Mo., 22.10.2018

»Konrad Koselleck Big Band« gibt »Concert to End All Wars« in der Rudolf-Oetker-Halle Ursachen und Auswirkungen des Krieges

Ergreifende musikalische Arrangements und Rezitationen bot die »Konrad Koselleck Big Band« gemeinsam mit Ellen ten Damme und Vincent Bijlo.

Ergreifende musikalische Arrangements und Rezitationen bot die »Konrad Koselleck Big Band« gemeinsam mit Ellen ten Damme und Vincent Bijlo. Foto: Kerstin Panhorst

Von Kerstin Panhorst

Bielefeld (WB). Eine einzelne Posaune bläst ihr Klagelied, und sofort ist man gefangen von der Atmosphäre. Die Big-Band steigt ein mit herrlichstem Bar-Jazz, irgendwann wird das Stück lauter, geht in einen Marsch über und wird zu einer lauten Kakophonie.

In der Performance »The Concert to End All Wars«, die der in Bielefeld aufgewachsene Komponist und Arrangeur Konrad Koselleck nun im voll besetzten kleinen Saal der Oetkerhalle zeigte, liegen leise Töne und bombastische musikalische Entladungen eng beieinander.

Das Konzert nimmt die Ereignisse des Ersten Weltkriegs zum Ausgangspunkt für einen musikalisch-dramatischen Streifzug durch die Geschichte, es zeigt den Schrecken und die Bedrohung des Krieges im Allgemeinen ebenso wie die kleinen Einzelschicksale, die Verzweiflung und den Schmerz.

Die Deutschlandpremiere des Projekts war vor vier Jahren anlässlich des Jahrestags des Kriegsbeginns in Gütersloh. Nun jährt sich am 11. November 2018 das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal – Grund genug für den Landesverband Nordrhein-Westfalen des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, das Projekt noch einmal nach Ostwestfalen zu holen.

Gemeinsam mit den 17 Musikern seiner Big Band, die auch solistisch ihre Virtuosität unter Beweis stellen dürfen und zuweilen als Chor und Rezitatoren fungieren, sowie der niederländischen Sängerin Ellen ten Damme und dem Kabarettisten und Autor Vincent Bijlo ergründet Koselleck die Ursachen und Auswirkungen des Krieges.

Immer wieder fließt sogar etwas Lokalkolorit in das Werk ein, unter anderem das Schicksal des 1916 auf dem Schlachtfeld von Verdun gefallenen Rudolf Oetker, dem die Aufführungsstätte gewidmet ist. Aus dem Kriegstagebuch seines eigenen Großonkels, der im Ersten Weltkrieg in Flandern starb, liest der in Amsterdam lebende Koselleck zwischen den Kompositionen, die sich aus alt bekannten Werken und neuen Klangkonstruktionen zusammen setzen.

Bigband-Sound, Text-Rezitationen und Gesang wechseln sich ab, die Monstrosität des Krieges wird dabei ebenso thematisiert wie die aktuellen Hinwendungen zu einem neuen Nationalismus und ein Auseinanderbrechen Europas.

Dass dennoch eine gewisse Leichtigkeit in den Abend kommt, ist das Verdienst von Vincent Bijlo. Als Erzähler der historischen Begebenheiten lässt sich der blinde Kabarettist viel Freiraum für humorvolle Ausgestaltungen, philosophiert darüber, ob Senfgas bei heutigen Hipstern wohl Wasabigas hieße und analysiert die Rolle der Niederlande in den Weltkriegen: »Frau Antje schwieg, wir blieben neutral«.

Konrad Koselleck und seine Big Band bleiben nicht neutral und setzen ein musikalisches Zeichen für den Frieden. Und ihre »Frau Antje« schweigt ebenfalls nicht. Ellen ten Damme, die alterslos schöne frühere Lindenberg-Muse, gibt eine moderne Marlene Dietrich in Animalprint und Zylinder.

»Sag mir, wo die Blumen sind« oder »Lili Marleen« intoniert die Sängerin in betörenden Arrangements, besingt nur zum Marschgetrampel der Big Band A Capella die Ferne, in die die Soldaten ziehen und reißt am Ende mit Nenas »99 Luftballons« alle Zuhörer von den Stühlen, die es ohnehin kaum erwarten können, das gelungene Konzert mit stehenden Ovationen zu feiern.

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