Do., 11.10.2018

Aktion von Bürgerstiftung und Stadtwerken – Vorfall im Nachtbus als Auslöser Die weiße Hand für mehr Zivilcourage

Setzen auf Hinschauen und Einmischen (von links): Yvonne Liebold (Stadtwerke), Michael Krapp, Leonie Braun (Sportjugend), Susanne Eickelmann (Bürgerstiftung), Louisa Wittenbrock, Verena Zinser, Lisa Faust, Matthias Sondermann und Martin Uekmann. Sie hoffen, dass viele Bielefelder sich mit weißer Hand bekennen.

Setzen auf Hinschauen und Einmischen (von links): Yvonne Liebold (Stadtwerke), Michael Krapp, Leonie Braun (Sportjugend), Susanne Eickelmann (Bürgerstiftung), Louisa Wittenbrock, Verena Zinser, Lisa Faust, Matthias Sondermann und Martin Uekmann. Sie hoffen, dass viele Bielefelder sich mit weißer Hand bekennen. Foto: Bernhard Pierel

Von Sabine Schulze

Bielefeld (WB). Arminia-Stürmer Fabian Klos zeigt Flagge beziehungsweise eine weiße Hand: Er setzt sich ein für Mut, Respekt und Toleranz, »weil ich Verantwortung übernehme – nicht nur auf dem Platz.«

Klos ist einer von 16 teils prominenten Bielefelder Bürgern, die dem Projekt »#bielefeldcouragiert« Gesicht und Stimme geben, die sich für Zivilcourage stark und Bielefeld ein bisschen lebenswerter machen möchten. Initiatoren sind die Stadtwerke Bielefeld und die Bürgerstiftung. Mit im Boot ist die Sportjugend und der Verein Tabula, der sich für Bildungsgerechtigkeit und besonders für sozial benachteiligte Kinder einsetzt.

»Es gab einen regelrechten Shitstorm«

Hintergrund der Initiative war ein Vorfall in einem Nachtbus im September 2017: Die beiden Studentinnen Lisa Faust und Louisa Wittenbrock wurden Zeuginnen, als eine alkoholisierte Frau ohne Fahrschein von der Fahrerin des Mobiel-Busses auf die Straße gesetzt wurde. Das alleine regte sie nicht auf. »Aber die anschließenden abfälligen Kommentare. Die waren überflüssig.«, sagt Lisa Faust. Zudem dachten die beiden Studentinnen und andere Fahrgäste beim Weiterfahren darüber nach, ob man für die betrunkene Frau, die ohne Kontrolle und mehr oder weniger hilflos gewesen sei, nicht besser einen Krankenwagen gerufen hätte. Die Studentinnen setzten noch in der Nacht ein Post in den sozialen Medien ab und traten damit eine Lawine los. »Es gab einen regelrechten Shitstorm«, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Uekmann.

Aber Mobiel reagierte »cool«, findet Lisa Faust, und lud die beiden Studentinnen und einen weiteren Busfahrer zum Live-Internet-Talk ein. Ein Thema, das dort immer wieder auftauchte: Zivilcourage und die Frage, wie man anders hätte reagieren können oder gar müssen, wie man mitein­ander umgehe und welche Werte noch hoch gehalten würden.

Das gab für Uekmann den Anstoß, dass Thema Zivilcourage breiter in die Öffentlichkeit zu bringen. Er wandte sich an die Bielefelder Bürgerstiftung und stieß sofort auf positive Resonanz. »Mut, Respekt, Toleranz – das gilt es immer wieder im täglichen Leben zu zeigen«, sagt Vorstandsmitglied Michael Krapp. Gemeinsam riefen Stadtwerke und Bürgerstiftung daher »#bielefeldcouragiert« ins Leben, Projektmittel in Höhe von 25.000 Euro steuern die Stadtwerke bei.

Auch Arminia-Stürmer Fabian Klos beteiligt sich an der Aktion.

16 Promis – von Fabian Klos über Theaterintendant Michael Heicks und Bethel-Chef Ulrich Pohl bis zu Comedian Kolja Fach zeigen sich auf Postern mit weißer Hand und erklären, warum sie sich für Mut und Respekt einsetzen. Und auch Lisa Faust, Bloggerin, äußert sich: »Weil ich in einer Stadt leben möchte, in der auch mir in einer Notsituation geholfen wird.«

Die Poster werden in Bussen und Bahnen hängen, aber auch jeder andere Bielefelder kann Flagge zeigen. »Auf der Seite www.bielefeld-couragiert kann man sein Foto hochladen, seine weiße Hand zeigen und sich erklären, was Mut für einen bedeutet«, sagt Krapp. Er hofft auf viel Feedback und Ideen für das kommende Jahr.

Die Sportjugend möchte Schulen beteiligen und wird von den Schülern erfragen, was für sie dazu gehört, damit Bielefeld als liebenswert gelten kann. Aber auch über die Vereine will sie wirken: »Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung«, sagt Matthias Sondermann. Und der Verein Tabula, erklärt Geschäftsführerin Sigrid Zinser, wird in den Herbstferien ein »Band Camp« organisieren: Drei Musiker und zehn Kinder werden gemeinsam einen Song erarbeiten und natürlich aufnehmen.

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