Fr., 12.10.2018

Fehlende Kapazitäten könnten Wohnungsbau bremsen – Auch Brackwede ist betroffen Der Abwasserkanal in Senne ist voll

Das Kanalsystem im Bielefelder Süden hat an mehreren Stellen seine Kapazitätsgrenze erreicht. Bis zu zehn Jahre soll es allerdings dauern, bis die Sammler des Abwasserverbandes Obere Lutter mit dem Klärwerk in Isselhorst ausgebaut sind.

Das Kanalsystem im Bielefelder Süden hat an mehreren Stellen seine Kapazitätsgrenze erreicht. Bis zu zehn Jahre soll es allerdings dauern, bis die Sammler des Abwasserverbandes Obere Lutter mit dem Klärwerk in Isselhorst ausgebaut sind. Foto: Thomas F. Starke

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in Bielefeld ist groß. Von 5200 zusätzlichen Wohneinheiten, die bis 2020 gebaut werden sollen, ist regelmäßig die Rede. Zumindest in den Stadtbezirken Senne und Brackwede könnten allerdings die fehlenden Kapazitäten der Schmutzwasserkanäle diese Pläne ausbremsen.

Das Abwasser aus den Wohngebieten in Senne fließen zur Kläranlage Obere Lutter in Isselhorst, Nadelör sind offensichtlich die so genannten Verbandssammler in Friedrichsdorf (zuständig unter anderem für Senne) und Niehorst (unter anderem für den Stadtbezirk Brackwede). Deren Leistungsfähigkeit ist nach Angaben des Umweltbetriebs »ausgeschöpft beziehungsweise teilweise überschritten«; für die Aufnahme von zusätzlichem Abwasser seien sie nicht ausgelegt.

Der Umweltbetrieb reagierte damit auf eine Anfrage des Unabhängigen Bürgerforums (UBF) in der Bezirksvertretung Senne, die berechnet hat, dass gerade in den Ortsteilen Windelsbleiche und Buschkamp rund 50 Hektar baufähige Fläche alleine zum Lückenschluss und zur Abrundung bestehender Bebauung zur Verfügung stehen. Dazu kommen Neubaugebiete, die die Wohnungsnot nachhaltig beseitigen sollen – in Senne etwa eine Bebauung im Bereich Südring/Ecke Windelsbleicher Straße. Zudem prüft eine Arbeitsgruppe die mögliche Ausweisung weiterer großflächiger Baugebiete.

Erweiterung des Klärwerks Sennestadt wird geprüft

Nach Angaben des Umweltbetriebs soll es aber bis zu zehn Jahre dauern, bis die Verbandssammler auf einer Länge von mehreren Kilometern erneuert und ausgebaut werden, obwohl der Umweltbetrieb auf die Dringlichkeit einer Vergrößerung »mit Nachdruck« hingewiesen habe. Um bis zum Abschluss dieser Sanierung dennoch eine städtebauliche Entwicklung zu ermöglichen, sind laut Umweltbetrieb einige Maßnahmen eingeleitet worden.

So soll ein Teilgebiet in Senne vom Klärwerk Obere Lutter abgeklemmt, das Abwasser dem Klärwerk Sennestadt zugeleitet werden. Das mache den Bau eines drei Kilometer langen Schmutzwassersammlers unter der Wilhelmsdorfer Straße notwendig. Geschätzte Planungs- und Bauzeit: fünf Jahre. Außerdem werde geprüft, ob und wie das Klärwerk Sennestadt erweitert wird, um die Kapazitäten zu erhöhen.

Insgesamt soll die Schmutzwasserkanalisation im südlichen Stadtgebiet neu berechnet werden, wobei die Perspektiven für eine Siedlungsflächenentwicklung berücksichtigt werden soll.

Der Umweltbetrieb prüft, ob künftig die Kläranlage Sennestadt mehr Schmutzwasser aus Senne aufnehmen kann. Foto: Thomas F. Starke

Größere Flächen zur Bebauung in Windflöte

Das UBF hatte kurzfristige Maßnahmen gefordert, um die Kapazitäten des Kanalnetzes zu erhöhen. Alexander von Spiegel (UBF) befürchtet, dass der »Ruf nach Schaffung von Wohnraum ungehört verhallen wird«, wenn nicht die Grundvoraussetzungen für eine solche Entwicklung geschaffen würden.

Ilona Neumann (SPD) zeigte sich über die lange Dauer von fünf bis zehn Jahren, bis die anvisierten Maßnahmen greifen sollen, denn auch »irritiert«: »Uns wurde gesagt, dass der Kanal zeitnah erweitert wird.« Unzufrieden ist auch Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt (CDU) insbesondere über die Formulierung, wonach bis zur Sanierung des Kanals eine bauliche Entwicklung nur in »moderater Form« geduldet werde. »Das ist nicht griffig. Es bleibt unklar, wo was machbar ist«, sagte Haupt.

Die Bezirksregierung Detmold konnte gestern keine Klarheit in diese Formulierung bringen. Beim Umweltbetrieb wollte man sich auf Nachfrage nicht auf eine Zahl von neuen Gebäuden festlegen, die noch machbar seien und blieb man vage: Man gehe derzeit nicht von einer Verzögerung bei der Umsetzung neuer Baugebiete aus.

Die Stadtverwaltung indes hatte der Bezirksvertretung mitgeteilt, dass aufgrund ausgelasteter Kanäle nur noch in Windflöte größere Flächen zur Bebauung ausgewiesen werden können.

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