Fr., 09.11.2018

1200 Besucher erleben die 11. »Komische Nacht« in Bielefeld Bombengags und Machtfantasien

Özgür Cebe thematisiert Vorurteile und alltäglichen Rassismus.

Özgür Cebe thematisiert Vorurteile und alltäglichen Rassismus.

Bielefeld (WB/pan). Dennis Grundt setzt in der Sauna den Lehrerblick auf und philosophiert über seine Haarschneidekünste, während Freddy Farzadi das Werfen von Erbsen als Körperverletzung deklariert – zumindest wenn diese in Dosen sind. Neun verschiedene Künstler in neun ausverkauften Lokalitäten hatte die Comedy-Reihe »Komische Nacht« bei ihrer inzwischen 11. Auflage zu bieten – und ebenso viele unterschiedliche Formen von Humor.

Zwar musste das Zwanzig Dreizehn aufgrund der ungeklärten Betreiberverhältnisse kurzfristig als Aufführungsort gestrichen werden und Kabarettist Jens Heinrich Claassen leider absagen, doch auch so hatten die 1200 Besucher ihren Spaß. Dafür sorgte das Line-Up mit Andre Kramer, Chin Meyer, Dennis Grundt, Der unglaubliche Heinz, Freddy Farzadi, Helene Bockhorst, Markus Barth, Martin Niemeyer und Özgür Cebe.

Ein Comedy-Marathon ist die »Komische Nacht« eigentlich nur für die Künstler, die zwischen den Auftrittsorten im Bernstein, Bunker Ulmenwall, Finca & Bar Celona, Finca & Bar Celona Club, Heimat+Hafen, Komödie, Neue Schmiede, Nichtschwimmer und Stellwerk wechseln. Für das Publikum heißt es hingegen den Lieblingsladen aussuchen, Platz nehmen und entspannt zurücklehnen, während sich auf der Bühne jeweils fünf Komiker die Klinke, pardon das Mikrofon, in die Hand geben. Jeweils 25 Minuten hat jeder Comedian Zeit, nach einer kurzen Pause geht es direkt mit dem Nächsten weiter.

»Da muss man richtig ›tight‹ sein in der kurzen Zeit und sich jedes Mal wieder auf die verschiedenen Räume und die neuen Leute einstellen«, erzählt Chin Meyer zwischen seinen Auftritten. Deutschlands bekanntester Finanzkabarettist beschäftigt sich in seinem Programm mit dem Thema Macht und wer sie hat, nämlich die technischen Geräte. Das kann der 59-jährige Hamburger anhand einer schnellen Publikumsumfrage belegen: »Wen habt ihr heute häufiger berührt, euren Partner oder euer Smartphone?«.

»Unter der Burka muss die Freiheit wohl grenzenlos sein«

Eine Ausnahme bildet da nur Özgür Cebe, der seine deutsche Frau liebevoll »Süßkartoffel« nennt und sie ihn »Kümmelchen«. Als in Bielefeld geborener Rheinländer mit türkischen Wurzeln sieht er sich täglich mit Vorurteilen konfrontiert und packt diese selbstironisch in ein Comedygewand. Wenn er bei Vorstellungsgesprächen gefragt wird, wie viele Anschläge er in der Minute schafft, antwortet er gerne »Einen« und setzt auch sonst auf »Bombengags« und umgedichtete Lieder wie »Unter der Burka muss die Freiheit wohl grenzenlos sein«.

Die einzige Frau der Runde, Helene Bockhorst, setzt optisch lieber auf eine Fischschuppen-Leggins. Inhaltlich geht es bei ihr um fehlendes Selbstbewusstsein, schlechte Kindheit und eskapistische Phantasien, die sie lange auf einen erlösenden Brief aus der Zauberschule warten ließen als Kind.

Auf den nächsten Comedy-Marathon müssen die Fans hingegen nicht vergeblich warten: am Mittwoch, 27. März, ist die Komische Nacht zum 12. Mal in Bielefeld zu Gast. 

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