Fr., 16.11.2018

Splitter-Verlag übersetzt belgische Comics und bringt sie auf den deutschen Markt – mit Quiz Die Schlümpfe kommen aus Bielefeld

Martin Budde ist quasi Schlumpf-Experte. Kein Wunder also, dass der Bielefelder die Übersetzung der Comics betreut.

Martin Budde ist quasi Schlumpf-Experte. Kein Wunder also, dass der Bielefelder die Übersetzung der Comics betreut. Foto: Ann-Christin Lüke

Von Ann-Christin Lüke

Bielefeld (WB). Wer hätte das gedacht: Die Schlümpfe kommen aus Bielefeld! Die Comics mit den blauen Kobolden werden nämlich in Ostwestfalen aus dem Französischem ins Deutsche übersetzt und hier herausgebracht.

60 Jahre Schlümpfe

Zum ersten Mal tauchten Schlümpfe (im Original »schtroumpfs«) am 23. Oktober 1958 auf, zunächst als Nebenfiguren im belgischen Comic »Johan et Pirlouit« (Johann und Pfiffikus). Dann widmete ihr belgischer Erfinder Pierre Culliford alias Peyo ihnen eine eigene Reihe für ihre Streiche und verrückten Abenteuer. Seit Peyos Tod 1992 führt seine Tochter Véronique Culliford mit ihrer Mutter und ihrem Bruder sein Werk weiter.

Seit 2011 verlegt der Bielefelder Splitter-Verlag unter dem Label Toonfish die Comic-Alben rund um Schlaubi Schlumpf, Schlumpfine und Papa Schlumpf. »Die Lizenz war damals frei«, sagt der Verlagssprecher Maximilian Schlegel. »Wir waren nicht die einzigen, die sich darum bemüht hatten.« Aber die Bielefelder erhielten den Zuschlag für die Alben, die meist 44 Seiten umfassen und längere Geschichten aus Schlumpfhausen und seinen ewigen Kampf gegen den Bösewicht Gargamel erzählen.

Damit die Leser auch einen schlumpftastischen Comic in den Händen halten, kümmert sich ein »Leser der allerersten Stunde« darum, dass die Abenteuer standesgemäß ins Deutsche übersetzt werden: Martin Budde.

Schlumpfblau – eine Überraschung

Der 58-Jährige ist großer Comic-Fan (»Meine Sammlung umfasst bestimmt einige Tausende Exemplare«) und kam schon 1969 in den Besitz des ersten Bands der Schlümpfe. »Da war die Überraschung allerdings groß«, sagt er. Dass die Schlümpfe blau sind, habe er zunächst gar nicht gewusst. In Deutschland hätten es die winzigen Kobolde nämlich zunächst ins Fernsehprogramm für Kinder geschafft. »Da wurden damals kurze Clips produziert – allerdings in schwarz-weiß«, erinnert sich Budde.

Die Faszination für die Schlümpfe habe ihn nie ganz losgelassen, sagt der gelernte Buchhändler. Und als der Splitter-Verlag, der seit 2006 besteht und sich auf franko-belgische Comics spezialisiert hat, die Schlumpf-Lizenz erhielt, war schnell klar, wer die Übersetzung der Geschichten betreut.

Schlumpfen ist Pflicht

Die Comics werden am Computer übersetzt und bearbeitet. Foto: Lüke

Die Übersetzung ist aber an Regeln geknüpft: »Das Prinzip der Schlumpfensprache ist wichtig; die müssen einfach schlumpfen«, sagt Budde. Jedes Jahr verpflichtet er sich mit einer Unterschrift gegenüber dem belgischen Mutterverlag Dupuis zu diesen Prinzipien. In den Comics dürfe es nicht zu vulgär und nicht zu hochgestochen hergehen. »Die Namen sind mittlerweile vorgegeben. Das wurde 2011 mit dem ersten Realkinofilm für den internationalen Markt vereinheitlicht.«

Aus dem Schlafschlumpf wurde Fauli, der Tortenschlumpf ist seitdem Torti, und der Bastelschlumpf heißt in den neuen Comics Handy. Das hänge auch mit der Zeichentrickserie zusammen, erläutert Budde. »Die Serie ist das präsenteste aus dem Schlumpf-Universum.« Und dort hieß der Große Schlumpf eben Papa Schlumpf. Wobei Budde diese Namensgebung eher unglücklich findet: »Es gibt gar keinen Papa bei den Schlümpfen.«

Die Schlümpfe werden weiblicher

Pierre Culliford alias Peyo ist der Erfinder der Schlümpfe. Foto: dpa

Generell kennt er einige Details zur blauen Welt. Er weiß zum Beispiel, dass die blonde Schlumpfine eigentlich ein Geschöpf des ärgsten Schlumpfen-Widersachers Gargamel ist (und am Anfang ist sie gar nicht blond). Sie sollte Zwietracht unter den Schlümpfen säen. Dieser Plan ging aber nach hinten los – und Schlumpfine ist heute eine der bekanntesten Figuren im blauen Universum.

Übrigens hat sie im Vorjahr weibliche Verstärkung bekommen: Seitdem gibt es auch Schlümpfinnendorf mit einer eigenen Comicbuch-Reihe, die ebenfalls vom Splitter-Verlag herausgebracht wird.

Aber ob männliche oder weibliche Schlümpfe: Für Martin Budde macht die Geschlossenheit der Kobolde die Faszination hinter Comics, Serie oder Film aus. »Die Grundlage des Ganzen ist die Gemeinschaft.«

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