächst. »Ein sich abzeichnender Mehrbedarf für den Endausbau wird durch die Universität im kommenden Jahr ermittelt und anschließend vom Land eingehend geprüft«, erklärt NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Erst solle das inhaltliche Konzept stehen, dann werde man daraus Schlüsse für die Finanzierung ziehen – auch wer für den Mehraufwand aufkommt. Als räumliche Interimslösung wird die Fakultät ab 2019 Teile des im Bau befindlichen Innovationscampus’ Bielefeld (ICB) in Uninähe nutzen.

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