Sa., 10.11.2018

Riesige Sperrzone in der Innenstadt von Bielefeld 6000 demonstrieren gegen 400 Rechtsextreme

Blick auf den Jahnplatz.

Blick auf den Jahnplatz. Foto: Heinz Stelte

Von Jens Heinze, Christian Müller, Sabine Schulze, Heinz Stelte, Louis Ruthe und Burgit Hörrtrich, Hans-Heinrich Sellmann, Ann-Christin Lüke und Ludmilla Ostermann

Bielefeld (WB). In Bielefeld demonstrierten am Samstag zahlreiche Initiativen gegen einen Aufzug der Partei Die Rechte. Die Rechtsextremisten zogen vom Hauptbahnhof quer durch die Stadt zum Gerichtszentrum und wollten sich für die inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck einsetzen.

Foto: Günzel (Grafik)

Der Veranstalter hat bei der Polizei rund 500 Teilnehmer angemeldet, laut Polizeiinfos vom Nachmittag dürften es aber etwa 400 Teilnehmer gewesen sein.  Mehrere Bündnisse, Parteien und Initiativen haben Gegenveranstaltungen angemeldet. Hier waren es laut Polizei etwa 6000 Menschen.

Kundgebungen sind hier: Bahnhofsvorplatz (Antifa und Friedensinitiative der Altstädter Nicolaikirche) - am Bahnhof sammeln sich auch die Rechten -, Rathaus (»Wir sind mehr« und Bündnis gegen Rechts, Livemusik und Reden), Jahnplatz (DGB, Reden und Musik), Kesselbrink (»Tanz für Toleranz« mit DJs), Mahnwache vor der ehemaligen Synagoge (Deutsch-Israelische Gesellschaft), Welthaus an der Paulusstraße (Musik und Reden), Stadtwerke (Verdi), Siggi, Emil-Groß-Platz/ Arndtstraße (SPD).

Zurück zur Normalität

18.49 Uhr: Die Stadtbahnen im Stadtgebiet fahren wieder, auch die Busse setzen sich in Bewegung. Laut einer Sprecherin des Unternehmens kann es aber noch bis zu zwei Stunden dauern, bis alles wieder fahrplanmäßig läuft.

18.17 Uhr: Die Polizei löst das Sperrgebiet langsam wieder auf.  Die Polizei ist zur Vorsicht noch vor Ort. 

18.04 Uhr: Ein Großteil der Rechtendemo-Teilnehmer fährt mit dem Zug in Richtung Dortmund ab.

17.59 Uhr: Um kurz vor 18 Uhr betritt ein Brautpaar den Bielefelder Hof am Bahnhof zum Feiern. Die Bundespolizei vor Ort gratuliert per Lautsprecher und spielt passende Musik ab.

17.55 Uhr: Laut Pressesprecherin ist die Polizei zufrieden mit dem Verlauf. Bislang sind sechs Platzverweise, zwei Inwahrsamnahmen und neun Strafanzeigen geschrieben worden, eine wegen Zeigen des Hitlergrußes. Es kommt am Nachmittag zu zwei gefährlichen Körperverletzungen wegen Böllerwürfen und dem Skandieren hetzerischer Parolen.

17.41 Uhr: Etwa 1700 Polizisten aus NRW, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg sowie starke Kräfte der Bundespolizei sind laut Polizei vor Ort. Sechs Wasserwerfer und ein Polizeihubschrauber stehen bereit. Eine Reiterstaffel ist aus Stuttgart angereist. 

17.38 Uhr: Die Teilnehmer der Rechtendemo sind am Hauptbahnhof angekommen. Dort werden sie erneut von einigen hundert Gegendemonstranten mit »Nazis raus«-Rufen begrüßt. Bundespolizisten geleiten sie nun zu den Gleisen.

17.15 Uhr: Während die Polizei 400 Rechte und 6000 Gegendemonstranten zählt, sprechen die Veranstalter des Bielefelder Bündnisses gegen Rechts sogar von 10.000 Teilnehmern bei den Gegendemos. Die Rechten befinden sich derweil auf dem Rückweg Richtung Hauptbahnhof.

Die Gedanken sind frei...

16.45 Uhr: Gleich startet die Premiere des Weihnachtsmärchens am Theater Bielefeld: Der Einlass erfolgt über den Notausgang an der Brunnenstrasse. Derweil werden jetzt noch Luftballons für Haverbeck losgelassen.

16.42 Uhr: Zwei Rechte dringen durch den Hintereingang in eine Wohnung am Siekerwall ein und werfen zwei große Lautsprecher um. Mit diesen haben die Bewohner zuvor mit Hannes-Wader-Liedern die Kundgebung der Rechten am Landgericht gegenüber beschallt. Eine Straftat, wie die Polizei mitteilt. Die Bewohnerin kann die beiden Männer vertreiben. Sie können entkommen. Beim Abrücken des Zuges der Rechten wird der Bewohner von einem Mann bedroht: »Ich weiß, wo Du wohnst.«

16.40 Uhr: Die Rechten drehen nun auf der Kreuzung am Niederwall um und es geht wieder in Richtung Bahnhof.

16.35 Uhr: Die Kundgebung der Rechten scheint sich dem Ende zu nähern. Nun wird »Die Gedanken sind frei« angestimmt, das als Lieblinsglied von Ursula Haverbeck angekündigt wird.

Anmerkung der Redaktion: Immer wieder war das Lied in Zeiten politischer Unterdrückung oder Gefährdung Ausdruck für die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Der Vater Sophie Scholls wurde Anfang August 1942 wegen hitlerkritischer Äußerungen inhaftiert. Sophie Scholl stellte sich abends an die Gefängnismauer und spielte ihrem dort einsitzenden Vater auf der Blockflöte die Melodie vor.

Weitere Straßenblockade

16.08 Uhr: Die Polizei hat sich am Niederwall, der Detmolder Straße sowie der Kreuzstraße postiert – mit gepanzertem Räumfahrzeug und Wasserwerfern. Vor dem Landgericht steht die Antifa.

15.51 Uhr: Unterdessen blockieren Gegendemonstranten die Einmündung zur Detmolder und zur Kreuzstraße.

»Eine Schande für unsere Heimat«

15.50 Uhr: Ein anderer Redner spricht von Gesinnungsdiktatur in Deutschland. Dann meinen die Rechten das Rammstein-Lied »Mutter« anstimmen zu müssen. Irgendwo ist indes »Schrei nach Liebe« von den Ärzten zu hören.

15.42 Uhr: Die Demo der Rechten geht nachher entweder den gleichen Weg zurück oder über die Arthur-Ladebeck-Straße nach Brackwede-Bahnhof.

15.30 Uhr: Erster Redner der Rechen bei der Kundgebung am Landgericht ist Thorsten Heise. Der Mann ist laut Wikipedia ein deutscher militanter Neonazi, führender Aktivist der Freien Kameradschaftsszene und Mitglied im Bundesvorstand der NPD. Er findet: Haverbeck sei die ideale Großmutter, die jetzt im kalten Knast friere. »Eine Schande für unsere Heimat.« Haverbeck sei eine der tapferen Frauen.

15.22 Uhr: Es gibt eine Zwischenkundgebung der Rechten vor dem Landgericht. Die Bayerische Polizei ist mit Beweissicherungstrupps unterwegs. 

Auf der rechten Spur des Niederwalls

15.03 Uhr: Vor dem Rathaus wird es laut. Es ertönen »Nazis raus«-Rufe, weil sie sich vom Jahnplatz aus nähern – auf der rechten Spur des Niederwalls.

14.58 Uhr: In den Einkaufshäusern in der Bielefelder Bahnhofstraße sind nur wenige Kunden unterwegs. Uwe Mönninghoff, Filialgeschäftsführer bei Karstadt, nennt das Frequenzprobleme. Damit habe man aber gerechnet, geöffnet bleibe aber bis 20 Uhr. Das Sicherheitspersonal werde aufgestockt, auch, so Mönninghoff, um die Türen schnell schließen zu können.

14.47 Uhr: Es kommt zu ersten Festnahmen am Niederwall. Die Demonstrierer werden mehr, skandieren »Deutsche Polizisten schützen Faschisten«. Beide Seiten stehen sich gegenüber in der Marktstraße.

Auch am Jahnplatz füllt es sich

14.30 Uhr: Polizeikräfte aus Hessen beginnen damit, einzelne der etwa 30 Sitzblockierer wegzutragen. Die Blockierer singen: »Wir sind friedlich, was seid Ihr?«. 

14.15 Uhr: Der Zug der Rechten setzt sich jetzt in Bewegung. 

Übrigens auch die Partei ist vor Ort: 

14.11 Uhr: Die Antifa hat zu einer Sitzblockade am Niederwall aufgerufen.

13.40 Uhr: Der Jahnplatz füllt sich mit Gegendemonstranten.

13.13 Uhr: Etwa 165 Rechte sind mit dem Regionalexpress 6 aus Dortmund angereist. Sie werden mit Rufen »Nazis raus!« in Empfang genommen. Sie werden nun überprüft und durchsucht. Unter ihnen sind Nikolai Nerling, in Kreisen  »Der Volkslehrer« genannt, sowie Vertreter der Völkischen Szene aus OWL. 

13.07: Ein Böller wird in den für die Rechten abgesperrten Bereich geworfen. Dieser ist noch weitgehend leer, dennoch verfahlt er eine Person nur knapp.

Die ersten Pfiffe

12.53 Uhr: Laut Bundespolizei befinden sich nun bereits 2000 Menschen vor dem Hauptbahnhof. Auf Seiten der Rechten sind es demnach 70 Personen. Um den Jahnplatz kreist auch Polizei aus Wiesbaden, Wasserwerfer werden in Stellung gebracht.

12.30 Uhr: Die ersten Rechten treffen ein. Gellende Pfiffe sind auf dem Vorplatz des Bahnhofes zu hören. Mittlerweile sind etwa 1500 Menschen vor Ort. 

Viele sind am Hauptbahnhof

12.20 Uhr: Vor dem Hauptbahnhof füllt es sich. Dort sammeln sich bereits etwa 1000 Menschen. 

Auch die Polizei ist vor Ort: Polizeikräfte aus Bamberg/Bayern sind auf dem Vorplatz im Einsatz. Im Hbf selbst ist die Bundespolizei aus St. Augustin. Zudem soll eine Reiterstaffel soll aus Baden-Württemberg kommen. 

Straßenbahnen fahren nicht mehr in die Innenstadt

12.05 Uhr: Die Haltestelle Jahnplatz wird geräumt. Dort sind aber noch viele Menschen, die augenscheinlich gar nichts von der Sperrzone wissen. Das ist Schwerstarbeit für das Sicherheitspersonal. 

11.55 Uhr: Der Straßenbahn-Verkehr in auf den Abschnitten Sieker - HBF, Senne - HBF, Stieghorst - HBF ist eingestellt, teilt Mobiel mit. Die Busse fahren zudem jetzt Umleitungen Weitere Teile der Bielefelder Innenstadt sind ab 12 Uhr abgesperrt. Welche Auswirkungen das auf den Bus- und Bahnverkehr habt, lest ihr hier. Informationen gibt es auch hier.

Jahnplatzforum ist dicht

11.30 Uhr: So sieht es derzeit an der Jöllenbecker Straße Richtung Innenstadt. Hier wird die Straße gegen 13 Uhr dicht gemacht. 

11 Uhr : Einige Geschäfte in der Altstadt haben heute geschlossen, das Jahnplatzforum ist komplett dicht.

Foto: Heinz Stellte

10.55 Uhr: Auch Arminia zeigt klare Kante - und Casper gefällt das. 

Kein Fastfood am HBF

10.40 Uhr: Die Fahrräder am Hauptbahnhof sind geräumt. Die Polizei ist mit zwei Räumpanzern und sechs Wasserwerfern vor Ort

10.30 Uhr: Und ein Hinweis für die Hungrigen: Der McDonald’s am HBF hat hat wegen der Demo von 11 bis 21 Uhr geschlossen. Die Polizei baut dort aktuell vor dem Eingang ein Durchsuchungszelt für die Rechten auf.

Zugang zur Jobmesse

10 Uhr: Wir weisen an dieser Stelle noch mal auf das Parkverbot vor dem Hauptbahnhof hin. Bis 11 Uhr müssen Autos und Räder weg sein. Alle Fahrzeuge die trotz des Verbots noch abgestellt sind, werden entfernt, teilt die Polizei mit.

Parkhäuser innerhalb des Sperrbereichs können bis 12 Uhr befahren werden. Bei einer Ausfahrt nach 12 Uhr kann es zu Behinderungen und Staus auch in den Parkebenen kommen.

9.30 Uhr: Die Jobmesse in der Stadthalle findet bekanntermaßen statt. Nach Angaben des Veranstalter werden Aussteller und Besucher an den Sperrpunkten der Polizei Herforder Straße/Beckhausstraße und Herforder Straße/August-Bebel-Straße zum Parkhaus der Stadthalle durchgelassen.

Es ist allerdings mit erheblichen Beeinträchtigungen zu rechnen, weil das Parkhaus am Sammelpunkt der Rechten liegt. Daher die Empfehlung Park’n’Ride nutzen, etwa an den Stadtbahnlinien Babenhausen Süd (Linie 3), An der Reegt in Schildesche (1), der Uni (4), oder am Endpunkt Milse (2). Alle Linien verkehren bis zur Haltestelle Hauptbahnhof.

Polizei per Bürgertelefon erreichbar

9 Uhr:  Das Unerträgliche tolerieren: Unser Kommentar zum Aufmarsch von 500 Rechtsradikalen in Bielefeld – eine kleine Leseempfehlung!

8.30 Uhr: Das Bürgertelefon der Polizei ist seit 8 Uhr besetzt. Zu erreichen ist es ab sofort unter Telefonnummer 0521/545-2222 (bis Demoende) oder per E-Mail an buergerservice.bielefeld@polizei.nrw.de zu erreichen. Weitere Infos auch auf Twitter und auf Facebook.

Loom hat geöffnet, Gastronomen räumen Stühle

8 Uhr: Das Loom und alle anderen großen Kaufhäuser in Bielefeld haben geöffnet. Es ist in den Geschäften aber mehr Security im Einsatz. Man wolle bei Übergriffen von Splittergruppen bei der Demo gewappnet sein und zum Schutz der Kunden die Eingänge schnell schließen können, so Loom-Manager Michael Latz. Andere große Kaufhäuser verfahren an der Bahnhofstraße ebenso.

Bielefelder Gastronomen wie Starbucks am Jahnplatz oder Giovanni L. am Alten Markt haben indes Tische und Stühle von der Straße geholt, damit sie von Extremisten beider Lager nicht als Wurfgeschosse genutzt werden können.

Die Geschäftsleute in der Altstadt zeigten bereits im Vorfeld Kante gegen Naziideologie. Am Donnerstag wurden auf Initiative der Kaufmannschaft Altstadt Transparente und Plakate zwischen Artur-Ladebeck-Straße und Niederwall aufgehängt.

Theaterpremiere findet statt

7.45 Uhr: Trotz der angekündigten Demonstrationen und Absperrungen in der Bielefelder Innenstadt findet die Premiere des Familienstücks »Aladin und die Wunderlampe« am Samstag im Stadttheater wie geplant um 17 Uhr statt. »Die Theaterleitung hält es für immanent wichtig, dass der Aufmarsch der rechten Szene nicht dazu führt, dass Kunst- und Kulturveranstaltungen abgesagt werden«, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Gastspiel »Die Schnecke und der Buckelwal« in den Bielefelder Puppenspielen fällt aufgrund der Sperrungen in der Innenstadt aus.

Antifa gedenkt der Pogromnacht

Bis zu 550 Linksautonome, so die Schätzung der Polizei, haben sich am Freitagabend an einer Demonstration zum Gedenken an den 80. Jahrestag der sogenannten Pogromnacht vom 9. November 1938 beteiligt.

Nach einem Zug vom Jahnplatz über Bahnhofsstraße/Bahnhofsvorplatz/Willy-Brandt-Platz endete die Veranstaltung vor der Gedenkstätte für die niedergebrannte Synagoge an der Turnerstraße. Polizeiangaben zufolge verlief der Aufzug friedlich.

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